LAN nur 100 statt 1000 Mbit/s: 6 Ursachen und Fixes

Blaues Cat-6-Netzwerkkabel wird in einen Switch mit mehreren RJ45-Ports gesteckt

Wenn deine LAN-Verbindung nur 100 statt 1000 Mbit/s aushandelt, liegt es in den allermeisten Fällen am Kabel, an einem Port oder an einer Stromsparfunktion. Gigabit-Ethernet nach IEEE 802.3ab (1000BASE-T) überträgt gleichzeitig über alle vier Aderpaare, je Paar 250 Mbit/s im PAM-5-Verfahren (IEEE 802.3ab, „How 1000BASE-T Works“). Fast Ethernet mit 100 Mbit/s braucht nur zwei Paare. Bricht ein einziger Draht, kippt die Verbindung sofort auf 100 Mbit. Erster Griff: intaktes Cat-5e- oder Cat-6-Kabel und ein anderer Switch-Port.

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Nur 100 statt 1000 Mbit/s? Erst die echte Link-Geschwindigkeit auslesen

Bevor du Kabel tauschst, lies die tatsächlich ausgehandelte Verbindungsgeschwindigkeit aus. Das ist die aktuelle Aushandlung zwischen Netzwerkkarte und Gegenstelle (Router oder Switch) und nicht dein Internet-Tarif.

  • Windows 11 (24H2): Einstellungen → Netzwerk und Internet → Ethernet. Unter den Adapterdetails steht die Verbindungsgeschwindigkeit (Empfang/Übertragung).
  • Schneller Weg (alle Windows-Versionen): Tastenkombination Windows+R, ncpa.cpl eingeben, den Ethernet-Adapter doppelklicken. Im Statusfenster zeigt „Geschwindigkeit“ den Wert.
  • PowerShell, wenn es eindeutig sein soll: Get-NetAdapter | Select Name, Status, LinkSpeed. Das Cmdlet liefert die Basiseigenschaften jedes Adapters inklusive Link-Geschwindigkeit (Microsoft Learn: Get-NetAdapter) – praktisch, wenn mehrere Adapter im Rechner stecken und du nicht raten willst, welcher gerade aktiv ist.
  • Gegenprobe am Router: Die meisten Router zeigen je LAN-Port, mit welchem Tempo das Gerät angebunden ist. Bei einer FRITZ!Box steht das unter Heimnetz → Heimnetzübersicht bei den Netzwerkverbindungen.

Steht dort 100,0 MBit/s (oder 100 Mbps), handelt der Adapter tatsächlich nur Fast Ethernet aus. Zeigt er dagegen 1,0 GBit/s und trotzdem kriechen deine Kopien, ist die Aushandlung in Ordnung und der Flaschenhals liegt woanders: langsame Festplatte im Ziel-NAS, WLAN-Strecke dazwischen oder schlicht der Internetanschluss. Merke dir die Unterscheidung, sie spart viel Fehlersuche – Link-Geschwindigkeit ist die ausgehandelte Leitungsstufe, Durchsatz ist das, was am Ende an Daten durchgeht.

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Schritt für Schritt: von 100 zurück auf 1000 Mbit/s

Arbeite die Schritte der Reihe nach ab und prüfe nach jedem, ob die Anzeige auf 1,0 GBit/s springt. So grenzt du die Ursache sauber ein, statt blind alles zu tauschen.

  1. Kabel gegen ein bekannt gutes tauschen. Nimm ein intaktes Cat-5e- oder Cat-6-Kabel, das du schon einmal mit voller Gigabit-Geschwindigkeit im Einsatz hattest. Das ist der mit Abstand häufigste Treffer. Ein Kabelsegment darf dabei maximal 100 m lang sein – die Reserve schrumpft mit jedem Zwischenstück, jeder Kupplung und jedem billig gecrimpten Stecker.
  2. Beide Stecker richtig einrasten. Drück jeden RJ45-Stecker so weit rein, bis die Rastnase hörbar klickt. Ein halb sitzender Stecker verliert genau die äußeren Adernpaare, die Gigabit braucht. Gleiches gilt für Stecker, deren Rastnase abgebrochen ist: Sie rutschen millimeterweise heraus und der Fehler kommt nach Tagen wieder.
  3. Anderen Port am Router oder Switch nutzen. Ein einzelner defekter Port handelt gern dauerhaft nur 100 Mbit aus. Steck das Kabel testweise in einen anderen Port desselben Geräts. Wandert der Fehler mit, liegt es am Kabel oder am PC; bleibt er am Port hängen, ist der Port hin.
  4. Kabelweg auf Knicke und Quetschungen absuchen. Ein überfahrenes oder in der Tür eingeklemmtes Kabel bricht innen ein Adernpaar, ohne dass man außen etwas sieht. Sichtbar beschädigte Leitungen komplett ersetzen – flicken lohnt bei Verlegekabel nie.
  5. Auto-Negotiation erzwingen. Geräte-Manager öffnen (devmgmt.msc), Netzwerkadapter → Eigenschaften → Erweitert → „Geschwindigkeit und Duplex“. Steht dort ein fester Wert wie „100 MBit Halbduplex“, auf Automatische Aushandlung stellen. Intel beschreibt genau das als Standard: Der Adapter handelt im Auslieferungszustand die beste gemeinsame Betriebsart mit der Gegenstelle aus, feste Werte sind nur für alte Switches ohne Auto-Negotiation gedacht (Intel Ethernet Adapters User Guide, „Setting Speed and Duplex“).
  6. Treiber der Netzwerkkarte aktualisieren. Im Geräte-Manager per Rechtsklick auf den Adapter „Treiber aktualisieren“ wählen oder den aktuellen Treiber vom Mainboard- bzw. NIC-Hersteller laden. Windows-Update liefert für Onboard-Chips oft nur einen generischen Treiber, der bei der Aushandlung zickt.

FRITZ!Box: Der Green Mode drosselt LAN-Ports auf 100 Mbit

Ein Sonderfall, der in Deutschland auffällig oft der wahre Grund ist: Viele FRITZ!Box-Modelle betreiben ihre LAN-Buchsen ab Werk im stromsparenden „Green Mode“, der die Ports auf 100 Mbit/s begrenzt. Kabel, Netzwerkkarte und Switch sind dann völlig in Ordnung – der Router bremst absichtlich. AVM beschreibt die Umstellung in der eigenen Wissensdatenbank: Im FRITZ!Box-Menü Heimnetz → Heimnetzübersicht den Reiter Netzwerkeinstellungen öffnen und dort für die betroffenen LAN-Anschlüsse den Power Mode aktivieren, anschließend mit „Übernehmen“ speichern (AVM-Wissensdatenbank: LAN-Verbindungen nur mit 100 Mbit/s).

Der Mehrverbrauch dafür ist minimal, der Sprung von 100 auf bis zu 1000 Mbit/s dagegen sofort messbar. Nach dem Umschalten kurz das Kabel ziehen und wieder einstecken, damit der Port neu aushandelt. Andere Hersteller nennen dieselbe Funktion je nach Oberfläche „Green Ethernet“, „EEE“ oder „Energy Efficient Ethernet“ – auch dort lohnt der Blick in die LAN-Einstellungen.

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Wenn das nicht hilft: die selteneren Ursachen

Bleibt die Anzeige auf 100 Mbit, sitzt der Flaschenhals meist weiter hinten in der Kette. Ein einziges Gerät mit 100-Mbit-Port bremst die komplette Strecke aus.

  • Ein Fast-Ethernet-Gerät in der Leitung. Alter Switch, günstiger Powerline-Adapter oder ein in die Jahre gekommener Access Point unterstützen teils nur 100 Mbit. Prüf jedes Zwischengerät auf seine Port-Spezifikation und ersetze das schwächste Glied.
  • Wanddose nur vieradrig aufgelegt. In vielen Altbauten sind hinter der Netzwerkdose nur vier der acht Adern angeklemmt (früher für Telefonie). Für Gigabit müssen alle acht Adern sauber auf die Dose gelegt sein. Das gehört in fachkundige Hände oder ans direkte Kabel vorbei an der Dose zum Test.
  • Energiesparfunktion des Adapters. Optionen wie „Energy Efficient Ethernet“ oder „Green Ethernet“ drosseln aggressiv. Im Geräte-Manager unter Erweitert probeweise deaktivieren und außerdem im Reiter „Energieverwaltung“ das automatische Abschalten des Adapters abwählen.
  • Die Netzwerkkarte selbst kann nur 100 Mbit. Sehr alte Onboard-Chips oder billige USB-LAN-Adapter sind reine Fast-Ethernet-Modelle. Ein Blick ins Datenblatt oder eine günstige Gigabit-USB-Karte als Gegentest schafft Klarheit.
  • Gigabit-USB-Adapter am falschen Port. Steckt ein Gigabit-Adapter in einer USB-2.0-Buchse, bremst der Bus mit 480 Mbit/s brutto. Der Link zeigt oft weiter 1,0 GBit/s, der reale Durchsatz bleibt aber bei rund 25 bis 30 MB/s hängen. Adapter in einen blauen USB-3.0-Port umstecken.
  • PoE-Injektor oder Splitter dazwischen. Preiswerte PoE-Injektoren sind häufig reine 100-Mbit-Geräte und reichen nur zwei Paare durch. Steht so ein Kästchen in der Strecke, ist es der erste Verdächtige.
  • Verbogener Pin in der Buchse. Ein hineingedrückter Kontakt in der Netzwerkbuchse von PC, Switch oder Dose trifft das äußere Paar zuerst. Mit Taschenlampe in die Buchse leuchten und alle acht Kontakte auf gleiche Höhe prüfen.

Welcher Test klärt welches Fehlerbild?

BeobachtungWahrscheinliche UrsacheNächster Test
100 Mbit an jedem Port, jedes KabelNetzwerkkarte, Treiber oder feste Duplex-EinstellungAuto-Negotiation prüfen, zweiten Rechner ans selbe Kabel
100 Mbit nur an einem Portdefekter Switch-/Router-PortPort wechseln, Gerät neu starten
100 Mbit nur über eine WanddoseDose vieradrig aufgelegt oder Ader gebrochenDirektkabel an der Dose vorbei testen
100 Mbit an allen LAN-Buchsen der FRITZ!BoxGreen Mode aktivPower Mode einschalten
1,0 GBit/s angezeigt, Kopie trotzdem langsamDurchsatz-Problem, nicht Link-ProblemQuelle/Ziel messen: Datenträger, WLAN-Teilstrecke, NAS
Verbindung bricht sporadisch einWackelkontakt, Stecker ohne Rastnase, EEEStecker tauschen, Energiesparoptionen aus

Der andere Klassiker: Duplex-Mismatch statt Tempo-Rückfall

Nicht jede lahme Leitung ist ein 100-Mbit-Problem. Wird eine Seite fest auf „100 Mbit Vollduplex“ gestellt und die andere lässt weiter aushandeln, erkennt die aushandelnde Seite keine Duplex-Angabe und fällt auf Halbduplex zurück. Das Ergebnis ist ein Duplex-Mismatch: Die Anzeige sieht harmlos aus, der Durchsatz bricht aber massiv ein, und auf den Ports zählen FCS- und Alignment-Fehler hoch (Cisco: Configure and Verify Ethernet Auto-Negotiation). Genau deshalb ist „fest einstellen“ beim Troubleshooting kein guter Reflex, sondern die Ursache der nächsten Woche.

Ein Klassiker, der in der Fachinformatiker-Prüfung gern als Fehlersuche-Aufgabe auftaucht: Zwei Seiten mit unterschiedlicher Konfiguration bekommen zwar einen Link, aber keine saubere Verständigung. Merksatz für die Praxis: Beide Seiten auf Automatik oder beide Seiten fest – niemals gemischt. Bei Gigabit-Verbindungen ist die Aushandlung ohnehin fester Bestandteil des Standards und sollte nicht abgeschaltet werden.

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Hintergrund: Warum kippt die Verbindung überhaupt auf 100 Mbit?

Ethernet über Kupfer nutzt je nach Tempo unterschiedlich viele Adernpaare. 100BASE-TX (Fast Ethernet) sendet und empfängt über nur zwei Paare und belegt in einem Standardkabel die Pins 1, 2, 3 und 6. 1000BASE-T nutzt dagegen alle vier Paare, also alle acht Adern gleichzeitig zum Senden und Empfangen – jedes Paar trägt dabei 250 Mbit/s in beide Richtungen, zusammen die vollen 1000 Mbit/s.

Beim Verbindungsaufbau handeln beide Seiten per Auto-Negotiation die höchste Betriebsart aus, die sie gemeinsam sauber hinbekommen. Fehlt ein Paar – weil ein Draht gebrochen, schlecht gecrimpt oder in der Dose nicht aufgelegt ist – scheitert die Gigabit-Einigung. Die Karten fallen dann auf die nächstniedrigere funktionierende Stufe zurück, und das sind eben 100 Mbit über die verbliebenen zwei Paare. Wer 100 statt 1000 Mbit/s liest, sieht also fast nie einen Software-Fehler, sondern eine physikalische Einschränkung der Strecke.

Deshalb bringt ein einziges intaktes Kabel oft schlagartig die volle Geschwindigkeit zurück. Und deshalb lohnt es sich, defekte Leitungen sofort zu entsorgen statt sie zurück in die Kiste zu werfen: Ein Kabel, das heute 100 statt 1000 Mbit/s liefert, kostet dich beim nächsten Mal wieder eine halbe Stunde Fehlersuche.

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Quellen

Häufige Fragen

Woran sehe ich, ob mein LAN nur mit 100 Mbit läuft?

Öffne mit Windows+R den Befehl ncpa.cpl, doppelklicke den Ethernet-Adapter und lies im Statusfenster den Wert bei Geschwindigkeit. 100,0 MBit/s bedeutet Fast Ethernet, 1,0 GBit/s ist Gigabit. In PowerShell geht es mit Get-NetAdapter | Select Name, LinkSpeed.

Reicht ein Cat-5-Kabel für Gigabit?

Für stabile 1000 Mbit/s solltest du mindestens Cat 5e oder Cat 6 verwenden. Altes Cat 5 funktioniert manchmal, handelt aber häufig nur 100 Mbit aus oder erzeugt Übertragungsfehler.

Warum bringt ein neues Kabel plötzlich volle Gigabit-Geschwindigkeit?

Gigabit braucht alle vier Aderpaare. Ist in der alten Leitung ein Draht gebrochen oder schlecht gecrimpt, fällt die Verbindung auf 100 Mbit zurück. Ein intaktes Kabel liefert wieder alle acht Adern.

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Meine FRITZ!Box liefert an allen Ports nur 100 Mbit – woran liegt das?

Viele FRITZ!Box-Modelle betreiben die LAN-Ports ab Werk im stromsparenden Green Mode. Unter Heimnetz, Heimnetzübersicht, Netzwerkeinstellungen lässt sich pro Port der Power Mode mit bis zu 1 Gbit/s aktivieren.

Muss ich Geschwindigkeit und Duplex manuell einstellen?

Nein, Automatische Aushandlung ist die richtige Wahl. Ein fester Wert auf nur einer Seite führt zum Duplex-Mismatch: Der Link steht, der Durchsatz bricht ein und die Fehlerzähler laufen hoch.

Kann ein einzelnes altes Gerät das ganze Netzwerk ausbremsen?

Ja. Ein Switch, Powerline-Adapter, PoE-Injektor oder Access Point mit nur 100-Mbit-Ports begrenzt die gesamte Strecke, auch wenn Kabel und Netzwerkkarte Gigabit könnten.

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Marcel Meyer

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Marcel Meyer schraubt seit über zehn Jahren an Rechnern, Netzwerken und Servern — beruflich wie privat. Hier übersetzt er IT-Grundlagen in verständliche Schritte.

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