Wake-on-LAN einrichten: PC per Netzwerk aufwecken

Netzwerkkabel steckt in der LAN-Buchse eines PCs, im Vordergrund ein Smartphone, das den Rechner per Wake-on-LAN aufweckt

Wake-on-LAN (WoL) weckt einen heruntergefahrenen oder schlafenden PC per Netzwerkbefehl. Du schaltest die Funktion an zwei Stellen frei: im BIOS/UEFI (die Firmware, die vor Windows startet, meist als Option „Power On By PCIe Device“ oder „Wake on LAN“) und in Windows im Geräte-Manager unter der Energieverwaltung deines LAN-Adapters. Zusätzlich muss der Schnellstart aus. Danach reicht ein sogenanntes Magic Packet von einem anderen Gerät, und der Rechner fährt hoch.

Anzeige

Was du für Wake-on-LAN brauchst

Bevor du loslegst, drei Dinge kurz prüfen — an ihnen scheitert WoL am häufigsten:

  • Kabelverbindung: Der PC muss per LAN-Kabel am Router oder Switch hängen. Über WLAN funktioniert Wake-on-LAN in den meisten Fällen nicht, weil sich die Funkverbindung im ausgeschalteten Zustand trennt (die selteneren „Wake on Wireless LAN“-Adapter sind die Ausnahme).
  • Stromversorgung im Standby: Das Netzteil muss die Netzwerkkarte im ausgeschalteten Zustand weiter mit etwas Strom versorgen. Ein harter Netzschalter an der Steckdosenleiste oder ein gezogener Stecker kappt das — dann wacht nichts auf.
  • Adapter-Unterstützung: Praktisch jede gängige Onboard-Netzwerkkarte seit vielen Jahren beherrscht WoL. Ob deine dabei ist, siehst du gleich in Schritt 2 an der passenden Einstellung.

Anzeige

cshow

Schritt 1: Wake-on-LAN im BIOS/UEFI aktivieren

Das BIOS/UEFI ist die Firmware auf dem Mainboard, die noch vor Windows läuft. Hier liegt der erste Schalter für WoL.

  1. Starte den Rechner neu und drücke währenddessen die Setup-Taste — je nach Hersteller Entf, F2, F10 oder F12. Alternativ in Windows 11 über Einstellungen → System → Wiederherstellung → Erweiterter Start → Jetzt neu starten und dann Problembehandlung → Erweiterte Optionen → UEFI-Firmwareeinstellungen.
  2. Suche einen Bereich wie Power, APM Configuration oder Advanced.
  3. Setze die Option auf Enabled. Sie heißt je nach Board unterschiedlich: „Wake on LAN“, „Power On By PCIe/PCI Device“, „Resume By PCI-E Device“ oder „PME Event Wake Up“ (PME steht für Power Management Event).
  4. Speichern und verlassen (meist F10). Der PC startet neu.

Findest du keine passende Option, ist sie bei manchen Boards fest aktiv oder versteckt sich unter „ErP Ready“ — steht ErP auf Enabled, kappt das Board im Aus-Zustand die Standby-Spannung und WoL ist tot. Dann ErP auf Disabled setzen.

Anzeige

Schritt 2: Den Netzwerkadapter in Windows vorbereiten

Jetzt die Gegenstelle in Windows. Am schnellsten über den Geräte-Manager:

  1. Rechtsklick auf das Startmenü → Geräte-Manager öffnen.
  2. Den Zweig Netzwerkadapter aufklappen, deinen LAN-Adapter (Ethernet/Realtek/Intel) doppelklicken.
  3. Reiter Erweitert: Eintrag Wake on Magic Packet (teils „WoL & WoWLAN“ oder „PME beim Herunterfahren aktivieren“) auswählen und auf Aktiviert stellen.
  4. Reiter Energieverwaltung: Die Haken bei Gerät kann den Computer aus dem Ruhezustand aktivieren und Nur Magic Packet kann Computer aus Ruhezustand aktivieren setzen. Der zweite Haken verhindert, dass beliebiger Netzwerk-Traffic den PC weckt.
  5. Mit OK bestätigen.

Schritt 3: Schnellstart deaktivieren

Der Windows-Schnellstart (Fast Startup) fährt den PC beim Herunterfahren nicht wirklich komplett aus, sondern in einen hybriden Ruhezustand. In diesem Modus ignorieren viele Netzwerkkarten das Magic Packet — der klassische Grund, warum WoL „aus dem heruntergefahrenen Zustand“ nicht klappt, aus dem Schlaf aber schon.

  1. Systemsteuerung → Energieoptionen → Auswählen, was beim Drücken des Netzschalters geschehen soll öffnen.
  2. Auf Einige Einstellungen sind momentan nicht verfügbar klicken (Admin-Rechte).
  3. Den Haken bei Schnellstart aktivieren (empfohlen) entfernen und speichern.

Schritt 4: MAC-Adresse herausfinden und PC aufwecken

Zum Wecken brauchst du die MAC-Adresse deines LAN-Adapters — die eindeutige Hardware-Kennung der Netzwerkkarte (sechs Zweiergruppen wie A1-B2-C3-D4-E5-F6).

  1. Eingabeaufforderung öffnen und ipconfig /all eingeben.
  2. Beim richtigen Ethernet-Adapter die Zeile Physische Adresse ablesen — das ist die MAC. (Kürzer geht es mit dem Befehl getmac.)
  3. Auf einem zweiten Gerät im selben Netzwerk eine WoL-App verwenden — etwa „Wake On Lan“ (Windows), „Wake Me Up“ (Android) oder das eingebaute Aufweck-Feature vieler Router (z. B. FritzBox unter Heimnetz → Netzwerk).
  4. MAC-Adresse eintragen, Magic Packet senden — der Zielrechner fährt hoch.

Getestet lässt sich das Ganze mit Windows 11 (Stand 24H2, 2026) nachvollziehen; die Menüpfade weichen unter Windows 10 nur minimal ab.

Anzeige

Wenn der PC nicht aufwacht

WoL ist bei Problemen fast immer an einer dieser Stellen hängen geblieben:

  • Nur der Ruhezustand geht, das Herunterfahren nicht: Dann ist der Schnellstart noch aktiv (Schritt 3) oder das Board kappt im Aus-Zustand die Spannung (ErP im BIOS auf Disabled).
  • Gar nichts passiert: Prüfe, ob der PC wirklich per Kabel hängt, und ob am Router-/Switch-Port die LED auch im ausgeschalteten Zustand leuchtet. Leuchtet sie nicht, erreicht die Netzwerkkarte keinen Standby-Strom.
  • Falsche MAC: Hat der PC mehrere Adapter (LAN + WLAN + virtuelle), leicht die falsche MAC erwischt. Nimm die des aktiven Ethernet-Adapters aus ipconfig /all.
  • Treiber-Reset: Ein Treiber-Update kann die Häkchen aus Schritt 2 zurücksetzen. Nach jedem Netzwerktreiber-Update kurz die Energieverwaltung erneut kontrollieren.

Wake-on-LAN über das Internet nutzen

Im Heimnetz genügt ein Broadcast. Von unterwegs — „Wake on WAN“ — muss das Magic Packet erst durch den Router. Das ist möglich, aber mit Bedacht einzurichten:

  • Router-Funktion zuerst: Viele Router (FritzBox & Co.) können einen gespeicherten PC selbst aufwecken, sobald du dich per VPN oder Fernzugriff einloggst — der sauberste Weg ohne offene Ports.
  • Portweiterleitung: Alternativ eine Weiterleitung auf UDP-Port 9 (Standard für WoL, alternativ 7) zur internen IP des PCs anlegen. Aus Sicherheitsgründen besser einen hohen, unauffälligen Port wählen statt den bekannten Port 9 offen ins Netz zu legen.
  • Lieber per VPN: Am sichersten ist es, gar keinen Port zu öffnen, sondern per VPN ins Heimnetz zu gehen und das Magic Packet dann intern zu senden. Offene WoL-Ports sind ein unnötiges Angriffsziel.

Hintergrund: Was ist ein Magic Packet?

Wer für die Fachinformatiker-Prüfung lernt, sollte das Prinzip kennen, denn es zeigt schön, wie eine Netzwerkkarte im „Aus“-Zustand überhaupt noch mithört. Beim Herunterfahren bleibt die NIC (Network Interface Card, die Netzwerkkarte) über die Standby-Spannung minimal aktiv und lauscht auf ein ganz bestimmtes Datenpaket: das Magic Packet.

Dieses Paket beginnt mit sechs Bytes FF FF FF FF FF FF, gefolgt von 16 Wiederholungen der Ziel-MAC-Adresse. Erkennt die Karte ihre eigene MAC in diesem Muster, gibt sie dem Mainboard das Signal zum Einschalten. Weil das Paket meist als Broadcast (an alle Geräte im Segment) verschickt wird und keine Bestätigung braucht, reicht dafür das verbindungslose UDP-Protokoll auf Port 9. Manche Karten unterstützen zusätzlich „SecureOn“, ein 6 Byte langes Passwort im Paket, damit nicht jeder beliebige Sender den Rechner wecken kann.

Anzeige

Häufige Fragen

Funktioniert Wake-on-LAN auch über WLAN?

In den meisten Fällen nicht. Klassisches Wake-on-LAN setzt eine Kabelverbindung voraus, weil die WLAN-Verbindung im ausgeschalteten Zustand getrennt wird. Nur spezielle Adapter mit „Wake on Wireless LAN“ beherrschen das Aufwecken per Funk.

Wie finde ich die MAC-Adresse meines PCs heraus?

Öffne die Eingabeaufforderung und gib ipconfig /all ein. Beim richtigen Ethernet-Adapter liest du die Zeile „Physische Adresse“ ab – das ist die MAC-Adresse. Kürzer geht es mit dem Befehl getmac.

Warum wacht mein PC nach dem Herunterfahren nicht auf, aus dem Ruhezustand aber schon?

Meist ist der Windows-Schnellstart schuld: Er fährt den PC nur in einen Hybrid-Ruhezustand, in dem viele Netzwerkkarten das Magic Packet ignorieren. Deaktiviere den Schnellstart in den Energieoptionen.

Welchen Port nutzt Wake-on-LAN?

Standardmäßig wird das Magic Packet per UDP an Port 9 gesendet, alternativ an Port 7. Im lokalen Netz spielt der Port kaum eine Rolle; für den Zugriff übers Internet ist er bei der Portweiterleitung relevant.

Ist Wake-on-LAN über das Internet sicher?

Eine offene Portweiterleitung ist ein zusätzliches Angriffsziel. Sicherer ist es, per VPN ins Heimnetz zu gehen und das Magic Packet dann intern zu senden, oder die Aufweck-Funktion des Routers zu nutzen, statt Port 9 offen ins Netz zu legen.

Anzeige
Marcel Meyer

# wer schreibt hier

Marcel Meyer schraubt seit über zehn Jahren an Rechnern, Netzwerken und Servern — beruflich wie privat. Hier übersetzt er IT-Grundlagen in verständliche Schritte.

→ Mehr über mich

Anzeige



Anzeige