Unicast schickt Daten an genau einen Empfänger, Multicast an eine angemeldete Gruppe und Broadcast an alle Geräte im selben Netzsegment. Der Unterschied liegt also in der Zahl der Empfänger und darin, wie gezielt das Netz die Pakete verteilt: Unicast ist die 1:1-Verbindung, Multicast die 1:viele-Verteilung an Interessenten, Broadcast das 1:alle-Rundschreiben.
Unicast: die 1:1-Verbindung
Unicast (von lateinisch uni = eins) ist eine gerichtete Übertragung zwischen genau zwei Endpunkten. Ein Sender, ein Empfänger, eine eindeutige Zieladresse. Der größte Teil des Internetverkehrs läuft so: Du rufst eine Webseite auf, lädst eine Datei herunter oder telefonierst per VoIP – all das sind Unicast-Verbindungen.
Im lokalen Netz leitet ein Switch die Frames dabei anhand der Ziel-MAC-Adresse weiter, ein Router nutzt die Ziel-IP und seine Routing-Tabelle. Der Vorteil: klarer Weg, gut kalkulierbare Bandbreite, einfach per Firewall abzusichern. Der Nachteil zeigt sich erst bei vielen Empfängern – schickst du denselben Videostream an 500 Leute per Unicast, entstehen 500 identische Datenströme.
Broadcast: der Ruf an alle im Segment
Beim Broadcast (englisch für „Rundsendung“) spricht ein Sender alle Geräte im selben Netzsegment gleichzeitig an. Man kann sich das wie einen Zuruf im Büro vorstellen: Alle im Raum hören ihn, egal ob sie gemeint sind. Genutzt wird das für Grundfunktionen, bei denen der Sender die genaue Zieladresse noch gar nicht kennt.
Das klassische Beispiel ist ARP (Address Resolution Protocol): Ein Gerät kennt eine IP-Adresse, aber nicht die zugehörige MAC-Adresse, und fragt per Broadcast „Wem gehört diese IP?“. Auch DHCP-Discovery – die Suche nach einem Adressvergabe-Server beim Einstöpseln – läuft per Broadcast. Wichtig: Ein Broadcast bleibt in seiner Broadcast-Domäne (in der Praxis meist einem VLAN) und wird von Routern nicht weitergeleitet. Sonst gäbe es sogenannte Broadcast-Stürme, die ganze Netze lahmlegen können.
Multicast: gezielt an eine Gruppe
Multicast liegt genau dazwischen: Ein Sender, aber mehrere Empfänger – und zwar nur die, die sich vorher angemeldet haben. Der Sender erzeugt einen einzigen Datenstrom, und das Netz vervielfältigt ihn erst dort, wo tatsächlich ein Empfänger sitzt. Das spart Bandbreite und ist der große Unterschied zum Broadcast, der stur an alle geht.
Die Anmeldung zu so einer Gruppe regelt bei IPv4 das Protokoll IGMP (bei IPv6 heißt das Pendant MLD). Typische Einsätze: IPTV und Live-Streams im Firmennetz, Börsen-Kursdaten, Software-Verteilung an viele Rechner gleichzeitig oder industrielle Messtechnik. Der Preis für die Effizienz ist mehr Konfigurationsaufwand und eine kniffligere Fehlersuche als bei Unicast.
Der Unterschied auf einen Blick
| Merkmal | Unicast | Multicast | Broadcast |
|---|---|---|---|
| Empfänger | genau einer | eine angemeldete Gruppe | alle im Segment |
| Prinzip | 1:1 | 1:viele (Interessenten) | 1:alle |
| Bandbreite | pro Empfänger ein Strom | ein Strom, nur wo nötig vervielfacht | ein Strom an alle |
| Beispiel | Webseite, Download, VoIP | IPTV, Live-Stream, Kursdaten | ARP, DHCP-Discovery |
| Reichweite | routbar, netzübergreifend | routbar (mit PIM) | nur eigene Broadcast-Domäne |
Welche Adressen gehören wozu?
Am Adresstyp lässt sich der Modus oft direkt ablesen – ein beliebter Prüfungspunkt:
- Unicast: eine normale, eindeutige Host-IP wie
192.168.1.20; auf Layer 2 die eindeutige MAC-Adresse der Karte. - Broadcast (IPv4): der eingeschränkte Broadcast
255.255.255.255oder die höchste Adresse eines Subnetzes; auf Layer 2 die MACFF:FF:FF:FF:FF:FF. - Multicast (IPv4): der Bereich
224.0.0.0bis239.255.255.255(Klasse D, also224.0.0.0/4). Der Block239.x.x.xist für lokale, organisationsinterne Gruppen reserviert.
Merke: Die höchste Adresse eines Subnetzes ist immer die Broadcast-Adresse und kann keinem Host vergeben werden – deshalb „kostet“ jedes Subnetz zwei Adressen (Netz- und Broadcast-Adresse).
Und in IPv6? Broadcast gibt es nicht mehr
Eine Änderung, die gern übersehen wird: IPv6 kennt keinen Broadcast mehr. Alles, was früher per Broadcast lief, übernimmt jetzt Multicast. Die MAC-Auflösung erledigt nicht mehr ARP, sondern das Neighbor Discovery Protocol (NDP) über spezielle Multicast-Gruppen. IPv6-Multicast-Adressen beginnen mit ff00::/8. Das Ziel: weniger unnötiges „Hintergrundrauschen“ im Netz, weil nicht mehr jedes Gerät jede Anfrage mithören muss.
Bonus fürs Verständnis: Anycast
Neben den drei Klassikern taucht oft ein vierter Begriff auf: Anycast. Dabei teilen sich mehrere Server dieselbe IP-Adresse, und das Routing liefert die Anfrage an den nächstgelegenen davon aus. Der Sender adressiert einen aus einer Gruppe – nämlich den topologisch nächsten. Genutzt wird das etwa von den DNS-Root-Servern und großen Content-Delivery-Netzen, damit Nutzer immer beim schnellsten Standort landen.
Warum das in der Fachinformatiker-Prüfung drankommt
Die vier Übertragungsarten sind ein Klassiker in der IHK-Prüfung, weil sie zeigen, ob man das Grundprinzip von Adressierung und Weiterleitung verstanden hat. Wer im Kopf hat, dass Broadcast an der Broadcast-Domäne endet, warum Multicast Bandbreite spart und dass IPv6 ohne Broadcast auskommt, kann daraus fast jede Folgefrage ableiten – vom Subnetting bis zur Fehlersuche, wenn ein Stream im falschen VLAN nicht ankommt.
Häufige Fragen
Was ist der Hauptunterschied zwischen Unicast, Multicast und Broadcast?
Unicast sendet an genau einen Empfänger (1:1), Multicast an eine angemeldete Gruppe (1:viele) und Broadcast an alle Geräte im selben Netzsegment (1:alle). Der Unterschied liegt in der Zahl der Empfänger und wie gezielt verteilt wird.
Gibt es Broadcast in IPv6?
Nein. IPv6 kennt keinen Broadcast mehr. Alle früheren Broadcast-Aufgaben übernimmt Multicast, zum Beispiel die MAC-Auflösung über das Neighbor Discovery Protocol (NDP) statt über ARP.
Welche Protokolle nutzen Broadcast?
Klassische Beispiele sind ARP zur Auflösung von IP- auf MAC-Adressen und DHCP-Discovery zur Suche nach einem Adressvergabe-Server. Broadcasts bleiben dabei innerhalb ihrer Broadcast-Domäne und werden von Routern nicht weitergeleitet.
Wofür wird Multicast in der Praxis verwendet?
Multicast eignet sich, wenn ein Sender denselben Datenstrom an viele Empfänger schicken soll: IPTV und Live-Streams, Börsen-Kursdaten, Software-Verteilung an viele Rechner oder industrielle Messtechnik. Es spart Bandbreite, weil nur ein Strom erzeugt wird.
Was ist eine Broadcast-Domäne?
Eine Broadcast-Domäne ist der Netzbereich, in dem ein Broadcast alle Geräte erreicht – in der Praxis meist ein VLAN. Router bilden die Grenze: Sie leiten Broadcasts nicht weiter und trennen so die Domänen voneinander.



