Das Großvater-Vater-Sohn-Prinzip ist ein Rotationsschema für Backups: Tägliche Sicherungen (der „Sohn“) fangen aktuelle Änderungen ab, wöchentliche („Vater“) und monatliche Sicherungen („Großvater“) bewahren ältere Stände auf. So hältst du mit rund 20 Datenträgern ein ganzes Jahr an Wiederherstellungspunkten vor, ohne für jeden Tag ein eigenes Medium zu brauchen. Fällt eine Ebene aus, greift die nächstältere.
Der Name stammt aus dem Bandarchiv-Zeitalter, das Konzept trägt aber bis heute: Auch mit Festplatten, NAS oder Cloud-Speicher planst du damit, wie lange welche Sicherung überlebt, bevor ihr Medium wiederverwendet wird. Genau diese Aufbewahrungsfrage – nicht die Sicherung selbst – ist der Kern des Prinzips (auch „Generationenprinzip“ genannt).
Die drei Generationen: Sohn, Vater, Großvater
Jede Generation steht für ein Zeitfenster und wird nach einer festen Regel überschrieben. Der Sohn zirkuliert am schnellsten, der Großvater am langsamsten:
| Generation | Rhythmus | Typische Medienzahl | Wird überschrieben nach |
|---|---|---|---|
| Sohn (täglich) | jeden Arbeitstag (Mo–Do) | 4 Medien | 1 Woche |
| Vater (wöchentlich) | jeden Freitag | 4 Medien | 1 Monat |
| Großvater (monatlich) | letzter Arbeitstag im Monat | 12 Medien | 1 Jahr |
Die Sohn-Sicherungen sind in der Praxis oft inkrementell – sie speichern nur, was sich seit der letzten Sicherung geändert hat, und bleiben dadurch klein. Vater und Großvater sind meist Vollsicherungen, also eine komplette Kopie aller Daten. Zwingend ist diese Aufteilung nicht: Das Prinzip regelt die Aufbewahrung, nicht den Sicherungstyp, und funktioniert genauso mit differenziellen oder reinen Vollsicherungen.
Wie viele Datenträger brauchst du?
Das Standardbeispiel geht von einer Fünf-Tage-Woche aus und kommt mit 20 Datenträgern für ein komplettes Jahr aus:
- 4 Sohn-Medien für Montag bis Donnerstag – jede Woche neu überschrieben.
- 4 Vater-Medien für die Freitage eines Monats (Woche 1 bis 4) – nach vier Wochen wieder an der Reihe.
- 12 Großvater-Medien für die zwölf Monatsenden – erst nach einem Jahr wiederverwendet.
Der Freitag jeder Woche wird also zum Vater, das letzte Monatssicherungs-Band zum Großvater. Der Reiz des Verfahrens: Statt 250+ Sicherungen einzeln aufzuheben, deckst du mit 20 Medien ein Jahr ab – vom gestrigen Stand bis zum Zustand vor elf Monaten.
So läuft die Rotation über ein Jahr
Die Rotation ist reine Fleißarbeit nach festem Plan. So sieht der Ablauf aus:
- Montag bis Donnerstag läuft je ein Sohn-Medium (S1–S4).
- Am Freitag sichert statt des Sohns ein Vater-Medium (z. B. V1 in Woche 1).
- In der Folgewoche starten die Sohn-Medien von vorn und werden überschrieben; der Freitag bekommt V2.
- Am letzten Arbeitstag des Monats übernimmt statt des Vaters ein Großvater-Medium (G1 im Januar, G2 im Februar …).
- Nach vier Wochen sind die Vater-Medien durch und beginnen von vorn; nach zwölf Monaten rotieren die Großvater-Medien zurück auf G1.
Wichtig ist die Ausnahme-Logik: Der letzte Tag „gewinnt“. Fällt ein Monatsende auf einen Freitag, wird dieser Tag zum Großvater und nicht zum Vater. So bleibt die längste Aufbewahrung immer besetzt.
Wo das Prinzip an seine Grenzen stößt
Das Schema ist sparsam, aber es hat einen bekannten Haken – ein beliebter Prüfungspunkt: die grobe Zeitraster-Lücke bei alten Beständen.
Beispiel: Eine Datei wird an einem Dienstag versehentlich gelöscht, aber erst fünf Wochen später vermisst. Der Sohn dieses Dienstags ist längst überschrieben, und ob die Datei in der nächsten Wochen- oder Monatssicherung landete, hängt vom Zufall des Sicherungszeitpunkts ab. Je weiter zurück, desto lückenhafter wird die Wiederherstellbarkeit einzelner Stände. Zwei weitere Schwächen:
- Gesetzliche Aufbewahrung: Ein Jahr reicht für steuerlich relevante Daten nicht. In Deutschland gelten je nach Belegart bis zu zehn Jahre (GoBD). Dafür ergänzt man eine vierte Ebene – den „Urgroßvater“, eine Jahressicherung, die dauerhaft archiviert und nicht überschrieben wird.
- Ein Aufbewahrungsplan ist noch keine Ausfallsicherheit: Liegen alle 20 Medien im selben Raum, vernichtet ein Brand oder Diebstahl das gesamte Archiv auf einen Schlag.
GFS und die 3-2-1-Regel kombinieren
Das Generationenprinzip beantwortet die Frage „welche Stände hebe ich wie lange auf?“. Es sagt nichts darüber, wo die Medien liegen. Genau diese Lücke füllt die 3-2-1-Regel: mindestens 3 Kopien der Daten, auf 2 verschiedenen Medientypen, davon 1 Kopie außer Haus (offsite).
In der Praxis greifen beide ineinander: GFS legt den Zeitplan fest, 3-2-1 sorgt dafür, dass die Großvater-Medien nicht neben dem Server im selben Schrank liegen, sondern etwa in einem Bankschließfach, an einem zweiten Standort oder in einem Cloud-Speicher. Erst die Kombination macht aus einem Rotationsplan eine echte Datensicherungsstrategie.
Warum funktioniert das Generationenprinzip?
Der Trick ist gestaffelte Redundanz über die Zeit – nicht über die Menge. Ein einzelnes tägliches Backup schützt nur vor dem klassischen „Ups, gerade gelöscht“. Es hilft nicht, wenn ein Schaden lange unbemerkt bleibt: ein schleichend defektes Speichermedium, eine Ransomware, die Wochen still mitläuft, oder ein Fehler, der sich Sicherung für Sicherung fortschreibt.
Weil GFS parallel einen tages-, einen wochen- und einen monatsalten Stand vorhält, hast du bei einem solchen Fall mehrere Rückfallpunkte. Ist der Vater bereits mit dem Schaden verseucht, greifst du auf den sauberen Großvater zurück. Genau diese Frage – „von welchem Zeitpunkt kann ich noch wiederherstellen?“ – ist im Alltag entscheidender als die reine Anzahl der Kopien. Im privaten Heimserver-Betrieb reicht oft eine abgespeckte Variante mit wöchentlichem Vater und monatlichem Großvater auf zwei externen Platten; das Muster bleibt dasselbe.
Häufige Fragen
Was bedeutet das Großvater-Vater-Sohn-Prinzip?
Es ist ein Rotationsschema für Backups mit drei Ebenen: tägliche Sicherungen (Sohn), wöchentliche (Vater) und monatliche (Großvater). So bleiben mehrere zeitlich gestaffelte Wiederherstellungspunkte erhalten, während ältere Medien planmäßig wiederverwendet werden.
Wie viele Datenträger braucht man beim GFS-Prinzip?
Im Standardbeispiel für eine Fünf-Tage-Woche sind es 20 Medien: 4 für die täglichen Sohn-Sicherungen, 4 für die wöchentlichen Vater-Sicherungen und 12 für die monatlichen Großvater-Sicherungen. Damit deckst du ein volles Jahr ab.
Ist das Prinzip an einen bestimmten Backup-Typ gebunden?
Nein. Das Generationenprinzip regelt nur die Aufbewahrung, nicht den Sicherungstyp. Häufig sind Sohn-Backups inkrementell und Vater- sowie Großvater-Backups Vollsicherungen, aber differenzielle oder reine Vollsicherungen funktionieren genauso.
Worin unterscheidet sich GFS von der 3-2-1-Regel?
GFS legt fest, welche Stände wie lange aufbewahrt werden (die Zeitachse). Die 3-2-1-Regel legt fest, wo sie liegen: 3 Kopien, 2 Medientypen, 1 Kopie außer Haus. Beide ergänzen sich zu einer vollständigen Backup-Strategie.
Was ist der größte Nachteil des Generationenprinzips?
Alte Bestände lassen sich nur grob wiederherstellen. Wird eine gelöschte Datei erst Wochen später vermisst, ist der zugehörige Sohn längst überschrieben. Für gesetzliche Fristen ergänzt man deshalb eine dauerhaft archivierte Jahressicherung (Urgroßvater).




