Dual-Boot einrichten: Windows und Linux parallel installieren

Bildschirm mit Boot-Auswahlmenue zwischen zwei Betriebssystemen auf einem Dual-Boot-PC

Ein Dual-Boot-System hältst du in fünf Etappen sauber hin: Windows zuerst installieren, dann in Windows Speicherplatz freiräumen (Partition verkleinern), einen Linux-USB-Stick mit Rufus oder BalenaEtcher erstellen, Ubuntu vom Stick starten und dort „Ubuntu neben dem Windows-Boot-Manager installieren“ wählen. Nach dem Neustart übernimmt GRUB das Startmenü und lässt dich bei jedem Hochfahren zwischen beiden Systemen wählen.

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Bevor du anfängst: diese drei Windows-Schalter entscheiden alles

Die meisten kaputten Dual-Boot-Versuche scheitern nicht an Linux, sondern an drei Windows-Funktionen, die vorher noch aktiv sind. Prüf sie in dieser Reihenfolge:

  • Vollständiges Backup. Du fasst gleich die Partitionstabelle an — die Struktur, die dem Rechner sagt, wo welche Daten auf der Platte liegen. Geht dabei etwas schief, sind ohne Backup alle Windows-Daten weg. Sichere vorher auf eine externe Platte.
  • Schnellstart (Fast Startup) aus. Windows fährt damit nicht wirklich herunter, sondern friert das Dateisystem ein. Linux kann dann nicht sicher auf die Windows-Partition zugreifen, und die Uhrzeit springt beim Wechsel. Systemsteuerung → Energieoptionen → „Auswählen, was beim Drücken des Netzschalters geschehen soll“ → Häkchen bei „Schnellstart aktivieren“ entfernen.
  • BitLocker aussetzen. BitLocker ist die Windows-Laufwerksverschlüsselung. Windows 11 24H2 aktiviert sie bei Neuinstallationen oft automatisch — auch in der Home-Edition. Ändert Linux danach die Startreihenfolge, verlangt Windows beim nächsten Boot den 48-stelligen Wiederherstellungsschlüssel. Setze BitLocker vorher aus: PowerShell als Administrator öffnen und manage-bde -protectors -disable C: eingeben. Notiere dir den Wiederherstellungsschlüssel trotzdem aus deinem Microsoft-Konto — als Sicherheitsnetz.

Secure Boot — die UEFI-Funktion, die nur signierte Startdateien zulässt — kannst du bei Ubuntu, Fedora oder Mint in der Regel angeschaltet lassen. Diese großen Distributionen sind für Secure Boot signiert. Nur bei exotischeren Systemen oder eigenen Treibern musst du es im UEFI abschalten.

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Windows und Linux parallel installieren — Schritt für Schritt

Die goldene Regel: immer Windows zuerst, Linux danach. Der Windows-Boot-Manager erkennt kein Linux und würde dessen Startmenü ignorieren. Der Linux-Bootloader GRUB dagegen findet beide Systeme und bindet Windows automatisch ein.

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  1. Speicherplatz in Windows freimachen. Rechtsklick auf das Startmenü → „Datenträgerverwaltung“. Rechtsklick auf die Windows-Partition (C:) → „Volume verkleinern“. Gib den Platz für Linux ein — 50 GB reichen zum Ausprobieren, 100 GB oder mehr, wenn du ernsthaft damit arbeiten willst. Der frei gewordene Bereich bleibt als „nicht zugeordnet“ stehen; den brauchst du gleich.
  2. Linux-ISO herunterladen. Hol dir die ISO-Datei deiner Distribution von der offiziellen Seite (für Einsteiger: Ubuntu LTS oder Linux Mint). Eine ISO ist ein komplettes Datenträger-Abbild des Installers.
  3. Boot-Stick erstellen. Mit Rufus (Windows) oder BalenaEtcher: ISO-Datei auswählen, den USB-Stick (mindestens 8 GB, wird komplett gelöscht) als Ziel wählen, starten. Das Tool macht den Stick startfähig.
  4. Vom Stick booten. Rechner neu starten und beim Herstellerlogo das Bootmenü öffnen — je nach Mainboard F12, F2, F10 oder Esc. Den USB-Stick als Startgerät wählen. Kennst du die Taste nicht, steht sie im Handbuch deines Mainboards.
  5. Ubuntu neben Windows installieren. Im Installer die Sprache wählen und „Ubuntu installieren“ starten. Beim Punkt zur Festplatte wählst du „Ubuntu neben dem Windows-Boot-Manager installieren“. Dann nutzt der Installer genau den vorhin freigeräumten Bereich und lässt Windows in Ruhe. Wähle NICHT „Festplatte löschen“ — das würde Windows überschreiben.
  6. Aufteilung bestätigen und installieren. Den Schieberegler für die Größe kannst du meist so lassen. Nach der Installation den Stick abziehen und neu starten.

Beim nächsten Hochfahren erscheint das lila GRUB-Menü: oben deine Linux-Distribution, darunter der Eintrag „Windows Boot Manager“. Mit den Pfeiltasten wählst du, was startet.

Wenn das GRUB-Menü nicht erscheint

Der häufigste Frust nach der Installation: Der Rechner bootet stur direkt in Windows, das Auswahlmenü fehlt. Meist liegt es an einer dieser drei Ursachen:

  • Falsche UEFI-Startreihenfolge. Die Firmware startet noch den Windows Boot Manager statt GRUB. Ins UEFI/BIOS gehen (beim Start die Setup-Taste drücken, oft Entf oder F2), unter „Boot“ den Eintrag deiner Distribution (z. B. „ubuntu“) über den „Windows Boot Manager“ schieben, speichern.
  • Windows verlangt den BitLocker-Schlüssel. Erscheint eine blaue Wiederherstellungs-Abfrage, war BitLocker noch aktiv, als GRUB die Startreihenfolge geändert hat. Gib den 48-stelligen Schlüssel aus deinem Microsoft-Konto ein, boote fertig in Windows und setze BitLocker wie oben aus.
  • GRUB wurde von einem Windows-Update überschrieben. Passiert gelegentlich nach großen Funktionsupdates. Vom Linux-Stick im „Ausprobieren“-Modus starten und GRUB mit einem Reparatur-Tool wie „Boot-Repair“ wiederherstellen — das setzt den Bootloader in wenigen Klicks neu.

Warum du Windows zuerst installierst

Hinter der „Windows zuerst“-Regel steckt keine Willkür, sondern die Arbeitsweise der beiden Bootloader. Ein Bootloader ist das kleine Programm, das nach dem Einschalten das eigentliche Betriebssystem lädt. Windows bringt den Windows Boot Manager mit — der ist auf Windows fixiert und blendet fremde Systeme einfach aus. Installierst du Windows also nach Linux, überschreibt es GRUB und du landest ohne Auswahlmenü direkt in Windows.

GRUB (Grand Unified Bootloader) arbeitet umgekehrt: Er scannt beim Einrichten alle Partitionen, erkennt eine vorhandene Windows-Installation und trägt sie automatisch ins Menü ein. Deshalb baust du die Kette von unten auf — erst Windows, dann Linux mit GRUB obendrauf. Ein Detail bleibt: Windows kann die Linux-Partition (Dateisystem ext4) nicht lesen. Für Dateien, die du aus beiden Systemen brauchst, legst du am besten eine zusätzliche Partition im NTFS-Format an — die versteht auch Linux.

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Häufige Fragen

Ist Dual-Boot für meine Windows-Installation gefährlich?

Mit vorherigem Backup und ausgesetztem BitLocker ist das Risiko gering. Kritisch ist nur das Verkleinern der Windows-Partition — läuft das schief, hilft das Backup. Solange du im Ubuntu-Installer „neben Windows installieren“ wählst und nicht „Festplatte löschen“, bleibt Windows unangetastet.

Muss ich Secure Boot für Linux abschalten?

Meist nicht. Ubuntu, Fedora und Linux Mint sind für Secure Boot signiert und starten mit aktivierter Funktion. Abschalten musst du es nur bei exotischen Distributionen oder wenn du eigene, unsignierte Treiber lädst.

Warum lande ich nach der Installation direkt in Windows statt im Auswahlmenü?

Dann startet die UEFI-Firmware noch den Windows Boot Manager statt GRUB. Gehe ins BIOS/UEFI, öffne die Boot-Reihenfolge und schiebe den Eintrag deiner Linux-Distribution über den Windows Boot Manager. Nach dem Speichern erscheint das GRUB-Menü.

Kann ich vom Linux-System aus auf meine Windows-Dateien zugreifen?

Ja, Linux liest und schreibt die NTFS-Partition von Windows problemlos. Umgekehrt geht es nicht: Windows kann die Linux-Partition im ext4-Format nicht lesen. Für gemeinsame Dateien legst du am besten eine separate NTFS-Partition an.

Wie viel Speicherplatz sollte ich für Linux reservieren?

Zum Ausprobieren genügen 50 GB. Willst du ernsthaft mit Linux arbeiten, Programme und Dateien speichern, plane 100 GB oder mehr ein. Den Platz gewinnst du, indem du die Windows-Partition in der Datenträgerverwaltung verkleinerst.

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Marcel Meyer

# wer schreibt hier

Marcel Meyer schraubt seit über zehn Jahren an Rechnern, Netzwerken und Servern — beruflich wie privat. Hier übersetzt er IT-Grundlagen in verständliche Schritte.

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