Festplatten- und SSD-Gesundheit prüfen: SMART-Werte richtig lesen

Eine SSD und eine Festplatte auf einem Werktisch, im Hintergrund ein Laptop mit Diagnose-Werten

Kurz gesagt: SMART (Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology) ist ein eingebautes Selbstüberwachungssystem moderner Datenträger. Mit einem Tool wie CrystalDiskInfo (Windows) oder smartctl (Linux/macOS) liest du die Werte in zwei Minuten aus. Entscheidend sind bei Festplatten die wiederzugewiesenen und schwebenden Sektoren, bei SSDs der Verschleißgrad. Stehen diese auf Grün, ist der Datenträger gesund.

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Woran du eine kranke Platte erkennst

Bevor du Werte ausliest, hilft ein Blick auf die Symptome. Typische Vorboten eines Defekts:

  • Das System friert kurz ein, der Datei-Explorer reagiert sekundenlang nicht.
  • Beim Kopieren brechen Übertragungen ab oder einzelne Dateien lassen sich nicht öffnen.
  • Eine Festplatte (HDD) klackt, klickt oder dreht hörbar hoch und wieder ab.
  • Windows meldet beim Start einen drohenden Laufwerksausfall.

Wichtig zur Abgrenzung: Ruckler und Hänger entstehen auch durch zu wenig Arbeitsspeicher oder eine fast volle Systempartition. SMART grenzt das ein – ist der Datenträger laut SMART einwandfrei, liegt die Ursache meist woanders.

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SMART-Werte Schritt für Schritt auslesen

Unter Windows ist CrystalDiskInfo (quelloffen, kostenlos) das einfachste Werkzeug:

  1. CrystalDiskInfo von der offiziellen Seite des Entwicklers Crystal Dew World herunterladen und installieren. Es gibt eine portable Variante, die ohne Installation läuft.
  2. Programm starten. Oben siehst du eine Registerkarte pro Datenträger – wechsle zwischen mehreren Platten über die Reiter.
  3. Den Gesundheitszustand oben links ablesen: „Gut“ (blau/grün), „Vorsicht“ (gelb) oder „Schlecht“ (rot).
  4. In der Tabelle darunter die Einzelwerte prüfen. Jede Zeile hat ein farbiges Kreisel-Symbol – gelbe oder rote Markierungen zeigen das Problem-Attribut.

Unter Linux oder macOS liest du dieselben Daten mit dem Paket smartmontools aus. Der Befehl sudo smartctl -a /dev/sda zeigt alle Attribute eines Laufwerks. Mit sudo smartctl -t short /dev/sda startest du den eingebauten Kurz-Selbsttest des Datenträgers.

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Welche SMART-Werte wirklich zählen

Jedes Attribut hat einen Rohwert (die rohe Zählung, herstellerspezifisch) und einen normalisierten Wert (meist 1–253, höher ist besser). Fällt der normalisierte Wert auf oder unter den ebenfalls angezeigten Schwellwert (THRESH), gilt das Attribut als kritisch. Diese Attribute solltest du im Blick behalten:

Attribut (ID)Gilt fürBedeutung
Reallocated Sector Count (05)HDD & SSDAnzahl ausgefallener und durch Reserve ersetzter Sektoren. Sollte 0 sein; jeder Anstieg ist ein Warnsignal.
Current Pending Sector (197)HDD„Schwebende“ Sektoren mit Lesefehler, die auf Neuzuweisung warten. Steigt der Wert, droht ein Defekt.
Uncorrectable Sector Count (198)HDDSektoren, die sich nicht mehr lesen lassen. Werte über 0 bedeuten bereits Datenverlust-Risiko.
UltraDMA CRC Error (199)HDD & SSDÜbertragungsfehler – meist kein Plattendefekt, sondern ein lockeres oder defektes SATA-Kabel.
Wear Leveling / Percentage UsedSSDVerschleißgrad der Speicherzellen. „Percentage Used“ zählt von 0 % (neu) auf 100 % (Endurance verbraucht).
Total Host Writes / TBWSSDGesamte geschriebene Datenmenge. Vergleiche sie mit dem TBW-Wert (Terabytes Written) aus dem Datenblatt des Herstellers.
Power-On Hours (09) & Temperatur (194)HDD & SSDBetriebsstunden zur Alters-Einschätzung; Temperatur idealerweise unter 50 °C (HDD) bzw. 65 °C (SSD).

Eine Eigenheit: Bei Seagate-Festplatten erscheint die Raw Read Error Rate oft als gigantische Zahl. Das ist normal – Seagate kodiert den Wert hexadezimal, er ist kein echter Fehlerzähler. Verlass dich hier auf den normalisierten Wert und die Gesamtampel, nicht auf den rohen Riesenwert.

Wenn der Status auf „Vorsicht“ oder „Schlecht“ springt

Zeigt das Tool Gelb oder Rot, geh in dieser Reihenfolge vor:

  • Zuerst sichern. Bevor du irgendetwas testest, kopiere die wichtigen Daten auf ein anderes Laufwerk. Eine angeschlagene Platte kann beim nächsten Start endgültig ausfallen.
  • Nur CRC-Fehler (199)? Dann zuerst das SATA-Kabel tauschen und einen anderen Anschluss am Mainboard probieren – oft verschwindet das „Vorsicht“ damit.
  • Steigende Reallocated- oder Pending-Sektoren? Das ist physischer Verschleiß. Die Platte hält vielleicht noch Wochen, aber plane den Austausch fest ein.
  • SSD mit hohem „Percentage Used“? Liegt der Wert nahe 100 %, ist die Schreib-Lebensdauer erschöpft. Lesen geht oft noch, neue Schreibvorgänge werden riskant.

Eine wieder zugewiesene Handvoll Sektoren bedeutet nicht sofort den Tod der Platte – aber ein Wert, der von Woche zu Woche wächst, schon. Lies SMART deshalb nicht einmalig, sondern beobachte den Trend.

Hintergrund: Warum SMART funktioniert – und wo seine Grenze liegt

Jeder moderne Datenträger führt intern Buch über seine eigenen Fehler: über wieder zugewiesene Sektoren, fehlgeschlagene Lesevorgänge, Temperatur und – bei SSDs – über die Zahl der Schreibzyklen, da Flash-Speicherzellen nur eine begrenzte Anzahl davon überstehen. Diese Selbstdiagnose ist der SMART-Standard, den praktisch alle Hersteller unterstützen.

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Die Grenze: SMART warnt zuverlässig vor schleichendem Verschleiß, aber nicht vor jedem plötzlichen Tod. Eine Studie des Backup-Anbieters Backblaze über hunderttausende Laufwerke zeigte, dass ein Teil der Festplatten ohne vorherige SMART-Warnung ausfällt. SMART ist also ein Frühwarnsystem – kein Ersatz für ein aktuelles Backup.

Häufige Fragen

Was sind SMART-Werte?

SMART (Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology) ist ein eingebautes Selbstüberwachungssystem von Festplatten und SSDs. Es zählt Fehler wie defekte Sektoren, Temperatur und Schreibzyklen mit und ermöglicht so eine Ausfall-Frühwarnung.

Welcher SMART-Wert ist am wichtigsten?

Bei Festplatten sind es Reallocated Sector Count (ID 05) und Current Pending Sector (ID 197): Steigen sie über 0 oder wachsen mit der Zeit, deutet das auf physischen Verschleiß hin. Bei SSDs ist der Verschleißgrad bzw. „Percentage Used“ entscheidend.

Mit welchem Programm lese ich SMART-Werte aus?

Unter Windows ist CrystalDiskInfo das gängige, kostenlose Tool. Unter Linux und macOS nutzt du smartmontools mit dem Befehl smartctl -a. Beide zeigen den Gesundheitszustand und alle Einzelattribute des Datenträgers an.

Mein SMART-Status ist gelb – muss ich die Platte sofort tauschen?

Nicht zwingend. Sichere zuerst deine Daten. Liegt nur ein CRC-Fehler (ID 199) vor, hilft oft ein neues SATA-Kabel. Steigende wieder zugewiesene oder schwebende Sektoren bedeuten dagegen echten Verschleiß – dann den Austausch fest einplanen.

Kann eine Platte trotz grünem SMART-Status ausfallen?

Ja. SMART warnt zuverlässig vor schleichendem Verschleiß, aber nicht vor jedem plötzlichen Defekt. Auswertungen großer Laufwerksflotten zeigen, dass ein Teil ohne Vorwarnung ausfällt. SMART ersetzt deshalb kein aktuelles Backup.

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Marcel Meyer

# wer schreibt hier

Marcel Meyer schraubt seit über zehn Jahren an Rechnern, Netzwerken und Servern — beruflich wie privat. Hier übersetzt er IT-Grundlagen in verständliche Schritte.

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