Kurz und knapp: Der Umstieg dauert rund eine Stunde und besteht aus vier Handgriffen: ISO-Abbild einer Distribution herunterladen, es mit balenaEtcher oder Rufus auf einen USB-Stick schreiben, davon booten und das System im Live-Modus testen – deine Festplatte bleibt dabei unberührt. Erst der Klick auf „Installieren“ schreibt Daten. Für Linux für Einsteiger ist Linux Mint 22.3 „Zena“ die naheliegende Wahl: Cinnamon-Oberfläche mit Startmenü unten links, Sicherheitsupdates bis April 2029 laut offiziellen Release Notes.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Microsoft hat den Support für Windows 10 am 14. Oktober 2025 beendet, wie das Unternehmen auf seiner Supportende-Seite festhält. Millionen funktionierende Rechner erfüllen die Hardware-Anforderungen von Windows 11 nicht – und ein Gerät ohne Sicherheitsupdates weiterlaufen zu lassen, ist die schlechteste aller Optionen. Ein aktuelles Linux ist auf genau dieser Hardware oft die günstigste Rettung.
Welche Linux-Distribution passt zum Einstieg?
Linux ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Baukasten. Eine Distribution (kurz „Distro“) ist die fertige Zusammenstellung aus Kernel, Oberfläche und Programmen – also das, was du als „das Betriebssystem“ wahrnimmst. Es gibt hunderte davon. Für den Anfang sind nur eine Handvoll relevant, und sie unterscheiden sich vor allem in zwei Punkten: wie vertraut sich die Oberfläche anfühlt und wie lange die Version Sicherheitsupdates bekommt.
| Distribution | Oberfläche | Für wen | Sicherheitsupdates bis |
|---|---|---|---|
| Linux Mint 22.3 „Zena“ | Cinnamon (Windows-ähnlich) | Windows-Umsteiger, die es einfach wollen | April 2029 |
| Ubuntu 26.04 LTS | GNOME (modern, eigenständig) | Wer die größte Community im Rücken will | Mai 2031 |
| Zorin OS 18.1 | angepasst, sehr Windows-nah | Absolute Anfänger, optischer Umstieg | April 2029 |
| Fedora Workstation 44 | GNOME (immer brandaktuell) | Entwickler, Technik-Neugierige | rund 13 Monate je Version |
Der pragmatische Tipp lautet Linux Mint: Es basiert auf Ubuntu 24.04 LTS, läuft auch auf älterer Hardware flüssig und hat unten links ein Startmenü – dort, wo dein Daumen es sucht. Ubuntu ist die bekanntere Marke und mit der Version 26.04 LTS seit April 2026 verfügbar; Canonical gibt für jede LTS-Version fünf Jahre Standard-Sicherheitspflege an, für 26.04 also bis Mai 2031. Zorin OS treibt die Windows-Optik auf die Spitze – Version 18.1 erschien im April 2026 und basiert laut Zorin-Blog ebenfalls auf Ubuntu 24.04 LTS. Fedora ist technisch top, aber der kurze Lebenszyklus (eine Version wird nur bis vier Wochen nach dem übernächsten Release gepflegt, also etwa 13 Monate) bedeutet: mindestens einmal im Jahr eine Systemaktualisierung. Das ist nichts, was man Einsteigern als Erstes in die Hand drückt.
Bei der Wahl von Linux für Einsteiger kommt bei Mint noch eine zweite Entscheidung dazu: die Desktop-Edition. Der offizielle Installationsleitfaden unterscheidet Cinnamon, MATE und Xfce und rät im Zweifel klar zu Cinnamon. MATE und Xfce sind sparsamer und die bessere Wahl, wenn der Rechner zehn Jahre und älter ist.
Linux ohne Risiko testen: der Live-USB
Das ist der Teil, der Linux so angenehm macht und den kaum jemand kennt: Du startest ein komplettes System vom USB-Stick, bedienst es und schaltest es wieder aus – die Festplatte bleibt unangetastet. Perfekt zum Schnuppern, bevor irgendetwas installiert wird. So geht es:
- Auf der offiziellen Projektseite (bei Mint linuxmint.com) die ISO-Datei herunterladen – das Abbild des kompletten Systems, rund 3 GB groß.
- Ein Schreib-Tool installieren: Der Mint-Installationsleitfaden empfiehlt für Windows und macOS ausdrücklich balenaEtcher; Canonical beschreibt den gleichen Weg mit Rufus unter Windows.
- USB-Stick einstecken. Canonical nennt 4 GB als Minimum, mit 8 GB bist du auf der sicheren Seite. Achtung: Der Stick wird komplett überschrieben, vorher Daten sichern.
- Im Tool die ISO auswählen, den Stick als Ziel setzen, auf „Flash“ bzw. „Start“ klicken. Der Schreibvorgang dauert laut Canonical etwa zehn Minuten.
- Rechner neu starten und beim Hochfahren das Bootmenü öffnen – je nach Hersteller mit F12, F11, F9 oder Esc (der Hinweis steht kurz am unteren Bildschirmrand). Dort den USB-Stick auswählen.
Taucht der Stick im Bootmenü nicht auf, liegt es fast immer an Secure Boot oder Fast Boot im UEFI. Mint und Ubuntu kommen mit Secure Boot inzwischen zurecht; bei hartnäckigen Fällen schaltest du es in der Firmware testweise ab und danach wieder ein. Der Live-Modus fühlt sich beim ersten Start zäh an – logisch, alles läuft vom USB-Stick statt von der SSD. Nach der Installation ist das weg. Nutze die Testphase für die wichtigen Fragen: Werden WLAN, Ton, Touchpad und Drucker erkannt? Was im Live-Modus läuft, läuft auch installiert.
Linux installieren – Schritt für Schritt
Hat dich der Live-Modus überzeugt, doppelklickst du auf das „Installieren“-Symbol auf dem Desktop. Vorher ein dringender Hinweis: Mach ein Backup deiner wichtigen Daten. Eine Neuinstallation kann eine Festplatte komplett überschreiben – das ist der eine Punkt, an dem aus Neugier echter Datenverlust wird.
- Sprache und Tastatur wählen (Deutsch / German).
- Den Haken bei Multimedia-Codecs setzen – das spart später Ärger mit MP3, Videos und einigen WLAN-Treibern.
- Installationsart festlegen. Hier wird es ernst: „Festplatte löschen und Linux installieren“ nimmt die ganze Platte. Willst du Linux neben Windows behalten (Dualboot), wählst du die Option, die das vorhandene System erkennt und daneben Platz schafft.
- Zeitzone bestätigen und ein Benutzerkonto mit Passwort anlegen. Dieses Passwort brauchst du später für Updates und Installationen – nicht vergessen.
- Warten. Die Installation dauert meist 10 bis 20 Minuten, danach Neustart und USB-Stick abziehen.
Der Klassiker ist Schritt 3: Jemand will Dualboot, klickt aber „Festplatte löschen“ – Windows ist weg. Lies diese Auswahl wirklich zweimal. Wer unsicher ist, nimmt eine zweite, separate Festplatte für Linux; das ist der sauberste Weg und trennt beide Systeme physisch. Für Dualboot auf einer Platte gilt: vorher unter Windows genug freien Platz schaffen (30 GB sind das absolute Minimum, 60 GB angenehm) und die BitLocker-Verschlüsselung vorübergehend aussetzen, sonst findet der Installer die Windows-Partition nicht sauber.
Die ersten Schritte nach der Installation
System läuft? Dann kommen jetzt die wichtigsten 20 Minuten. Drei Dinge zuerst:
- Updates einspielen. Bei Mint öffnet sich die „Aktualisierungsverwaltung“ meist von selbst. Einmal alles bestätigen, Passwort eingeben, fertig. Unter Ubuntu erledigt das die „Software-Aktualisierung“.
- Programme aus der Software-Verwaltung holen. Statt im Netz nach Setup-Dateien zu suchen, öffnest du den Software-Manager – eine Art App-Store. Firefox, LibreOffice, VLC, GIMP: ein Klick, aus geprüften Paketquellen, ohne dubiose Installer. Das ist einer der Gründe, warum Linux als sicherer gilt.
- Das Terminal ist freundlicher als sein Ruf. Du musst es nicht benutzen, aber drei Befehle machen vieles schneller.
Diese drei lohnen sich von Anfang an:
sudo apt update && sudo apt upgrade– aktualisiert das gesamte System (auf Mint, Ubuntu und Zorin OS).lszeigt den Inhalt eines Ordners,cd ordnernamewechselt hinein.sudo apt install programmnameinstalliert ein Programm direkt über die Befehlszeile.
Das sudo davor bedeutet „mit Administratorrechten“ – deshalb fragt das System dann nach deinem Passwort. Mehr Terminal brauchst du am Anfang nicht.
Wenn etwas nicht klappt
Vier Stolperfallen tauchen nach einer Neuinstallation immer wieder auf – und alle vier sind harmlos:
Kein WLAN nach der Installation. Meist fehlt der Treiber für den WLAN-Chip, klassisch bei Broadcom-Modulen. Lösung: Rechner kurz per LAN-Kabel anschließen, dann bietet Mint unter „Treiberverwaltung“ die passenden Treiber zum Anklicken an. Dafür war auch der Codec-Haken bei der Installation gut.
Bildschirm flackert oder bleibt schwarz. Das betrifft fast nur Nvidia-Grafikkarten. In der Treiberverwaltung den empfohlenen proprietären Nvidia-Treiber wählen statt des freien „Nouveau“. Nach einem Neustart ist meist Ruhe.
Windows startet nach Dualboot nicht mehr. Keine Panik, es ist noch da. Beim Hochfahren erscheint ein Auswahlmenü namens GRUB – dort steht Windows weiter unten in der Liste. Fehlt es ganz, hilft im Terminal sudo update-grub, das die installierten Systeme neu einliest. Startet der Rechner direkt in Windows, steht im UEFI die Bootreihenfolge falsch.
Der Drucker wird nicht gefunden. Aktuelle Netzwerkdrucker meldet Linux über den IPP-Everywhere-Standard von selbst an; erscheint das Gerät nicht, hilft die Systemeinstellung „Drucker“ mit der manuellen Eingabe der Drucker-IP. Für ältere Modelle liefern die Hersteller eigene Linux-Treiberpakete an.
Was Linux für Einsteiger im Alltag verändert
Damit klar ist, wofür der Aufwand gut ist – das Hintergrundwissen, das in Fachinformatiker-Prüfungen gern abgefragt wird: Linux ist Open Source, der Quellcode liegt offen und kann von jedem geprüft werden. Sicherheitslücken fallen dadurch eher auf und werden schneller geschlossen, weil weltweit Entwickler mitlesen. Das System ist kostenlos und läuft auf Hardware, die unter aktuellem Windows schlappmacht – ein zehn Jahre alter Laptop wird mit Mint oder Xfce oft wieder brauchbar. Es bevormundet dich nicht: keine Werbe-Kacheln im Startmenü, keine erzwungene Kontopflicht, kein Abo.
Im Alltag heißt Linux für Einsteiger vor allem Umgewöhnung bei den Programmen: LibreOffice statt Microsoft Office (Word- und Excel-Dateien lassen sich öffnen und speichern), GIMP oder Krita statt Photoshop, Thunderbird statt Outlook. Firefox und Chrome laufen unverändert, Steam bringt mit Proton inzwischen einen großen Teil der Windows-Spiele zum Laufen. Wirklich harte Grenzen gibt es nur bei einzelnen Profi-Programmen – Adobe Creative Cloud und einige Steuer- oder Branchenlösungen laufen nativ nicht. Prüfe diese Liste, bevor du Windows löschst; für genau solche Fälle ist Dualboot gebaut.
Dass Millionen Server, praktisch alle Android-Smartphones (Android baut auf dem Linux-Kernel auf) und sämtliche Supercomputer der Top-500-Liste mit Linux laufen, zeigt nebenbei: Das ist kein Bastelsystem, sondern erwachsene Technik. Auf dem Desktop fängst du gerade erst damit an.
Quellen
- Linux Mint 22.3 „Zena“ – Release Notes (Support bis April 2029)
- Linux Mint Installation Guide – ISO auf USB schreiben (Etcher)
- Canonical: Ubuntu release cycle (LTS-Supportzeiträume)
- Canonical-Tutorial: bootfähigen USB-Stick unter Windows erstellen
- Zorin-Blog: Zorin OS 18.1 ist erschienen
- Fedora Docs: Release Life Cycle
- Microsoft: Ende des Supports für Windows 10 (14. Oktober 2025)
Häufige Fragen
Welche Linux-Distribution ist die beste für Einsteiger?
Für die meisten ist Linux Mint 22.3 „Zena“ die beste Wahl: Windows-ähnliche Cinnamon-Oberfläche, Multimedia ab Werk und Sicherheitsupdates bis April 2029. Wer die größte Community will, nimmt Ubuntu 26.04 LTS.
Kann ich Linux ausprobieren, ohne Windows zu löschen?
Ja. Im Live-Modus startet Linux komplett vom USB-Stick, ohne etwas an der Festplatte zu ändern. Erst wenn du auf „Installieren“ klickst und ein Ziellaufwerk wählst, wird wirklich geschrieben.
Wie groß muss der USB-Stick für die Installation sein?
Canonical nennt 4 GB als Minimum, praktisch sind 8 GB entspannter. Der Stick wird beim Schreiben komplett überschrieben – vorhandene Daten vorher sichern.
Was mache ich, wenn nach der Installation kein WLAN geht?
Meist fehlt nur der Treiber für den WLAN-Chip. Rechner kurz per LAN-Kabel verbinden und in der Treiberverwaltung (bei Mint und Ubuntu vorhanden) den vorgeschlagenen Treiber installieren.
Laufen meine Windows-Programme unter Linux?
Für Office, Bildbearbeitung, Mail und Browser gibt es gleichwertigen Ersatz wie LibreOffice, GIMP und Thunderbird; Spiele laufen oft über Steam mit Proton. Adobe Creative Cloud und manche Branchensoftware laufen nativ nicht – dafür ist Dualboot da.




