Windows 11: Bloatware und vorinstallierte Apps entfernen

Laptop mit geöffneten Windows-Einstellungen auf einem aufgeräumten Schreibtisch

Der schnellste Weg: Öffne die Einstellungen mit Windows + I, gehe zu Apps → Installierte Apps, klicke bei der störenden App auf das Drei-Punkte-Menü und wähle Deinstallieren. Viele vorinstallierte Apps sind damit in unter einer Minute weg. Fehlt die Schaltfläche, hilft der Paketmanager Winget oder PowerShell — beide Wege stehen weiter unten Schritt für Schritt.

Bloatware nennt man vorinstallierte Programme, die man weder bestellt noch braucht: Xbox-Apps, Clipchamp, der Nachrichten-Feed, Solitaire und manchmal eine Handvoll Hersteller-Tools. Sie belegen Speicher, tauchen im Startmenü auf und starten teils im Hintergrund mit. Weg müssen sie nicht alle — aber die meisten lassen sich sauber entfernen, ohne dass Windows Schaden nimmt.

Welche Apps du entfernen darfst — und welche nicht

Bevor du löschst, lohnt eine kurze Sortierung. Nicht alles, was nach Ballast aussieht, ist verzichtbar.

Gefahrlos entfernbar sind typische Zusatz-Apps, die du an ihrem Namen erkennst:

  • Xbox, Xbox Game Bar, Groove Musik, Filme & TV
  • Clipchamp (Videoschnitt), Solitaire Collection, To Do
  • Nachrichten-/News-Feed, Wetter, Karten
  • Hersteller-Tools von Notebook-Herstellern (oft doppelt vorhanden)

Besser stehen lassen solltest du alles, was zu einer Windows-Grundfunktion gehört:

  • Microsoft Store — er liefert die Updates für alle übrigen Apps. Ohne Store bekommst du sie nicht mehr aktualisiert.
  • Einstellungen, Windows-Sicherheit, Foto-Anzeige, Rechner, Terminal
  • App Installer (enthält Winget), Microsoft.UI-Laufzeitpakete und ähnliche Systempakete

Faustregel: Wenn du den Namen nicht eindeutig einem überflüssigen Programm zuordnen kannst, lass ihn stehen. Manche Pakete klingen nach Ballast, liefern aber Bausteine, die andere Funktionen brauchen.

Wer die Zuordnung belegt haben will, fragt Windows selbst. Microsoft unterscheidet in der Übersicht über Apps auf Windows-Clientgeräten drei Sorten: System-Apps liegen unter C:\Windows\ und sind Teil des Betriebssystems, installierte Apps kommen mit dem System mit, und bereitgestellte Apps werden erst bei der ersten Anmeldung eines neuen Benutzerkontos eingerichtet. Die System-Apps listet dieser Befehl in der PowerShell auf:

Get-AppxPackage -PackageTypeFilter Main | ? { $_.SignatureKind -eq "System" } | Sort Name | Format-Table Name, InstallLocation

Was in dieser Ausgabe steht, bleibt stehen. Alles andere ist Verhandlungssache.

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Methode 1: Über die Einstellungen (für die meisten Apps)

Der bequemste und sicherste Weg. Hier kann nichts kaputtgehen, weil Windows nur das anbietet, was gefahrlos entfernbar ist.

  1. Drücke Windows + I, um die Einstellungen zu öffnen.
  2. Gehe auf Apps und dann auf Installierte Apps.
  3. Suche die App in der Liste oder tippe ihren Namen in das Suchfeld oben.
  4. Klicke rechts auf das Drei-Punkte-Menü und wähle Deinstallieren.
  5. Bestätige die Rückfrage — fertig.

Alternativ genügt im Startmenü ein Rechtsklick auf die App-Kachel und dann Deinstallieren. Fehlt die Deinstallieren-Option, ist die App entweder systemrelevant oder lässt sich nur über Winget bzw. PowerShell lösen.

Einen dritten Weg nennt Microsoft in der offiziellen Anleitung: Systemsteuerung → Programme → Programme und Funktionen, dann Rechtsklick auf den Eintrag. Das lohnt sich bei älteren Desktop-Programmen, die in der Einstellungs-App gar nicht erst auftauchen — der klassische Fall bei Hersteller-Software von 2019er-Notebooks. Auf derselben Seite steht auch die Grenze: Ein Teil der Apps ist fest in Windows integriert und lässt sich nicht deinstallieren.

Methode 2: Mit Winget (offizieller Paketmanager)

Winget ist Microsofts eigenes Paketverwaltungswerkzeug und ab Werk dabei. Es ist der sicherste Kommandozeilen-Weg, weil es ein offiziell unterstütztes Tool ist.

  1. Öffne das Terminal per Rechtsklick auf das Startmenü → Terminal (Administrator).
  2. Lass dir mit winget list alle installierten Programme anzeigen.
  3. Notiere den genauen Namen oder die ID der App aus der Liste.
  4. Entferne sie mit winget uninstall "App-Name" oder eindeutig über die ID: winget uninstall --id Hersteller.Programm.

Der Weg über die ID ist zuverlässiger, weil App-Namen mehrfach vorkommen können. Drei Details aus der winget-Dokumentation (Stand 19.07.2026) sparen dabei Nerven:

  • --source winget anhängen, wenn beim Deinstallieren plötzlich eine Microsoft-Store-Vereinbarung bestätigt werden soll — die Abfrage entsteht, weil winget mehrere Paketquellen durchsucht.
  • -e beziehungsweise --exact nimmt die Eingabe wörtlich inklusive Groß- und Kleinschreibung, statt wie sonst auf Teiltreffer zu gehen.
  • Mehrere Programme dürfen in einem Aufruf stehen: winget uninstall Microsoft.NuGet Microsoft.Edit.

Bleibt die Trefferliste mehrdeutig, bricht winget ab und verlangt eine eindeutigere Angabe. Spätestens dann ist die ID aus winget list die Abkürzung.

Methode 3: Mit PowerShell (für hartnäckige UWP-Apps)

Manche vorinstallierten Apps sind sogenannte UWP-Pakete (moderne Windows-Apps aus dem Store) und lassen sich nur so entfernen. PowerShell greift tiefer ein — lege vorher einen Wiederherstellungspunkt an (Startmenü → „Wiederherstellungspunkt erstellen"), damit du im Zweifel zurückkannst.

  1. Öffne Terminal (Administrator) und wechsle bei Bedarf mit powershell in die PowerShell.
  2. Liste die installierten Pakete mit Get-AppxPackage | Select Name, PackageFullName auf.
  3. Entferne ein Paket für den aktuellen Benutzer, zum Beispiel die Xbox-App: Get-AppxPackage *xbox* | Remove-AppxPackage.
  4. Ersetze *xbox* durch einen Namensteil der App, die du entfernen willst.

Achtung: Nutze möglichst spezifische Suchbegriffe. Ein zu grober Filter wie ein einzelner Buchstabe kann mehr treffen, als dir lieb ist. Entferne immer nur Pakete, deren Namen du eindeutig zuordnen kannst.

Zwei Schalter aus Microsofts Cmdlet-Referenz zu Remove-AppxPackage gehören in jeden Versuch. -WhatIf ist der Trockenlauf: PowerShell zeigt, was der Befehl treffen würde, führt ihn aber nicht aus — ideal, um einen zu breiten Filter aufzudecken, bevor er zuschlägt. -AllUsers entfernt das Paket dagegen aus allen Benutzerkonten des Rechners und setzt laut Doku Administratorrechte voraus. Ohne diesen Schalter verschwindet die App nur aus deinem eigenen Profil; ein zweites Konto auf demselben PC hat sie danach weiterhin.

Wenn das nicht hilft

Nicht jeder Fall lässt sich mit den drei Standardwegen erledigen. Drei häufige Sonderfälle:

Die App kommt nach einem Update zurück. Größere Funktionsupdates spielen manche Apps automatisch neu ein, weil sie als „bereitgestelltes" Paket im System hinterlegt sind. Dagegen hilft nur, diese Vorlage mitzunehmen — in zwei Schritten im Terminal mit Administratorrechten:

  1. Get-AppxProvisionedPackage -Online | Format-Table DisplayName, PackageName listet alle bereitgestellten Pakete mit ihrem vollständigen Paketnamen auf.
  2. Remove-AppxProvisionedPackage -Online -PackageName <Paketname aus Schritt 1> entfernt die Vorlage aus dem laufenden System.

Wichtig ist, was der Befehl laut DISM-Dokumentation ausdrücklich nicht tut: Er löscht die App nicht aus bestehenden Benutzerkonten. Die Vorlage sorgt nur dafür, dass neue Konten die App nicht mehr bekommen. Für ein sauberes System brauchst du deshalb beides — Remove-AppxPackage für die Benutzer-Kopie, Remove-AppxProvisionedPackage für die Vorlage. Tools wie O&O ShutUp10++ können die automatische Neuinstallation ebenfalls unterbinden.

Du willst viele Apps auf einmal loswerden. Für ein gründliches Aufräumen gibt es quelloffene Skripte wie Win11Debloat von Raphire — MIT-Lizenz, jüngstes Release vom 24.08.2026, laut Projektbeschreibung für Windows 10 und Windows 11 gedacht. Es entfernt vorinstallierte Apps gebündelt und lässt dich per Auswahl steuern, was bleibt. Solche Skripte greifen tief ein — vorher Wiederherstellungspunkt setzen und nur die Original-Quelle auf GitHub nutzen, nicht irgendeinen Download-Spiegel.

Du verwaltest mehrere Rechner (Firma/Schule). In den Editionen Windows 11 Enterprise und Education gibt es seit Version 24H2 eine Gruppenrichtlinie dafür. Der Pfad in gpedit.msc: Computerkonfiguration → Administrative Vorlagen → Windows-Komponenten → Bereitstellung von App-Paketen → „Standardmäßige Microsoft Store-Pakete aus dem System entfernen". Die Home- und Pro-Editionen bringen diese Richtlinie nicht mit — dort bleibst du bei Einstellungen, Winget oder PowerShell.

Drei Punkte aus Microsofts Dokumentation zur richtlinienbasierten App-Entfernung retten dabei den Support-Nachmittag. Erstens greift die Richtlinie nicht sofort: Entfernt wird während der Erstinstallation (OOBE), bei der Anmeldung nach einem Betriebssystem-Upgrade und bei der Anmeldung nach einer Policy-Änderung — bereits angemeldete Profile behalten ihre Apps. Zweitens blockiert Windows die Neuinstallation, solange die App in der Liste steht; im Startmenü bleibt dann eine ausgegraute Platzhalter-Kachel zurück, die Nutzer selbst wegräumen müssen. Drittens warnt Microsoft, dass mit der App auch ihre lokalen Daten verschwinden — Nutzer vorher informieren. Ob die Richtlinie überhaupt angekommen ist, zeigt der Registry-Zweig HKLM\SOFTWARE\Policies\Microsoft\Windows\Appx\RemoveDefaultMicrosoftStorePackages; die Ereignisanzeige protokolliert unter Anwendungs- und Dienstprotokolle → Microsoft → Windows → AppxDeployment-Server → Operational die IDs 606 (erfolgreich entfernt), 614 (Entfernen fehlgeschlagen) und 762 (Installation wegen aktiver Richtlinie verhindert).

EWR-Sonderweg: vorinstallierte Apps, die nur in Europa verschwinden

Auf Rechnern mit einer Region aus dem Europäischen Wirtschaftsraum lässt Microsoft mehr zu als anderswo — Folge des Digital Markets Act der EU. Laut heise online (17.11.2023) sollten die entsprechenden Updates bis zum 6. März 2024 alle Geräte mit Windows 10 22H2 und Windows 11 23H2 erreichen; seitdem lassen sich dort auch Edge, die Bing-Websuche, Kamera, Cortana und Fotos vollständig entfernen.

Der Haken steckt in der Region: Sie wird bei der Erstinstallation festgelegt, und ein nachträglicher Wechsel ist laut Microsoft nur über ein komplettes Zurücksetzen des PCs möglich. Nachsehen kannst du unter Einstellungen → Zeit und Sprache → Sprache und Region beim Punkt Land oder Region. Steht dort ein EWR-Staat, taucht die Deinstallieren-Schaltfläche bei mehr Apps auf als auf einem Gerät, das ursprünglich für einen anderen Markt eingerichtet wurde. Ein importiertes Notebook aus den USA verhält sich hier also anders als eines aus dem deutschen Handel — auch wenn beide dieselbe Windows-Version zeigen.

Warum ist die Bloatware überhaupt da?

Windows 11 bringt vorinstallierte Apps aus zwei Richtungen mit. Ein Teil stammt direkt von Microsoft: Store-Apps wie Xbox oder Clipchamp sind Teil der Standardausstattung und sollen zu weiteren Diensten führen. Der andere Teil kommt vom Geräte-Hersteller, der auf Notebooks eigene Tools, Testversionen oder Partner-Software vorinstalliert.

Technisch liegen viele dieser Apps doppelt vor: einmal als installierte App für dein Benutzerkonto und einmal als „bereitgestelltes" Paket, das Windows für jedes neue Konto und nach großen Updates automatisch neu ausrollt. Deshalb taucht eine gelöschte App manchmal wieder auf — du hast nur die Benutzer-Kopie entfernt, nicht die Vorlage. Wer das versteht, weiß auch, warum ein einmaliges Löschen über die Einstellungen für den Alltag reicht, ein dauerhaft sauberes System aber das bereitgestellte Paket mit einbezieht.

Quellen

Häufige Fragen

Kann ich vorinstallierte Apps in Windows 11 gefahrlos löschen?

Ja, die meisten erkennbaren Zusatz-Apps wie Xbox, Clipchamp oder Solitaire lassen sich ohne Risiko entfernen. Finger weg solltest du nur von Systempaketen wie dem Microsoft Store, der Windows-Sicherheit oder Laufzeitpaketen lassen.

Warum kommt eine gelöschte App nach einem Windows-Update zurück?

Viele Apps liegen zusätzlich als „bereitgestelltes“ Paket im System und werden nach großen Funktionsupdates automatisch neu installiert. Erst wenn du auch dieses Vorlage-Paket entfernst, bleibt die App dauerhaft weg.

Was ist der Unterschied zwischen Winget und PowerShell?

Winget ist Microsofts offizieller Paketmanager und der bequemste Kommandozeilen-Weg für normale Programme. PowerShell brauchst du für hartnäckige UWP-Store-Apps, die sich weder über die Einstellungen noch über Winget entfernen lassen.

Sollte ich ein Debloat-Skript wie Win11Debloat verwenden?

Für das gebündelte Entfernen vieler Apps ist es praktisch und quelloffen. Solche Skripte greifen aber tief ein: Setze vorher einen Wiederherstellungspunkt und nutze nur die Original-Quelle auf GitHub.

Marcel Meyer

# wer schreibt hier

Marcel Meyer schraubt seit über zehn Jahren an Rechnern, Netzwerken und Servern — beruflich wie privat. Hier übersetzt er IT-Grundlagen in verständliche Schritte.

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