Linux-Verzeichnisstruktur erklärt: /etc, /var, /home und der FHS

Aufgeräumter Schreibtisch mit Desktop-Rechner und Tastatur, auf dem ein Linux-System läuft

Die Linux-Verzeichnisstruktur folgt dem Filesystem Hierarchy Standard (FHS): einem einzigen Verzeichnisbaum ab der Wurzel /. Jeder Ordner der obersten Ebene hat genau eine Aufgabe – /etc hält die Konfiguration, /var veränderliche Daten wie Logs, /home die Nutzerdateien und /usr die installierten Programme. Weil der Standard distributionsübergreifend gilt, liegt dieselbe Datei auf Ubuntu, Debian und Fedora am gleichen Platz.

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Ein Baum statt Laufwerksbuchstaben

Anders als Windows kennt Linux keine Buchstaben wie C: oder D:. Es gibt genau einen Verzeichnisbaum, und seine Spitze ist das Wurzelverzeichnis, geschrieben als einzelner Schrägstrich / (englisch „root“). Alles hängt darunter. Eine zweite Festplatte, ein USB-Stick oder eine Netzwerkfreigabe wird an eine Stelle im Baum eingehängt (gemountet) – etwa unter /media oder /mnt – und verhält sich danach wie ein ganz normaler Ordner.

Das Regelwerk hinter dieser Ordnung ist der FHS. Die aktuelle Version 3.0 stammt vom 3. Juni 2015 und wird von der Linux Foundation gepflegt. Der Grundgedanke: Jedes Top-Level-Verzeichnis bekommt eine klar definierte Rolle, damit Software wie Mensch wissen, wo etwas hingehört. Genau deshalb findest du dich auf einem fremden Linux-Server sofort zurecht, sobald du die Aufteilung einmal verstanden hast.

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Die wichtigsten Verzeichnisse auf einen Blick

VerzeichnisAufgabeTypisches Beispiel
/etcSystemweite Konfigurationsdateien (nur Text, keine Programme)/etc/fstab, /etc/ssh/sshd_config
/varVeränderliche Daten: Logs, Caches, Warteschlangen/var/log/syslog
/homePersönliche Verzeichnisse der Benutzer/home/marcel
/usrInstallierte Programme, Bibliotheken, gemeinsame Ressourcen/usr/bin/firefox
/bootKernel und Bootloader/boot/vmlinuz
/devGerätedateien der Hardware/dev/sda
/tmpTemporäre Dateien (wird geleert)/tmp/
/optZusatzsoftware von Drittanbietern/opt/google/chrome

/etc – wo die Konfiguration lebt

In /etc (gesprochen „et-see“, historisch für et cetera) liegen die systemweiten Einstellungen – und zwar ausschließlich als lesbare Textdateien, niemals als ausführbare Programme. Wer das SSH-Verhalten ändern will, editiert /etc/ssh/sshd_config; welche Datenträger beim Start eingebunden werden, steht in /etc/fstab; die Benutzerkonten stehen in /etc/passwd. Faustregel: Was du an einem Server einstellst, ohne ein Programm neu zu installieren, landet fast immer hier.

Ein häufiger Stolperstein: Diese Dateien gehören dem Systemverwalter. Ein normaler Benutzer bekommt beim Speichern ein Permission denied und braucht sudo. Bevor du eine Konfigurationsdatei änderst, lohnt sich eine Kopie – ein vertipptes /etc/fstab kann den nächsten Bootvorgang blockieren.

/var – alles, was sich ständig ändert

Das /var-Verzeichnis (von variable) sammelt Daten, die im laufenden Betrieb wachsen und schrumpfen. Die wichtigsten Unterordner:

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  • /var/log – Protokolldateien. Der erste Ort, an dem du bei einem Problem nachsiehst.
  • /var/cache – Zwischenspeicher, etwa heruntergeladene Paketdateien.
  • /var/spool – Warteschlangen für Druckaufträge und Mails.
  • /var/lib – Zustandsdaten von Diensten und Paketverwaltung, oft auch Datenbanken.
  • /var/www – auf vielen Servern die Dateien der Website.

Weil hier Logs auflaufen, ist /var der Kandidat Nummer eins für eine volllaufende Festplatte. Meldet ein Server „No space left on device“, obwohl scheinbar nichts installiert wurde, ist meist eine wild wuchernde Logdatei in /var/log schuld.

/home – deine persönlichen Dateien

Jeder reguläre Benutzer bekommt unter /home ein eigenes Verzeichnis, benannt nach dem Login – also /home/marcel. Dokumente, Downloads, Browser-Profile und die persönlichen Einstellungen (die versteckten „Dotfiles“ wie .bashrc) liegen hier. Die Tilde ~ ist in der Shell eine Abkürzung für das eigene Heimverzeichnis.

Wichtig zur Abgrenzung: Der Systemverwalter root hat sein Zuhause nicht unter /home, sondern separat in /root. Praktischer Nebeneffekt der Trennung: Wer /home auf eine eigene Partition legt, kann das Betriebssystem neu installieren, ohne seine persönlichen Daten zu verlieren.

/usr – die installierten Programme

In /usr (heute gedeutet als Unix System Resources) steckt der Großteil der Software: /usr/bin für Programme, /usr/lib für Bibliotheken, /usr/share für gemeinsam genutzte Daten wie Icons oder Handbuchseiten. Selbst kompilierte oder manuell installierte Software gehört nach /usr/local, damit die Paketverwaltung sie nicht überschreibt.

Auf modernen Systemen – etwa Debian 12 sowie aktuellen Ubuntu- und Fedora-Versionen – sind /bin, /sbin und /lib nur noch symbolische Verweise auf ihre Gegenstücke unter /usr. Dieser sogenannte usr-merge vereinfacht Snapshots und atomare Updates. Für dich im Alltag ändert sich nichts: /bin/bash und /usr/bin/bash zeigen auf dieselbe Datei.

Die restlichen Verzeichnisse kurz erklärt

  • /boot – Kernel (vmlinuz), Initramfs und Bootloader-Dateien; oft eine eigene Partition.
  • /dev – Gerätedateien. Hier taucht jede Festplatte als /dev/sda auf, hier liegt auch das berühmte /dev/null.
  • /proc und /sys – virtuelle Dateisysteme, die es nur im Arbeitsspeicher gibt. Sie zeigen laufende Prozesse (/proc/cpuinfo) sowie Kernel- und Hardware-Zustände.
  • /run – flüchtige Laufzeitdaten wie PID-Dateien und Sockets; liegt im RAM und ersetzt das frühere /var/run.
  • /tmp – temporäre Dateien, die spätestens beim Neustart verschwinden.
  • /opt – in sich geschlossene Programme von Drittanbietern, die nicht über die Paketverwaltung kommen.
  • /srv – Daten für Dienste, die der Server anbietet (Web, FTP); auf Desktops meist leer.
  • /mnt und /media – Einhängepunkte: /media für automatisch erkannte Wechseldatenträger, /mnt für manuelles Mounten.

Warum der FHS in der IHK-Prüfung auftaucht

Die Zuordnung „Welches Verzeichnis wofür?“ ist ein Klassiker in der Fachinformatiker-Prüfung, und der Grund ist praktisch: Wer weiß, dass Konfiguration in /etc, Logs in /var/log und Programme in /usr/bin liegen, findet sich auf jedem unbekannten Linux-System sofort zurecht – egal ob Ubuntu, Debian oder Red Hat. Das ist der ganze Sinn eines Standards.

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Fürs Lernen hilft ein Merksatz pro Ordner: /etc = Einstellungen, /var = veränderlich, /home = Heimat, /usr = Software, /boot = Start. Damit hast du die fünf Verzeichnisse abgedeckt, nach denen am häufigsten gefragt wird.

Häufige Fragen

Was ist der FHS bei Linux?

Der Filesystem Hierarchy Standard (FHS) legt fest, welches Top-Level-Verzeichnis welche Aufgabe hat. Dadurch liegt dieselbe Datei auf Ubuntu, Debian oder Fedora am gleichen Ort. Aktuell ist Version 3.0 vom 3. Juni 2015.

Wofür ist das Verzeichnis /etc da?

In /etc liegen die systemweiten Konfigurationsdateien – ausschließlich als lesbarer Text, nie als Programme. Beispiele sind /etc/fstab für Datenträger und /etc/ssh/sshd_config für den SSH-Dienst.

Was steht in /var?

/var enthält veränderliche Daten, die im Betrieb wachsen: Logs in /var/log, Zwischenspeicher in /var/cache, Warteschlangen in /var/spool und Zustandsdaten von Diensten in /var/lib.

Warum liegt root nicht unter /home?

Reguläre Benutzer haben ihr Heimverzeichnis unter /home, der Systemverwalter root dagegen in /root. Die Trennung stellt sicher, dass root sich auch dann anmelden kann, wenn /home auf einer eigenen, nicht eingebundenen Partition liegt.

Was bedeutet der usr-merge?

Auf modernen Distributionen sind /bin, /sbin und /lib nur noch symbolische Verweise auf die entsprechenden Ordner unter /usr. Das vereinfacht Updates und Snapshots; /bin/bash und /usr/bin/bash zeigen auf dieselbe Datei.

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Marcel Meyer

# wer schreibt hier

Marcel Meyer schraubt seit über zehn Jahren an Rechnern, Netzwerken und Servern — beruflich wie privat. Hier übersetzt er IT-Grundlagen in verständliche Schritte.

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