Daten von alten CDs retten: CD, DVD & Diskette sichern

Hände halten eine alte CD neben externem USB-Laufwerk und 3,5-Zoll-Disketten am Schreibtisch

Alte CDs, DVDs und Disketten liest du am besten sofort komplett aus und speicherst den Inhalt als Image-Datei auf einer aktuellen Festplatte. Klappt das Auslesen nicht, helfen ein zweites Laufwerk, vorsichtiges Reinigen und ein Kopierwerkzeug, das defekte Bereiche überspringt – unter Linux ddrescue, unter Windows IsoBuster. Anschließend die Kopie prüfen und nach der 3-2-1-Regel dauerhaft sichern.

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Der wichtigste Grundsatz vorweg: Eine Scheibe oder Diskette, die noch läuft, ist ein Glücksfall auf Abruf. Jeder weitere Leseversuch kostet Substanz. Ziehe deshalb zuerst ein vollständiges Abbild, bevor du einzelne Dateien herauskopierst oder gar an der Oberfläche herumpolierst.

Woran erkenne ich, dass meine Datenträger gefährdet sind?

Optische Medien und Disketten sind keine Langzeitspeicher, auch wenn sie jahrelang unberührt in der Schublade lagen. Gebrannte Rohlinge halten deutlich kürzer als gepresste Silberscheiben aus dem Laden, weil bei ihnen eine organische Farbschicht die Daten trägt – und die altert.

MediumRealistische HaltbarkeitTypisches Risiko
Gebrannte CD-Rca. 5–10 JahreFarbschicht zersetzt sich, Leseabbrüche
Gebrannte DVD-Rbis ca. 30 JahreKlebeschicht löst sich, Delaminierung
Blu-raybis ca. 50 JahreKratzer, Lagerungsschäden
3,5-Zoll-Disketteoft schon abgelaufenMagnetschicht verliert Ladung, Schimmel

Warnsignale, bei denen du sofort handeln solltest: Die Scheibe schimmert stellenweise bronzefarben oder milchig (der Beginn der gefürchteten „Disc Rot“, also der Zersetzung der Reflexionsschicht), das Laufwerk rödelt lange und wirft Lesefehler, oder Dateien lassen sich nur noch teilweise öffnen. Bei Disketten sind Flecken, ein muffiger Geruch oder eine schwergängige Metallklappe deutliche Alarmzeichen.

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Daten von alten CDs und DVDs retten – Schritt für Schritt

Der Plan ist immer gleich: erst ein Abbild sichern, dann in Ruhe aus dem Abbild arbeiten. So belastet du die kranke Scheibe nur ein einziges Mal.

  1. Ein zweites Laufwerk probieren. Laufwerke lesen unterschiedlich gut. Was das eingebaute Laufwerk verweigert, schafft oft ein anderes – ein externer USB-DVD-Brenner kostet nur wenige Euro und ist die günstigste Rettungsmaßnahme überhaupt.
  2. Vorsichtig reinigen. Fingerabdrücke und Staub verursachen die meisten Lesefehler. Wische die klare Unterseite mit einem weichen, fusselfreien Tuch und etwas lauwarmem Wasser – immer geradlinig von der Mitte nach außen, niemals kreisförmig. Finger weg von Schleifpasten und Zahnpasta-Tricks, solange du noch kein Abbild hast: Sie können die letzte lesbare Schicht endgültig ruinieren.
  3. Ein Abbild ziehen statt Dateien kopieren. Der normale Kopiervorgang von Windows bricht bei der ersten unlesbaren Stelle ab. Ein Rettungswerkzeug kopiert stattdessen so viel wie möglich und überspringt Problemzonen erst einmal. Unter Windows liest IsoBuster die Scheibe Sektor für Sektor aus und extrahiert auch dann noch Dateien, wenn Windows die CD gar nicht mehr einhängt. Unter Linux ist GNU ddrescue das Mittel der Wahl.
  4. Mit ddrescue in zwei Durchgängen arbeiten. ddrescue schreibt seinen Fortschritt in eine Map-Datei und weiß dadurch beim zweiten Anlauf genau, welche Blöcke noch fehlen. Erst zügig alles Einfache sichern, dann gezielt die harten Stellen mehrfach nachlesen:
    ddrescue -n -b 2048 /dev/sr0 cd-image.iso cd-image.map
    ddrescue -d -r3 -b 2048 /dev/sr0 cd-image.iso cd-image.map
    Der erste Lauf holt alle problemlosen Bereiche, der zweite (-r3) versucht die Fehlerstellen dreimal erneut. -b 2048 ist die Blockgröße für CDs/DVDs.
  5. Das Abbild öffnen und prüfen. Die fertige ISO-Datei kannst du unter Windows und Linux als virtuelles Laufwerk einbinden und die Dateien herauskopieren. Öffne stichprobenartig Fotos, Dokumente und Archive: Was sich sauber anzeigen lässt, ist gerettet.

Disketten auslesen – hier läuft es etwas anders

Moderne PCs haben kein Diskettenlaufwerk mehr, das Prinzip bleibt aber dasselbe. Für 3,5-Zoll-Disketten reicht ein USB-Diskettenlaufwerk für rund 10 bis 20 Euro; es funktioniert an Windows, macOS und Linux ohne Extra-Treiber. Wer noch ein internes Laufwerk besitzt, kann es alternativ über einen Floppy-auf-USB-Adapter anschließen.

Steckt die Diskette, kopiere die Dateien nicht einfach im Explorer, sondern ziehe auch hier ein Abbild. Unter Linux passt ddrescue mit der Diskettenblockgröße:

ddrescue -b 512 /dev/fd0 diskette.img diskette.map

Weil das Werkzeug defekte Sektoren überspringt und mehrfach nachliest, lassen sich aus einer nur teilweise beschädigten Diskette oft noch 80 bis 95 Prozent der Daten retten. Bei 5,25-Zoll-Disketten oder exotischen Formaten aus alten Textsystemen wird es schwierig – hier führt meist nur ein spezialisierter Digitalisierungsdienst zum Ziel.

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Wenn das nicht hilft: weitere Wege

Nicht jede Scheibe gibt ihre Daten freiwillig her. Diese drei Ansätze holen oft noch etwas heraus:

  • Dateisystem umgehen und Dateien „schnitzen“. Ist die Inhaltsverzeichnis-Struktur zerstört, findet ein Carving-Werkzeug wie PhotoRec Fotos, Videos und Dokumente anhand ihrer typischen Signaturen – direkt aus dem zuvor erstellten Abbild, nicht von der Originalscheibe.
  • Anderes Betriebssystem testen. Manche Datenträger, die Windows abweist, liest ein Linux-Rechner (auch als Live-System vom USB-Stick) klaglos, weil dessen Treiber toleranter mit Lesefehlern umgehen.
  • Profi-Datenrettung. Bei unersetzlichen Erinnerungen oder Geschäftsunterlagen lohnt ein spezialisiertes Labor. Es kann Scheiben polieren, in Speziallaufwerken auslesen und teils sogar Schicht für Schicht analysieren – das kostet allerdings, und der Preis steht vor der Rettung fest.

Richtig archivieren, damit die Daten nicht erneut verfallen

Sobald die Daten gerettet sind, gehören sie in ein Konzept, das nicht wieder von einer einzelnen alternden Scheibe abhängt. Bewährt hat sich die 3-2-1-Regel: drei Kopien deiner Daten, auf zwei verschiedenen Medientypen, davon eine an einem anderen Ort (etwa ein Cloud-Speicher oder eine ausgelagerte Festplatte). Fällt eine Kopie aus, sind zwei weitere da.

Weitere Bausteine für eine Archivierung, die ihren Namen verdient:

  • Prüfsummen anlegen. Erzeuge zu deinem Archiv eine Prüfsummen-Liste (etwa mit SHA-256). Damit erkennst du später zuverlässig, ob eine Datei über die Jahre unbemerkt kippt („Bit Rot“).
  • Alle paar Jahre umkopieren. Kein Medium hält ewig. Wer sein Archiv regelmäßig auf frische Datenträger migriert, ist der Alterung immer einen Schritt voraus – das ist wichtiger als die Wahl des „perfekten“ Mediums.
  • Optisch nur mit M-DISC. Wenn es eine Scheibe sein soll, sind M-DISC-Rohlinge (DVD oder Blu-ray) die robusteste Wahl. Die anorganische Aufzeichnungsschicht ist auf Jahrzehnte bis Jahrhunderte ausgelegt und braucht ein Laufwerk mit M-DISC-Unterstützung zum Brennen.

Warum verlieren CDs und Disketten überhaupt ihre Daten?

Bei einer gebrannten CD oder DVD sitzen die Daten in einer organischen Farbschicht zwischen einer Reflexionsschicht und dem durchsichtigen Polycarbonat. Genau diese Farbschicht ist der Schwachpunkt: Wärme, UV-Licht und Luftfeuchtigkeit lassen sie chemisch altern, bis der Laser die Nullen und Einsen nicht mehr sauber unterscheiden kann. Zusätzlich kann der Kleber zwischen den Schichten nachgeben, sodass sich die Lagen lösen (Delaminierung), oder die Reflexionsschicht oxidiert – das ist die milchig-bronzefarbene Disc Rot.

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Disketten funktionieren magnetisch: Winzige Bereiche der Beschichtung tragen die Information als Magnetisierung. Diese Ausrichtung verblasst mit der Zeit von ganz allein, und äußere Magnetfelder, Feuchtigkeit oder Schimmel beschleunigen den Verfall. Deshalb sind viele Disketten aus den 1990ern heute schon teilweise unlesbar. Wer die Ursachen kennt, versteht auch die goldene Regel der Datenrettung: Handle, solange sich noch etwas lesen lässt – und speichere das Gerettete auf einem Medium, das nicht denselben Alterungsprozess durchmacht.

Häufige Fragen

Wie lange halten gebrannte CDs und DVDs wirklich?

Gebrannte CD-R halten oft nur 5 bis 10 Jahre, gebrannte DVDs theoretisch bis zu 30 Jahre. Entscheidend sind Lagerung und Qualität des Rohlings. Verlass dich nicht auf das Alter – lies wichtige Scheiben rechtzeitig aus.

Welches Tool rettet Daten von einer zerkratzten CD?

Unter Windows liest IsoBuster beschädigte Scheiben Sektor für Sektor aus. Unter Linux zieht GNU ddrescue ein Abbild und überspringt defekte Bereiche, um sie später mehrfach nachzulesen. Beide holen mehr heraus als der normale Windows-Kopiervorgang.

Kann ich Disketten ohne Diskettenlaufwerk auslesen?

Ja. Ein USB-Diskettenlaufwerk für rund 10 bis 20 Euro funktioniert an jedem aktuellen PC ohne Extra-Treiber. Alternativ lässt sich ein internes 3,5-Zoll-Laufwerk über einen Floppy-auf-USB-Adapter anschließen.

Soll ich Dateien kopieren oder ein Abbild ziehen?

Bei alten oder beschädigten Datenträgern immer zuerst ein komplettes Abbild ziehen. So belastest du die Scheibe nur einmal und arbeitest danach gefahrlos aus der Kopie. Das normale Kopieren bricht dagegen beim ersten Lesefehler ab.

Wie archiviere ich die geretteten Daten dauerhaft?

Nach der 3-2-1-Regel: drei Kopien, zwei verschiedene Medientypen, eine davon außer Haus. Lege Prüfsummen an, kopiere das Archiv alle paar Jahre auf frische Datenträger und setze bei optischen Medien auf langlebige M-DISC-Rohlinge.

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Marcel Meyer

# wer schreibt hier

Marcel Meyer schraubt seit über zehn Jahren an Rechnern, Netzwerken und Servern — beruflich wie privat. Hier übersetzt er IT-Grundlagen in verständliche Schritte.

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