Passkeys einrichten: passwortlos anmelden bei Google, Microsoft & Co.

Hände bestätigen die passwortlose Anmeldung per Fingerabdruck am Smartphone, im Hintergrund ein Laptop mit Anmeldebildschirm

Passkeys einrichten dauert pro Dienst keine Minute: Du meldest dich einmal ganz normal mit Passwort an, öffnest die Sicherheitseinstellungen des Kontos, wählst „Passkey erstellen“ und entsperrst dein Gerät mit Fingerabdruck, Gesicht oder PIN. Ab da ersetzt ein kryptografisches Schlüsselpaar dein Passwort – der private Schlüssel bleibt auf deinem Gerät, abtippen musst du nie wieder etwas.

Was du 2026 für Passkeys brauchst

Passkeys sind längst kein Nischenthema mehr: Die FIDO Alliance, das Standardgremium hinter der Technik, meldete zum World Passkey Day am 7. Mai 2026 rund fünf Milliarden Passkeys weltweit; drei von vier Befragten hatten mindestens einen Account umgestellt. Bevor du Passkeys einrichten kannst, muss allerdings die Basis stimmen:

  • Windows: Windows 10 ab Version 22H2 oder Windows 11 – und ein eingerichteter Windows-Hello-PIN. Windows Hello ist die lokale Anmeldung des Systems, also Gesicht, Fingerabdruck oder PIN. Fehlt der Hello-PIN, bricht der Passkey-Dialog kommentarlos ab.
  • iPhone/iPad: iOS bzw. iPadOS 16 oder neuer mit aktiviertem iCloud-Schlüsselbund. Das ist Apples verschlüsselter Zugangsdaten-Speicher, der zwischen deinen Apple-Geräten synchronisiert.
  • Android: Android 9 oder neuer. Als Speicherort dient der Google Passwortmanager oder ein anderer installierter Anbieter.
  • Mac: macOS Ventura oder neuer.
  • Browser: aktuelle Version von Chrome, Edge, Safari oder Firefox – ältere Ausgaben kennen den Standard schlicht nicht.
  • Bildschirmsperre: Pflicht. Ohne PIN, Muster oder Biometrie speichert kein System einen Passkey. Für die Anmeldung per Smartphone an einem fremden Rechner brauchst du zusätzlich Bluetooth.

Für Windows-Nutzer hat sich seit dem Sicherheitsupdate vom November 2025 (KB5068861, für 24H2 und 25H2) etwas Wichtiges geändert: Windows 11 lässt jetzt auch fremde Passkey-Manager zu. Unter Einstellungen > Konten > Passkeys > Erweiterte Optionen legst du fest, wer deine Passkeys verwaltet – Windows selbst oder ein Dienst wie 1Password oder Bitwarden. Praktisch ist das vor allem, wenn du Windows, Android und iPhone mischst: Dann liegen die Schlüssel in einem Tresor statt in drei getrennten Ökosystemen. Die Bestätigung läuft in jedem Fall über Windows Hello.

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Passkeys einrichten: Schritt für Schritt

Der Ablauf ist bei fast jedem Dienst gleich, egal ob Google, Microsoft, PayPal oder Amazon. Einen Passkey erstellst du immer aus einem bereits angemeldeten Konto heraus – das Passwort ist also der Türöffner für seine eigene Ablösung:

  1. Melde dich wie gewohnt mit deinem bisherigen Passwort beim Dienst an.
  2. Öffne die Konto- oder Sicherheitseinstellungen und suche den Bereich „Anmeldung“ oder „Sicherheit“.
  3. Wähle „Passkey erstellen“, „Passkey hinzufügen“ oder „Passwortlose Anmeldung“.
  4. Entscheide dich für den Speicherort, falls gefragt: dieses Gerät, ein Smartphone in der Nähe, ein Passwortmanager oder ein FIDO2-Sicherheitsschlüssel. Wer die Auswahl überliest, findet den Passkey später auf dem falschen Gerät.
  5. Entsperre dein Gerät und bestätige mit Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder Geräte-PIN.
  6. Prüfe in der Übersicht, dass der neue Passkey mit Gerätenamen und Datum gelistet ist – erst dann ist er wirklich aktiv.

Der private Schlüssel landet dabei je nach Plattform im TPM deines Rechners (dem Sicherheitschip auf dem Mainboard), im iCloud-Schlüsselbund, im Google Passwortmanager oder im gewählten Drittanbieter-Tresor. Zum Dienst wandert ausschließlich der öffentliche Teil.

Beispiel: Google-Konto

Rufe myaccount.google.com/signinoptions/passkeys auf, klicke auf „Passkey erstellen“ und entsperre das Gerät. Google merkt sich anschließend vertraute Geräte und bietet dort direkt die passwortlose Anmeldung an. Auf einem Android-Smartphone, das bereits mit dem Konto verbunden ist, existiert der Passkey oft schon automatisch – dann steht in der Liste nur noch „Automatisch erstellt“.

Beispiel: Microsoft-Konto

Öffne die Sicherheitseinstellungen deines Microsoft-Kontos und wähle „Passkey hinzufügen“. Microsoft legt neue Konten seit 2025 standardmäßig ganz ohne Passwort an; der Passkey ist dort also nicht mehr die Kür, sondern der Normalfall. In Edge ab Version 142 kann Microsofts eigener Passwortmanager Passkeys außerdem geräteübergreifend synchronisieren – vorher waren sie an genau einen Rechner gebunden.

Und bei allen anderen Diensten?

PayPal, Amazon, eBay, WhatsApp oder GitHub verstecken die Funktion an derselben Stelle wie die Zwei-Faktor-Einstellungen. Achte auf einen Unterschied, der in der Praxis oft für Verwirrung sorgt: Manche Anbieter nutzen den Passkey als vollwertigen Passwort-Ersatz, andere nur als zweiten Faktor zusätzlich zum Passwort. Steht nach dem Einrichten weiterhin die Passwortabfrage am Anfang, ist Letzteres der Fall – ein Fehler ist das nicht.

So meldest du dich mit einem Passkey an

Auf demselben Gerät ist die Anmeldung unspektakulär: Nutzername eingeben, per Fingerabdruck, Gesicht oder PIN bestätigen, fertig. Kein Code, keine App, kein zweiter Faktor.

Sitzt du an einem fremden Rechner, übernimmt dein Smartphone die Rolle des Schlüssels:

  1. Gib am fremden Gerät deinen Nutzernamen ein und wähle „Passkey verwenden“ bzw. „Anderes Gerät“.
  2. Es erscheint ein QR-Code. Scanne ihn mit der normalen Kamera-App deines Smartphones.
  3. Bestätige biometrisch auf dem Smartphone. Beide Geräte müssen nah beieinanderliegen und Bluetooth aktiviert haben.

Der Passkey selbst wandert dabei nie auf den fremden Rechner – bestätigt wird nur diese eine Anmeldung. Genau deshalb ist die Methode auch im Hotel oder im Copyshop vertretbar, während ein getipptes Passwort dort im schlimmsten Fall in einem Keylogger landet.

Häufige Fragen

Was ist ein Passkey einfach erklärt?

Ein Passkey ist ein kryptografisches Schlüsselpaar, das dein Passwort ersetzt. Der private Schlüssel bleibt auf deinem Gerät, der öffentliche liegt beim Dienst. Angemeldet wird per Fingerabdruck, Gesicht oder PIN – ohne getippte Zeichenkette.

Welche Geräte unterstützen Passkeys?

Windows 10 ab Version 22H2 und Windows 11, iPhone und iPad ab iOS 16, Android ab Version 9 sowie macOS ab Ventura. Dazu brauchst du einen aktuellen Browser und eine aktive Bildschirmsperre.

Was passiert, wenn ich mein Gerät verliere?

Passkeys synchronisieren über iCloud-Schlüsselbund oder Google Passwortmanager und sind auf einem neuen Gerät desselben Ökosystems wieder da. Richte sie zur Sicherheit auf zwei Geräten ein und hinterlege eine Wiederherstellungsmethode.

Kann ich Passkeys in einen anderen Passwortmanager umziehen?

Ja, seit 2026 über das Credential Exchange Protocol der FIDO Alliance: Apple ab iOS 26 und macOS 26, Android ab Play-Dienste 26.21. Die Übergabe läuft verschlüsselt von App zu App. Ein CSV-Export enthält niemals Passkeys.

Kann ich mich mit einem Passkey an einem fremden PC anmelden?

Ja. Wähle am fremden Rechner „Passkey verwenden“, scanne den QR-Code mit der Kamera deines Smartphones und bestätige biometrisch. Beide Geräte müssen nah beieinanderliegen und Bluetooth aktiviert haben.

Passkeys sichern und aufs neue Gerät mitnehmen

Der häufigste Einwand lautet: „Und wenn ich mein Handy verliere?“ Genau dafür lohnt sich Vorsorge, bevor der Ernstfall eintritt.

  • Passkeys synchronisieren über die Cloud deines Ökosystems – iCloud-Schlüsselbund bei Apple, Google Passwortmanager bei Android. Auf einem neuen Gerät desselben Herstellers sind sie nach der Anmeldung automatisch wieder da.
  • Richte wichtige Konten auf mindestens zwei Geräten ein, etwa Laptop und Smartphone. Fällt eines aus, kommst du über das andere weiter hinein.
  • Hinterlege zusätzlich eine Wiederherstellungsmethode, zum Beispiel eine vertrauenswürdige Telefonnummer oder Backup-Codes.
  • Lösche das alte Passwort nicht sofort. Lass es als Rückfalloption stehen, bis die passwortlose Anmeldung mehrere Wochen zuverlässig läuft.
  • Das BSI empfiehlt für FIDO2-Sicherheitsschlüssel ausdrücklich einen zweiten Stick als Reserve – ein verlorener Hardware-Schlüssel ohne Backup ist der klassische Aussperr-Fall.

Seit 2026 bist du außerdem nicht mehr im Ökosystem gefangen: Mit dem Credential Exchange Protocol (CXP) der FIDO Alliance lassen sich Passkeys zwischen Passwortmanagern umziehen. Apple kann das seit iOS 26 und macOS 26, Android seit den Play-Diensten 26.21, die ab dem 1. Juni 2026 verteilt wurden. Die Übergabe läuft verschlüsselt direkt von App zu App und wird lokal per Face ID, Fingerabdruck oder PIN freigegeben – es entsteht keine lesbare Exportdatei. Wichtig zu wissen: Ein klassischer CSV-Export enthält nur Passwörter, niemals Passkeys. Wer beim Wechsel des Passwortmanagers eine CSV-Datei überträgt, steht anschließend ohne seine Passkeys da.

Warum Passkeys sicherer sind als Passwörter

Ein Passwort kann man abfischen, erraten oder mehrfach verwenden – einen Passkey nicht. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bezeichnet Passkeys als „immun gegen die breite Masse bekannter Phishing-Angriffe“. Der Grund ist technisch simpel: Der private Schlüssel verlässt niemals dein Gerät, und der Browser prüft zusätzlich die Domain. Auf einer gefälschten Login-Seite gibt es also nichts, was du eintippen und damit verraten könntest – der Passkey wird dort schlicht nicht angeboten.

Dazu kommt: Jeder Passkey schützt genau einen Account, lässt sich nicht wiederverwenden und kann nicht „zu einfach“ sein. Das erledigt einen ganzen Angriffs-Klassiker – Credential Stuffing, also das automatisierte Durchprobieren geleakter Passwortlisten bei anderen Diensten. Praktisch ist es obendrein: Microsoft gibt an, dass die Anmeldung per Passkey rund achtmal schneller läuft als Passwort plus Zwei-Faktor-Code.

Eine Grenze bleibt trotzdem, und die gehört zur ehrlichen Antwort dazu: Passkeys schützen vor Phishing und Datenlecks, nicht vor einem kompromittierten Gerät. Wer sein entsperrtes Smartphone verleiht oder sich Schadsoftware einfängt, hat ein anderes Problem als die Anmeldemethode. Gerätesperre, Updates und ein wachsames Auge bleiben also Pflicht – das BSI rät ausdrücklich, Passkeys überall dort zu nutzen, wo ein vertrauenswürdiger Dienst sie anbietet.

Marcel Meyer

# wer schreibt hier

Marcel Meyer schraubt seit über zehn Jahren an Rechnern, Netzwerken und Servern — beruflich wie privat. Hier übersetzt er IT-Grundlagen in verständliche Schritte.

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