Kurz gesagt: Ein Raspberry Pi 5 (oder ein älterer Pi 4) reicht völlig aus, um zentrale Netzwerkdienste in deinem Zuhause zu übernehmen – als Werbefilter (Pi-hole), DNS- oder DHCP-Server, Datei- oder Medienserver. Du brauchst den Pi, ein passendes Netzteil, eine SD-Karte ab 16 GB und ein Netzwerkkabel. Das System spielst du mit dem Raspberry Pi Imager auf, vergibst eine feste IP-Adresse und installierst dann Schritt für Schritt die Dienste, die du wirklich brauchst.
Der Raspberry Pi ist ein Einplatinencomputer – also ein vollständiger Rechner auf einer einzigen Platine in Kreditkartengröße. Genau diese Mischung aus geringem Stromverbrauch (oft unter 5 Watt im Leerlauf), niedrigem Preis und Dauerbetrieb-Tauglichkeit macht ihn zum idealen Always-on-Gerät im Heimnetzwerk. Diese Anleitung ist für Einsteiger geschrieben und auf dem Stand von Mitte 2026 (Raspberry Pi OS auf Debian-12-„Bookworm“-Basis).
Welchen Raspberry Pi du 2026 nehmen solltest
Die Modellauswahl bestimmt, wie viele Dienste der Pi gleichzeitig stemmt. Für reine Netzwerkaufgaben (Pi-hole, DNS, DHCP) genügt wenig Leistung; für einen Datei- oder Medienserver lohnt sich der Sprung zum aktuellen Modell.
- Raspberry Pi 5 – das aktuelle Spitzenmodell (seit Ende 2023). Quad-Core Cortex-A76 mit 2,4 GHz, 2 bis 16 GB RAM und eine PCIe-Schnittstelle, an die sich über einen M.2-HAT eine schnelle NVMe-SSD anschließen lässt. Für einen Heimserver ist das die beste Wahl, besonders wenn du Daten oder Medien speicherst.
- Raspberry Pi 4 Model B – weiterhin völlig ausreichend für Netzwerkdienste und sparsamer im Verbrauch. Bis 8 GB RAM, Gigabit-Ethernet, USB 3.0. Wenn du einen gebrauchten Pi 4 herumliegen hast, fang damit an.
- Raspberry Pi 500 – ein Pi 5 mit 8 GB RAM, fest in eine Tastatur eingebaut. Praktisch als Arbeitsgerät, für einen versteckt laufenden Server aber unpraktisch.
- Raspberry Pi Zero 2 W – winzig und stromsparend, reicht für ein reines Pi-hole. Für mehrere Dienste gleichzeitig zu schwach.
Empfehlung für die meisten: ein Pi 5 mit 4 GB. Genug Reserven für mehrere Dienste, ohne Geld für 16 GB auszugeben, die ein Heimnetzwerk selten braucht.
Das brauchst du außerdem
- SD-Karte ab 16 GB (Class 10 / A1 oder besser) für das Betriebssystem. Beim Pi 5 kannst du alternativ direkt von NVMe-SSD booten.
- Passendes Netzteil: der Pi 5 will offiziell ein 27-Watt-USB-C-Netzteil (5 V/5 A), der Pi 4 mindestens 5 V/3 A. Ein zu schwaches Netzteil ist die häufigste Ursache für sporadische Abstürze.
- Netzwerkkabel: Für einen Server, der dauerhaft erreichbar sein soll, ist Kabel (Ethernet) stabiler als WLAN.
- Gehäuse mit Kühlung: Der Pi 5 wird unter Last warm – ein aktiver Kühler oder ein Gehäuse mit Lüfter hält ihn im Dauerbetrieb kühl.
Raspberry Pi OS aufspielen – mit dem Raspberry Pi Imager
Der Umweg über separate Formatierungs- und Schreib-Tools ist überholt. Der offizielle Raspberry Pi Imager formatiert die Karte, lädt das System herunter, schreibt es und richtet auf Wunsch alles für den Kopflos-Betrieb (ohne Monitor und Tastatur) ein – in einem Rutsch.
- Lade den Raspberry Pi Imager von raspberrypi.com/software herunter und installiere ihn auf deinem PC.
- Stecke die SD-Karte ein und starte den Imager. Wähle dein Modell, als Betriebssystem „Raspberry Pi OS (64-bit)“ und die SD-Karte als Ziel.
- Wichtig: Klicke vor dem Schreiben auf das Zahnrad bzw. „Einstellungen bearbeiten“. Hier legst du Hostnamen, Benutzernamen und Passwort fest, aktivierst SSH (für den Fernzugriff) und trägst – falls nötig – deine WLAN-Zugangsdaten ein.
- Schreibe das Image und stecke die fertige Karte in den Pi.
Achtung, häufige Stolperfalle: Seit Raspberry Pi OS „Bookworm“ gibt es keinen Standardbenutzer „pi“ mit Standardpasswort mehr. Du musst den Benutzer im Imager selbst anlegen – sonst startet der Pi in einen Einrichtungsassistenten und ist headless nicht erreichbar. Genau das vergisst fast jeder beim ersten Mal.
Erster Start und Grundkonfiguration
Verbinde dich nach dem Booten per SSH (ssh [email protected]) oder direkt am Monitor. Diese Schritte gehören zur Basis:
- System aktualisieren:
sudo apt update && sudo apt full-upgrade. Das schließt bekannte Sicherheitslücken – immer zuerst machen. - Einstellungen prüfen:
sudo raspi-configöffnet das Konfigurationswerkzeug. Hier stellst du Zeitzone, Tastaturlayout und Sprache ein und kannst Schnittstellen wie SSH nachträglich aktivieren. - Starkes Passwort: Wenn der Pi später von außen erreichbar sein soll, nutze SSH-Schlüssel statt Passwort.
Feste IP-Adresse vergeben (NetworkManager statt dhcpcd)
Ein Server braucht eine gleichbleibende Adresse, damit andere Geräte ihn immer finden. Hier hat sich grundlegend etwas geändert: Die alte Methode über die Datei /etc/dhcpcd.conf funktioniert seit Raspberry Pi OS „Bookworm“ nicht mehr. Das System nutzt jetzt den NetworkManager. Anleitungen, die dich diese Datei bearbeiten lassen, sind veraltet – die Änderung bleibt dort wirkungslos.
Es gibt zwei saubere Wege:
- Per Router (am einfachsten): Trage in der Weboberfläche deines Routers eine DHCP-Reservierung für die MAC-Adresse des Pi ein. Der Router weist dem Pi dann immer dieselbe IP zu, ohne dass du am Pi etwas änderst. Für die meisten Heimnetze die beste Lösung.
- Direkt am Pi mit
nmtui: Der Befehlsudo nmtuiöffnet ein textbasiertes Menü. Wähle „Verbindung bearbeiten“, öffne deine Kabel- oder WLAN-Verbindung, stelle IPv4 auf „Manuell“ und trage Adresse (z. B.192.168.178.50/24), Gateway und DNS ein. Nach einem Neustart der Verbindung gilt die feste IP.
Auf der Kommandozeile geht es auch mit nmcli – für Einsteiger ist nmtui aber übersichtlicher.
Pi-hole als netzwerkweiter Werbe- und Trackingfilter
Pi-hole ist für die meisten der wertvollste Dienst: Es arbeitet als DNS-Server und blockt Werbung und Tracker für alle Geräte im Netz – auch für Smart-TVs und Handys, auf denen du keinen Adblocker installieren kannst. Die aktuelle Generation ist Pi-hole v6 (Anfang 2025 mit komplett neuer, schnellerer Weboberfläche und eingebautem Webserver erschienen).
- Installiere Pi-hole mit dem offiziellen Skript:
curl -sSL https://install.pi-hole.net | bash. Der Assistent führt dich durch die Einrichtung. - Wähle dabei das Netzwerk-Interface und einen Upstream-DNS-Anbieter (z. B. Cloudflare oder Quad9).
- Notiere das am Ende angezeigte Admin-Passwort. Die Oberfläche erreichst du unter
http://<IP-des-Pi>/admin. - Entscheidender Schritt: Damit alle Geräte über Pi-hole laufen, trage die IP des Pi in deinem Router als DNS-Server ein. So musst du nicht jedes Gerät einzeln umstellen.
Eigenen DHCP-Server betreiben (optional)
Ein DHCP-Server verteilt automatisch IP-Adressen an alle Geräte im Netz. Diese Aufgabe übernimmt normalerweise dein Router – du brauchst sie auf dem Pi nur, wenn du mehr Kontrolle willst oder feste Adresszuweisungen zentral verwalten möchtest.
Wichtig bei der Softwarewahl: Der früher übliche isc-dhcp-server ist seit Oktober 2022 abgekündigt (End of Life) und bekommt keine Updates mehr – nutze ihn nicht für neue Installationen. Empfehlenswert ist stattdessen dnsmasq: leichtgewichtig, ideal für den Pi und vereint DNS-Caching und DHCP in einem Dienst. Der Nachfolger ISC Kea ist technisch gut, für ein typisches Heimnetz aber überdimensioniert.
Wenn du bereits Pi-hole installiert hast, hast du dnsmasq praktisch schon: Pi-hole kann in seinen Einstellungen direkt als DHCP-Server aktiviert werden. Wichtig: Schalte dann den DHCP-Server deines Routers ab – zwei aktive DHCP-Server im selben Netz führen zu Adresskonflikten und Verbindungsabbrüchen.
Erweitern: Datei- und Medienserver
Ist der Pi erst einmal im Netz, lässt er sich ausbauen:
- Dateiserver (NAS): Mit Samba stellst du Ordner bereit, auf die Windows, macOS und Linux im Netzwerk zugreifen. Eine per USB oder NVMe angeschlossene Festplatte dient als Speicher. Befehl zur Installation:
sudo apt install samba. - Medienserver: Jellyfin (quelloffen) oder Plex streamen deine Film- und Musiksammlung auf Smart-TVs, Tablets und Handys. Der Pi 5 mit NVMe-SSD ist hier dem Pi 4 deutlich überlegen.
- Cloud-Speicher: Nextcloud macht aus dem Pi deine eigene private Cloud. Hier zahlt sich RAM und schneller Speicher aus – ein Pi 5 ist Pflicht.
Absichern und warten
Ein Gerät, das dauerhaft im Netz hängt, muss gepflegt werden:
- Regelmäßig aktualisieren:
sudo apt update && sudo apt full-upgradeeinplanen – am besten alle paar Wochen. Veraltete Software ist das größte Sicherheitsrisiko. - Firewall: Mit
ufw(Uncomplicated Firewall) gibst du nur die wirklich benötigten Ports frei:sudo apt install ufw, dann gezielt Regeln setzen. - Backup vor Eingriffen: Bevor du größere Änderungen vornimmst, sichere deine SD-Karte als Image – ein beschädigtes System ist sonst schnell komplett verloren.
- Auslastung im Blick: Tools wie
htopoderiftopzeigen dir CPU-, Speicher- und Netzwerklast, falls etwas langsam wird.
Mit diesen Bausteinen hast du aus einem Gerät für unter 100 Euro ein zentrales, sparsames Stück Heimnetz-Infrastruktur gebaut – und nebenbei eine Menge über DNS, DHCP und Linux-Administration gelernt.
Häufige Fragen
Welcher Raspberry Pi eignet sich für ein Heimnetzwerk?
Für reine Netzwerkdienste wie Pi-hole oder DNS reicht ein Pi 4 oder sogar ein Pi Zero 2 W. Willst du zusätzlich einen Datei- oder Medienserver betreiben, ist ein Raspberry Pi 5 mit 4 GB RAM die beste Wahl.
Wie vergebe ich eine feste IP unter Raspberry Pi OS Bookworm?
Über die Datei /etc/dhcpcd.conf geht es seit Bookworm nicht mehr. Nutze stattdessen den NetworkManager per ’sudo nmtui‘ oder trage am einfachsten eine DHCP-Reservierung in deinem Router ein.
Kann der Raspberry Pi meinen Router ersetzen?
Vollständig ersetzen meist nicht, aber er kann zentrale Aufgaben übernehmen: DNS, Werbefilter per Pi-hole und auf Wunsch auch den DHCP-Server. Den DHCP des Routers musst du dann abschalten, um Konflikte zu vermeiden.
Welche DHCP-Server-Software sollte ich nehmen?
Nicht isc-dhcp-server, der ist seit 2022 abgekündigt. Empfehlenswert ist dnsmasq: leichtgewichtig und für den Pi ideal. Mit Pi-hole hast du dnsmasq bereits an Bord und kannst DHCP direkt dort aktivieren.
Was kostet ein Raspberry-Pi-Heimnetzwerk?
Mit Pi, Netzteil, Gehäuse mit Kühlung und SD-Karte liegst du je nach Modell bei rund 70 bis 120 Euro. Die genutzte Software (Raspberry Pi OS, Pi-hole, dnsmasq, Samba, Jellyfin) ist kostenlos und quelloffen.




