Ein Vollbackup ist eine vollständige Kopie aller ausgewählten Daten: Bei jedem Durchlauf werden sämtliche Dateien neu gesichert, nicht nur die Änderungen. Der Vorteil liegt in der Wiederherstellung – du brauchst genau eine Sicherung und bist nicht auf ältere Backups angewiesen. Der Preis dafür sind hoher Speicherbedarf und längere Sicherungszeiten. So richtest du ein Vollbackup unter Windows 11, macOS und Linux ein.
Was ist ein Vollbackup – und was nicht
Ein Vollbackup (auch Vollsicherung genannt) kopiert den kompletten ausgewählten Datenbestand auf ein Sicherungsmedium – unabhängig davon, ob sich eine Datei seit der letzten Sicherung geändert hat oder nicht. Sicherst du heute 200 GB und morgen erneut, liegen anschließend zwei vollständige 200-GB-Kopien vor.
Das unterscheidet das Vollbackup von einer reinen Datei-Synchronisation: Ein Backup ist eine eigenständige, in sich abgeschlossene Kopie zu einem Zeitpunkt. Eine Sync-Lösung wie ein Cloud-Ordner spiegelt dagegen nur den aktuellen Stand – löschst du dort versehentlich eine Datei, ist sie auch in der „Sicherung“ weg. Genau deshalb ersetzt ein synchronisierter Cloud-Ordner kein echtes Backup.
Vollbackup, inkrementell oder differenziell?
Drei Verfahren stehen zur Wahl. Sie unterscheiden sich darin, was jeweils gesichert wird – und damit darin, wie viel Speicher sie brauchen und wie schnell die Wiederherstellung geht:
| Backup-Art | Was wird gesichert | Speicherbedarf | Wiederherstellung |
|---|---|---|---|
| Vollbackup | alle Daten, jedes Mal komplett | hoch | am einfachsten – nur eine Sicherung nötig |
| Inkrementell | nur Änderungen seit dem letzten Backup (egal welcher Art) | sehr gering | aufwändig – Vollbackup plus alle inkrementellen Sätze nötig |
| Differenziell | alle Änderungen seit dem letzten Vollbackup | mittel | mittel – Vollbackup plus letzte differenzielle Sicherung |
In der Praxis kombiniert man die Verfahren: einmal pro Woche ein Vollbackup als Basis, dazwischen täglich ein inkrementelles oder differenzielles Backup. Das spart Speicher, ohne die Datensicherheit zu schwächen. Der Haken am inkrementellen Backup: Fällt ein einziger Zwischensatz aus, lässt sich die Kette dahinter nicht mehr vollständig zurückspielen.
Welche Speichermedien eignen sich?
Ein Vollbackup ist nur so sicher wie das Medium, auf dem es liegt. Drei Optionen sind üblich:
- Externe Festplatte oder SSD: günstig, schnell, ideal für private Vollbackups. Wichtig: Das Laufwerk nach der Sicherung wieder abziehen – ein dauerhaft angeschlossenes Backup-Medium verschlüsselt Ransomware gleich mit.
- NAS (Network Attached Storage – ein Netzwerkspeicher im eigenen Haushalt): automatisierbar, von mehreren Geräten erreichbar, oft mit RAID gegen Plattenausfall. Ersetzt aber keine räumlich getrennte Kopie.
- Cloud-Speicher: schafft die wichtige Kopie außer Haus (Schutz bei Brand oder Diebstahl). Sensible Daten vor dem Upload verschlüsseln; achte auf Anbieter mit unveränderbaren („immutable“) Versionen, die Schadsoftware nicht löschen kann.
Vollbackup unter Windows 11 erstellen
Windows 11 hat zwei Ebenen: Die Windows-Sicherung-App in den Einstellungen sichert vor allem Dateien, Apps und Einstellungen in OneDrive – das ist kein komplettes Systemabbild. Für ein echtes Vollbackup des gesamten Systems nutzt du das mitgeschleppte Werkzeug aus Windows 7, das auch in Windows 11 24H2 noch enthalten ist.
Systemabbild über „Sichern und Wiederherstellen (Windows 7)“
- Drücke Windows-Taste + R, tippe
controlein und bestätige mit Enter. - Öffne System und Sicherheit → Sichern und Wiederherstellen (Windows 7).
- Klicke links auf Systemabbild erstellen.
- Wähle als Ziel eine externe Festplatte mit genug freiem Platz und starte die Sicherung.
- Erstelle danach über denselben Dialog einen Systemreparaturdatenträger oder einen Boot-Stick – ohne ihn lässt sich das Abbild im Ernstfall nicht zurückspielen.
Wer lieber die Kommandozeile nutzt: Das Bordmittel wbAdmin erstellt dasselbe Abbild. Ein vollständiges Systemabbild des Laufwerks C: auf das Ziel E: legt dieser Befehl in einer Eingabeaufforderung mit Administratorrechten an:
wbAdmin start backup -backupTarget:E: -include:C: -allCritical -quiet
Die Wiederherstellung läuft über die Wiederherstellungsumgebung: Einstellungen → System → Wiederherstellung → Erweiterter Start, dann Problembehandlung → Erweiterte Optionen → Systemimage-Wiederherstellung. Achtung: Das Zurückspielen überschreibt die Zielplatte vollständig – vorher sicherstellen, dass darauf nichts Wichtiges mehr liegt.
Vollbackup auf dem Mac mit Time Machine
Auf dem Mac ist das Vollbackup ab Werk eingebaut. Time Machine erstellt eine komplette, versionierte Sicherung und nutzt dabei unveränderbare APFS-Snapshots – also Momentaufnahmen des Dateisystems, die sich nachträglich nicht verändern lassen.
- Schließe eine externe Festplatte an oder wähle ein Netzlaufwerk.
- Öffne Systemeinstellungen → Allgemein → Time Machine.
- Klicke auf Backup-Volume hinzufügen und wähle das Medium aus.
- Die erste Sicherung ist das Vollbackup; danach legt Time Machine automatisch stündliche, tägliche und wöchentliche Versionen an.
Zurückgespielt wird entweder einzeln über die Time-Machine-Oberfläche oder – für das komplette System – über den Migrationsassistenten beziehungsweise den macOS-Wiederherstellungsmodus.
Vollbackup unter Linux
Linux bietet keinen einheitlichen Standardweg, dafür bewährte Werkzeuge je nach Ziel:
- Timeshift: sichert per rsync und Hardlinks System-Snapshots für ein schnelles Zurückrollen nach einem misslungenen Update. Eher für das System als für persönliche Dokumente gedacht.
- BorgBackup (oft mit der grafischen Oberfläche Vorta): ein Vollbackup mit Deduplizierung, Komprimierung und AES-256-Verschlüsselung. Sehr speichereffizient, weil identische Datenblöcke nur einmal abgelegt werden.
- rsync mit
--link-dest: erzeugt eine Snapshot-Historie, in der jede Sicherung wie ein Vollbackup aussieht, aber nur geänderte Dateien zusätzlichen Platz belegen. - Clonezilla: klont eine komplette Festplatte oder Partition als Abbild – das Linux-Pendant zum Windows-Systemabbild.
Die 3-2-1-Regel – ein Vollbackup allein reicht nicht
Ein einziges Vollbackup auf einer externen Platte ist besser als nichts, aber kein vollständiger Schutz. Der bewährte Standard ist die 3-2-1-Regel:
- 3 Kopien der Daten (das Original plus zwei Backups),
- 2 verschiedene Medientypen (zum Beispiel externe SSD und NAS),
- 1 Kopie außer Haus (Cloud oder ein Datenträger an einem anderen Ort).
Wegen der Ransomware-Gefahr erweitern viele die Regel zur 3-2-1-1-0: Eine zusätzliche Kopie liegt unveränderbar oder vom Netz getrennt („air-gapped“), und nach einem getesteten Restore stehen 0 Fehler. Der letzte Punkt ist der wichtigste – ein Backup, das sich nicht zurückspielen lässt, ist kein Backup.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Vollbackup und inkrementellem Backup?
Ein Vollbackup sichert jedes Mal alle Daten komplett. Ein inkrementelles Backup sichert nur die Änderungen seit der letzten Sicherung – das spart Speicher, macht die Wiederherstellung aber aufwändiger, weil das Vollbackup plus alle Zwischensätze nötig sind.
Wie oft sollte ich ein Vollbackup machen?
Für private Daten reicht meist ein wöchentliches Vollbackup mit täglicher Zwischensicherung. Unternehmen kombinieren oft ein wöchentliches Vollbackup mit täglichen inkrementellen oder differenziellen Sicherungen.
Wie viel Speicherplatz braucht ein Vollbackup?
Ungefähr so viel wie die tatsächlich belegten Daten. Wer mehrere Versionsstände aufbewahren will, plant das Mehrfache ein. Komprimierung und Deduplizierung senken den Bedarf deutlich.
Sind Cloud-Backups als Vollbackup sicher?
Ja, sofern die Daten vor dem Upload verschlüsselt werden und der Anbieter unveränderbare (immutable) Versionen bietet, die Ransomware nicht löschen kann. Die Cloud erfüllt die wichtige Kopie außer Haus.
Kann ich ein Vollbackup automatisieren?
Ja. Windows nutzt dafür Aufgabenplanung oder wbAdmin, macOS automatisiert Time Machine selbst, und unter Linux übernehmen Borg, Timeshift oder rsync per Cron-Job die geplante Sicherung.
Wie oft und wie viel Speicher?
Für Privatanwender reicht meist ein wöchentliches Vollbackup wichtiger Ordner, ergänzt um eine automatische tägliche Zwischensicherung. Unternehmen fahren typischerweise ein wöchentliches Vollbackup mit täglichen inkrementellen oder differenziellen Sicherungen – abhängig davon, wie viel Datenverlust man im Ernstfall verkraftet.
Beim Speicherbedarf gilt die Faustregel: Ein Vollbackup ist etwa so groß wie die tatsächlich belegten Daten. Wer mehrere Versionsstände aufbewahren will, plant das Mehrfache ein. Komprimierung und Deduplizierung (wie bei Borg) senken den Bedarf deutlich.
Warum Azubis das Thema kennen sollten
Backup-Strategien sind ein Klassiker in der Fachinformatiker-Prüfung. Zwei Kennzahlen tauchen dort regelmäßig auf: Der RPO (Recovery Point Objective) beschreibt, wie viel Datenverlust toleriert wird – also den Abstand zwischen zwei Sicherungen. Der RTO (Recovery Time Objective) gibt vor, wie lange die Wiederherstellung maximal dauern darf. Das Vollbackup punktet beim RTO, weil nur eine Sicherung zurückgespielt werden muss – und verliert beim Speicherbedarf. Genau dieses Abwägen zwischen schneller Wiederherstellung und sparsamer Speichernutzung ist der Kern jeder Backup-Strategie.




