Direktantwort: Der WHEA_UNCORRECTABLE_ERROR (Stopcode 0x124) meldet einen schweren, vom System nicht korrigierbaren Hardwarefehler. In den meisten Fällen steckt eine instabile Übertaktung, eine überhitzte oder defekte CPU beziehungsweise ein fehlerhafter RAM-Riegel, ein veraltetes BIOS oder ein defekter Treiber dahinter. Setze zuerst alle Übertaktungen im BIOS zurück, kontrolliere die Temperaturen, aktualisiere BIOS und Chipsatztreiber und teste den Arbeitsspeicher. Die Ereignisanzeige (Quelle „WHEA-Logger“) verrät, welche Komponente den Fehler meldet.
So erkennst du, ob wirklich 0x124 dein Problem ist
WHEA steht für „Windows Hardware Error Architecture“ – das ist der Teil von Windows, der Hardwarekomponenten laufend auf Fehler überwacht. Meldet die Hardware einen Fehler, den sich das System nicht selbst reparieren kann, erzwingt Windows sofort einen Stopp, statt mit möglicherweise beschädigten Daten weiterzurechnen. Genau das ist der Bluescreen mit dem Text WHEA_UNCORRECTABLE_ERROR und dem Stopcode 0x00000124.
Typische Merkmale, an denen du diesen Fehler festmachst:
- Der Bluescreen kommt oft unter Last (Spiel, Rendern, Benchmark) oder direkt kurz nach dem Hochfahren.
- Er tritt scheinbar zufällig auf und nennt selten eine konkrete .sys-Datei – das unterscheidet ihn von reinen Treiber-Bluescreens.
- In der Ereignisanzeige findest du unter Windows-Protokolle > System Einträge der Quelle WHEA-Logger („Fatal hardware error“) mit Ereignis-IDs wie 17, 18, 46 oder 47.
Der erste Parameter im Bluescreen grenzt die Fehlerquelle ein. Laut Microsoft-Dokumentation steht Parameter 1 = 0x0 für eine Machine-Check-Ausnahme des Prozessors (CPU/RAM/Mainboard), 0x4 für einen nicht korrigierbaren PCI-Express-Fehler (häufig Grafikkarte oder ein Steckplatz) und 0x5 für einen allgemeinen Hardwarefehler. Das ist keine Diagnose, aber eine Richtung: 0x0 zeigt Richtung CPU und Speicher, 0x4 Richtung Steckkarten.
WHEA_UNCORRECTABLE_ERROR beheben – Schritt für Schritt
Arbeite die Punkte in dieser Reihenfolge ab. Sie sind so sortiert, dass die häufigsten und ungefährlichsten Ursachen zuerst kommen.
- Übertaktung und XMP/EXPO zurücksetzen. Starte ins BIOS/UEFI (meist Entf oder F2 beim Booten) und lade die Standardwerte („Load Optimized Defaults“). Deaktiviere manuelle CPU-, GPU- oder RAM-Übertaktung und vorerst auch das Speicherprofil XMP (Intel) bzw. EXPO (AMD). Eine instabile Übertaktung ist die mit Abstand häufigste Ursache für 0x124.
- Temperaturen und Kühlung prüfen. Sorge dafür, dass alle Lüfter laufen und der CPU-Kühler fest sitzt. Staub im Kühler und ausgetrocknete Wärmeleitpaste treiben die Temperatur so hoch, dass die CPU einen nicht korrigierbaren Fehler meldet. Unter Last sollten CPU und GPU nicht dauerhaft an die 90-100 °C stoßen.
- Ereignisanzeige auswerten. Öffne die Ereignisanzeige (Rechtsklick auf Start > Ereignisanzeige), gehe zu Windows-Protokolle > System und filtere nach der Quelle WHEA-Logger. Die Ereignis-ID und der Text („Processor Core“, „PCI Express Root Port“) sagen dir, welche Komponente den Fehler ausgelöst hat.
- BIOS/UEFI und Chipsatztreiber aktualisieren. Ein veraltetes BIOS und alter Microcode sind eine sehr häufige Ursache. Notiere dir Mainboard-Modell und die aktuell installierte BIOS-Version, lade die neueste stabile Version direkt von der Hersteller-Seite deines Mainboards und installiere anschließend den passenden Chipsatztreiber. Wichtig: Ein BIOS-Update darf nicht durch Stromausfall unterbrochen werden – am Desktop-PC nur an stabiler Stromversorgung flashen, am Notebook mit angeschlossenem Netzteil und geladenem Akku.
- Grafiktreiber sauber neu installieren. Fehlerhafte GPU-Treiber lösen 0x124 ebenfalls aus. Deinstalliere den Grafiktreiber und installiere die aktuelle Version von der Hersteller-Seite (NVIDIA, AMD oder Intel) neu.
- Arbeitsspeicher testen. Starte die Windows-Speicherdiagnose (im Startmenü nach „Windows-Speicherdiagnose“ suchen) für einen schnellen Test. Für einen belastbaren Test lässt du MemTest86 von einem USB-Stick mehrere Durchläufe laufen. Meldet der Test Fehler, teste jeden RAM-Riegel einzeln und in verschiedenen Steckplätzen, um den defekten Riegel oder Slot zu finden.
- Systemdateien prüfen. Weniger wahrscheinlich, aber schnell erledigt: Öffne die Eingabeaufforderung als Administrator und führe nacheinander
sfc /scannowundDISM /Online /Cleanup-Image /RestoreHealthaus. Das repariert beschädigte Windows-Systemdateien, die in seltenen Fällen mit reinspielen.
Wenn das nicht hilft: seltenere Ursachen eingrenzen
Bleibt der Bluescreen, wird es Zeit, einzelne Komponenten gezielt zu isolieren. Sichere vorher wichtige Daten – ein instabiles System kann jederzeit abstürzen.
- Netzteil und Spannung. Ein zu schwaches oder alterndes Netzteil liefert unter Last unsaubere Spannung, worauf CPU oder GPU mit einem WHEA-Fehler reagieren. Prüfe, ob das Problem nur unter Volllast auftritt – das ist ein typisches Netzteil-Symptom.
- Komponenten einzeln testen. Baue bei zwei RAM-Riegeln einen aus und teste mit dem anderen weiter. Hast du eine zusätzliche oder Onboard-Grafik, nimm die verdächtige Grafikkarte testweise heraus. So verkleinerst du den Kreis der Verdächtigen Schritt für Schritt.
- Aktuelle Plattformen mit bekannten Microcode-Themen. Intel-Prozessoren der 13. und 14. Generation (Raptor Lake) hatten ein dokumentiertes Instabilitätsproblem, das Intel 2024 per BIOS-Update mit neuem Microcode adressiert hat. Auch bei AMD Ryzen der Serien 5000/7000 lösen alte BIOS-Stände solche Fehler aus. Gerade hier lohnt sich das BIOS-Update aus Schritt 4 doppelt.
- Datenträger und NVMe-SSD. Seltener, aber möglich: Eine SSD mit veralteter Firmware oder wackeligem Sitz im M.2-Slot kann als PCIe-Fehler (Parameter 1 = 0x4) auftauchen. Prüfe die SSD-Firmware beim Hersteller.
Warum passiert der WHEA_UNCORRECTABLE_ERROR überhaupt?
Moderne CPUs besitzen eine eigene Fehlerprüfung, die sogenannten Machine-Check-Architecture-Banks (MCA). Sie erkennen Bit-Fehler in Rechenwerken, Caches oder auf den Verbindungen zu Speicher und PCIe-Geräten. Kleine, korrigierbare Fehler bügelt die Hardware still aus. Ist ein Fehler aber uncorrectable – also nicht mehr reparierbar – reicht die CPU ihn über die WHEA-Schnittstelle an Windows weiter.
Windows steht dann vor der Wahl, mit potenziell falschen Daten weiterzuarchnen oder anzuhalten. Es entscheidet sich bewusst für den harten Stopp, weil ein nicht korrigierbarer Hardwarefehler auf Dateiebene weit mehr Schaden anrichten könnte als ein Bluescreen. Der 0x124 ist also kein Software-Bug, den man „wegklickt“, sondern die Meldung, dass eine physische Komponente instabil arbeitet – deshalb führen die Lösungswege fast immer über Übertaktung, Temperatur, Firmware oder ein defektes Bauteil.
Häufige Fragen
Ist der WHEA_UNCORRECTABLE_ERROR ein Hardware- oder Software-Fehler?
Fast immer Hardware. Der Stopcode 0x124 meldet einen nicht korrigierbaren Hardwarefehler von CPU, RAM, Grafikkarte oder Mainboard. Software-Ursachen wie Treiber oder beschädigte Systemdateien sind seltener, aber möglich.
Kann ich 0x124 selbst beheben oder ist die Hardware kaputt?
Sehr oft lässt er sich per Software beheben: Übertaktung zurücksetzen, BIOS und Treiber aktualisieren, Temperaturen prüfen. Erst wenn das nichts bringt und ein Speichertest Fehler meldet, deutet es auf defekte Hardware hin.
Wo sehe ich, welche Komponente den WHEA-Fehler auslöst?
In der Ereignisanzeige unter Windows-Protokolle > System, gefiltert nach der Quelle „WHEA-Logger“. Ereignis-IDs wie 17, 18, 46 oder 47 und der Text (etwa „Processor Core“ oder „PCI Express“) zeigen die betroffene Komponente.
Hilft ein BIOS-Update wirklich gegen 0x124?
Häufig ja. Veralteter Microcode ist eine typische Ursache, besonders bei Intel der 13./14. Generation und AMD Ryzen 5000/7000. Ein aktuelles BIOS von der Mainboard-Herstellerseite behebt viele sonst unerklärliche WHEA-Fehler.
Warum startet der PC nach dem Bluescreen einfach neu?
Windows erzwingt bei einem nicht korrigierbaren Hardwarefehler einen sofortigen Stopp und Neustart, um zu verhindern, dass mit fehlerhaften Daten weitergerechnet wird und dabei Dateien beschädigt werden.




