Subnetting teilt ein großes IP-Netz in kleinere, voneinander abgegrenzte Teilnetze. Den Kern der Rechnung erledigt eine einzige Operation: 256 minus dem letzten Wert der Subnetzmaske ergibt die Blockgröße – also den Abstand von einem Subnetz zum nächsten. Wer diese „Zauberzahl“ kennt, liest Netzwerkadresse, Broadcast und nutzbare Hosts in Sekunden ab, ganz ohne Binär-Kopfrechnen.
Diese Anleitung zeigt dir die Methode an konkreten Beispielen, dazu eine CIDR-Tabelle zum Nachschlagen und die typischen Stolperfallen – ein Klassiker, der in keiner Fachinformatiker-Prüfung fehlt.
Die Grundlagen: IP-Adresse, Subnetzmaske, CIDR
Eine IPv4-Adresse besteht aus 32 Bit, geschrieben als vier Oktette zu je 8 Bit, etwa 192.168.1.10. Diese Adresse hat zwei Teile: einen Netzanteil (welches Netz?) und einen Hostanteil (welches Gerät im Netz?). Die Subnetzmaske entscheidet, wo die Grenze zwischen beiden verläuft.
Die Subnetzmaske ist ebenfalls 32 Bit lang und besteht aus einer lückenlosen Reihe von Einsen, gefolgt von Nullen. Jede Eins markiert ein Netz-Bit, jede Null ein Host-Bit. 255.255.255.0 bedeutet also: die ersten 24 Bit gehören zum Netz, die letzten 8 zu den Hosts.
Statt die Maske auszuschreiben, nutzt man heute die CIDR-Notation (Classless Inter-Domain Routing). Sie hängt einfach die Zahl der Netz-Bits mit Schrägstrich an die Adresse: 192.168.1.0/24 ist dasselbe wie Maske 255.255.255.0. CIDR hat die alten starren Adressklassen (A, B, C) abgelöst – ein Netz darf seit den 1990ern jede beliebige Präfixlänge haben, nicht mehr nur /8, /16 oder /24.
Drei Adressen muss jedes Subnetz reservieren oder kennen:
- Netzwerkadresse: die erste Adresse des Subnetzes (alle Host-Bits auf 0). Sie benennt das Subnetz selbst und wird keinem Gerät zugewiesen.
- Broadcast-Adresse: die letzte Adresse (alle Host-Bits auf 1). Pakete dorthin erreichen alle Geräte im Subnetz gleichzeitig – deshalb taugt sie nicht als Host-Adresse.
- Host-Adressen: alles dazwischen. Genau hier hängen deine PCs, Server, Drucker und IoT-Geräte.
Daraus folgt die wichtigste Formel des ganzen Themas. Die Zahl der nutzbaren Hosts ist 2(Host-Bits) − 2. Die −2 stehen für Netz- und Broadcast-Adresse, die du nie an ein Gerät vergibst. Ein /24 hat 8 Host-Bits, also 28 − 2 = 254 nutzbare Adressen.
CIDR-Tabelle: Maske, Adressen und Hosts auf einen Blick
Diese Tabelle deckt den Bereich ab, der dir im Alltag und in der Prüfung am häufigsten begegnet – das vierte Oktett:
| CIDR | Subnetzmaske | Adressen gesamt | Nutzbare Hosts |
|---|---|---|---|
| /24 | 255.255.255.0 | 256 | 254 |
| /25 | 255.255.255.128 | 128 | 126 |
| /26 | 255.255.255.192 | 64 | 62 |
| /27 | 255.255.255.224 | 32 | 30 |
| /28 | 255.255.255.240 | 16 | 14 |
| /29 | 255.255.255.248 | 8 | 6 |
| /30 | 255.255.255.252 | 4 | 2 |
| /31 | 255.255.255.254 | 2 | 2 (nur Punkt-zu-Punkt) |
| /32 | 255.255.255.255 | 1 | 1 (Einzelhost-Route) |
Fällt dir das Muster auf? Jede zusätzliche Netz-Bit halbiert die Subnetzgröße. Und die Maskenwerte im letzten Oktett kommen immer aus derselben kleinen Reihe: 128, 192, 224, 240, 248, 252, 254. Die hat man als Azubi irgendwann auswendig im Kopf, ob man will oder nicht.
Subnetz berechnen in vier Schritten (Zauberzahl-Methode)
Die Binär-Schreibweise ist sauber, aber im Alltag zu langsam. Schneller geht es mit der Zauberzahl – in Fachkreisen „Magic Number“. So gehst du vor:
- Host-Bedarf in eine Präfixlänge umrechnen. Du brauchst Platz für 30 Geräte? Suche die kleinste Potenz, die nach Abzug der zwei reservierten Adressen reicht: 25 − 2 = 30. Fünf Host-Bits bedeuten 32 − 5 = 27 Netz-Bits, also ein
/27. - Zauberzahl bilden. Sie ist 256 minus dem Maskenwert im „interessanten“ Oktett – dem Oktett, in dem die Maske von 255 abweicht. Bei /27 lautet die Maske 255.255.255.224, also: 256 − 224 = 32.
- Subnetzgrenzen abzählen. Die Subnetze beginnen bei Vielfachen der Zauberzahl: 0, 32, 64, 96, 128, 160, 192, 224. Jeder dieser Werte ist eine Netzwerkadresse.
- Hosts und Broadcast ablesen. Pro Subnetz ist die erste Adresse das Netz, die letzte (= nächste Grenze minus 1) der Broadcast, alles dazwischen sind Hosts.
An einem durchgerechneten Beispiel wird es klar. Nimm 192.168.1.0/26. Maske 255.255.255.192, Zauberzahl 256 − 192 = 64. Damit zerfällt das alte /24 in genau vier Subnetze:
| Subnetz | Netzadresse | Erster Host | Letzter Host | Broadcast |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 192.168.1.0 | 192.168.1.1 | 192.168.1.62 | 192.168.1.63 |
| 2 | 192.168.1.64 | 192.168.1.65 | 192.168.1.126 | 192.168.1.127 |
| 3 | 192.168.1.128 | 192.168.1.129 | 192.168.1.190 | 192.168.1.191 |
| 4 | 192.168.1.192 | 192.168.1.193 | 192.168.1.254 | 192.168.1.255 |
Jedes dieser vier Subnetze bietet 62 nutzbare Host-Adressen – gerechnet aus 26 − 2. Mehr Mathematik brauchst du für den Standardfall nicht.
Praxis: zwei typische Szenarien
Kleines Büro: Arbeitsplätze von Servern trennen
Angenommen, ein Buero hat rund 30 Geräte und du willst Arbeitsstationen von Druckern und Servern trennen – aus Ordnung und weil sich so der Zugriff sauberer regeln lässt. Aus dem /24-Netz 192.168.1.0 machst du zwei /25-Subnetze:
- Arbeitsstationen: 192.168.1.0/25 – nutzbar 192.168.1.1 bis 192.168.1.126.
- Server und Drucker: 192.168.1.128/25 – nutzbar 192.168.1.129 bis 192.168.1.254.
126 Hosts pro Seite, klare Grenze in der Mitte. Zwischen den beiden Hälften kann eine Firewall-Regel jetzt gezielt steuern, wer mit wem reden darf.
Mittleres Unternehmen: Abteilungen segmentieren
Größere Häuser nehmen oft den privaten 10er-Bereich, weil er viel Platz lässt. Aus 10.0.0.0/8 schneidest du pro Abteilung ein handliches /24:
- Vertrieb: 10.0.1.0/24 (Hosts 10.0.1.1–10.0.1.254)
- Marketing: 10.0.2.0/24 (Hosts 10.0.2.1–10.0.2.254)
- Entwicklung: 10.0.3.0/24, Verwaltung: 10.0.4.0/24 – nach demselben Schema fortgesetzt.
Der dritte Oktett-Wert nummeriert hier praktischerweise die Abteilung durch. Wer eine fremde Adresse sieht, weiß sofort, wohin sie gehört – das spart bei der Fehlersuche enorm Zeit.
Sonderfall: /30 und /31 für Punkt-zu-Punkt-Strecken
Zwischen zwei Routern fließt nur ein Datenstrom hin und zurück – eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung. Dafür ein /24 zu verschwenden, wäre Unsinn. Klassisch nimmt man ein /30: vier Adressen, davon zwei nutzbar, genau die zwei Router-Enden. Netz- und Broadcast-Adresse bleiben ungenutzt liegen.
Noch sparsamer geht es mit einem /31. Laut RFC 3021 dürfen auf reinen Punkt-zu-Punkt-Strecken beide Adressen eines /31 als Hosts genutzt werden – einen Broadcast braucht es bei nur zwei Teilnehmern ohnehin nicht. Bei tausend Router-Verbindungen spart das 2000 Adressen gegenüber /30. Moderne Cisco-IOS-, Linux- und die meisten aktuellen Netzwerkgeräte beherrschen /31; nur am Endgerät (etwa unter Windows) klemmt die statische /31-Vergabe bis heute, weshalb /30 in gemischten Umgebungen weiter sicher ist.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Beim Schrauben an Netzwerken sind es immer wieder dieselben Patzer, die ein an sich korrektes Subnetting zum Kippen bringen:
- Netz- oder Broadcast-Adresse als Host vergeben. Das erste Gerät bekommt die .1, nicht die .0. Klingt banal, ist aber der häufigste Grund für ein Gerät, das sich partout nicht erreichen lässt.
- Die −2 vergessen. Ein /26 hat 64 Adressen, aber nur 62 nutzbare. Wer mit 64 plant, läuft genau zwei Geräte zu früh an die Wand.
- Falsches Oktett für die Zauberzahl. Bei einer /18- oder /20-Maske weicht das dritte Oktett ab, nicht das vierte. Immer dort rechnen, wo die Maske zwischen 255 und 0 liegt.
- Überlappende Subnetze. Wer Grenzen frei Hand setzt statt an Vielfachen der Zauberzahl, baut sich Adressüberschneidungen ein – das Routing wird unberechenbar.
- Gleiche Maske für alle. Ein Punkt-zu-Punkt-Link braucht kein /24. Mit VLSM (Variable Length Subnet Mask) gibst du jedem Segment genau die Größe, die es braucht, und verschwendest keinen Adressraum.
Ein praktischer Tipp aus der Fehlersuche: Wenn zwei Geräte im selben physischen Netz hängen, sich aber nicht sehen, ist als Erstes die Subnetzmaske verdächtig. Steht bei dem einen ein /24 und beim anderen versehentlich ein /25, rechnen beide das Gegenüber in ein fremdes Netz – und schicken den Verkehr stattdessen zum Gateway, wo er versandet.
Warum Subnetting überhaupt? Das Lern-Element
Drei Gründe tragen das Thema, und sie tauchen so oder so ähnlich in jeder IHK-Prüfung auf:
Adressknappheit. IPv4 kennt nur rund 4,3 Milliarden Adressen, längst aufgebraucht. Subnetting holt aus jedem zugeteilten Block das Maximum heraus, statt Adressen in zu großen Netzen verrotten zu lassen.
Weniger Broadcast-Lärm. Jeder Broadcast erreicht alle Geräte im selben Subnetz. In einem flachen Netz mit hunderten Hosts kostet das spürbar Leistung. Kleinere Subnetze halten die Broadcast-Domänen klein.
Sicherheit durch Segmentierung. Liegt die Buchhaltung in einem eigenen Subnetz, lässt sich der Zugriff darauf gezielt einschränken. Ein kompromittierter Arbeitsplatz erreicht dann nicht automatisch die sensiblen Systeme nebenan.
Und IPv6? Dort entfällt die Adressknappheit – ein einzelnes /64-Subnetz fasst mehr Adressen als das gesamte IPv4-Internet. Die Logik der Segmentierung bleibt aber dieselbe: Man teilt nicht mehr aus Not, sondern aus Ordnung und Sicherheit. Wer Subnetting in IPv4 verstanden hat, ist in IPv6 sofort zu Hause.
Häufige Fragen
Wie viele Hosts hat ein /24-Netz?
Ein /24 (Subnetzmaske 255.255.255.0) umfasst 256 Adressen, davon 254 nutzbare Hosts. Zwei Adressen sind reserviert: die Netzwerkadresse und die Broadcast-Adresse.
Wie berechne ich die Anzahl nutzbarer Hosts?
Mit der Formel 2 hoch (Anzahl der Host-Bits) minus 2. Die minus 2 stehen fuer Netz- und Broadcast-Adresse, die nie an ein Geraet vergeben werden. Beispiel /26: 2^6 – 2 = 62 Hosts.
Was ist die Zauberzahl beim Subnetting?
Die Zauberzahl (Magic Number) ist 256 minus dem Maskenwert im abweichenden Oktett. Sie gibt die Blockgroesse an, also den Abstand der Subnetzgrenzen. Bei /26 (Maske …192) ist sie 256 – 192 = 64.
Was bedeutet die CIDR-Notation wie /26?
Die Zahl nach dem Schraegstrich nennt die Anzahl der Netz-Bits. /26 bedeutet 26 Netz-Bits und 6 Host-Bits, entspricht der Subnetzmaske 255.255.255.192 mit 62 nutzbaren Hosts.
Wann nutzt man ein /30 oder /31?
Beide eignen sich fuer Punkt-zu-Punkt-Strecken zwischen zwei Routern. Ein /30 bietet 2 nutzbare Hosts. Ein /31 nutzt laut RFC 3021 beide Adressen als Hosts und spart so Adressraum, sofern die Geraete es unterstuetzen.




