Kurz gesagt: Versehentlich gelöschte Dateien lassen sich oft kostenlos retten – wenn du das Laufwerk ab sofort möglichst wenig benutzt. Prüfe zuerst den Papierkorb. Ist die Datei dort nicht, scanne das Laufwerk mit Recuva (einfache Oberfläche), dem Open-Source-Werkzeug PhotoRec oder dem offiziellen Windows File Recovery von Microsoft. Speichere die geretteten Dateien immer auf ein anderes Laufwerk.
Wann ist eine Wiederherstellung überhaupt möglich?
Beim Löschen verschwindet die Datei nicht sofort vom Datenträger. Das Dateisystem markiert ihren Speicherplatz nur als „frei“ – die eigentlichen Daten bleiben so lange erhalten, bis etwas Neues darüber geschrieben wird. Genau hier entscheidet sich, ob die Rettung klappt.
- HDD (klassische Festplatte): Gute Chancen, solange du das Laufwerk nicht weiter beschreibst. Je früher du scannst, desto besser.
- SSD mit aktivem TRIM: Schlecht. TRIM ist eine SSD-Funktion, die freigegebene Speicherzellen im Hintergrund sofort leert, damit neue Daten schneller geschrieben werden können. Sind die Zellen einmal getrimmt, sind die Daten in der Regel endgültig weg.
- USB-Stick / SD-Karte: Meist gute Chancen, da hier üblicherweise kein TRIM läuft.
Die wichtigste Regel zuerst: Sobald du den Verlust bemerkst, beende jede Aktivität auf dem betroffenen Laufwerk. Keine Programme installieren, nichts speichern, nichts herunterladen. Liegt die Datei auf deinem System-Laufwerk C:, schalte den Rechner im Zweifel aus und arbeite von einem zweiten PC oder einem USB-Stick aus – jede geschriebene Datei kann die gesuchten Daten unwiederbringlich überschreiben.
Schritt 1: Papierkorb und Cloud prüfen
Der schnellste Fall: Beim normalen Löschen über den Explorer landet die Datei erst im Papierkorb. Öffne ihn, suche die Datei, klicke mit der rechten Maustaste darauf und wähle Wiederherstellen – sie kehrt an ihren ursprünglichen Ort zurück. Mit Umschalt+Entf gelöschte Dateien umgehen den Papierkorb allerdings.
Lag die Datei in einem Cloud-Ordner (OneDrive, Google Drive, Dropbox), schau zusätzlich in dessen Online-Papierkorb. Dort liegen gelöschte Dateien oft noch 30 Tage und lassen sich mit einem Klick zurückholen.
Schritt 2: Mit Recuva scannen (einsteigerfreundlich)
Recuva ist das bekannteste Gratis-Programm für Windows und führt dich per Assistent durch die Wiederherstellung. Es findet gelöschte Fotos, Videos, Dokumente und mehr auf Festplatten, USB-Sticks und Speicherkarten.
- Lade Recuva von der Hersteller-Seite und installiere es auf einem anderen Laufwerk als dem, von dem du retten willst.
- Starte den Assistenten und wähle den Dateityp (z. B. Bilder) oder „Alle Dateien“.
- Gib als Ort das betroffene Laufwerk an.
- Aktiviere bei Bedarf den Tiefen-Scan – er dauert länger, findet aber mehr.
- Markiere die gefundenen Dateien und klicke auf Wiederherstellen. Wähle als Ziel ein anderes Laufwerk.
Eine grüne Markierung neben einem Treffer steht für gute Erfolgsaussichten, rot für überschriebene und damit kaum rettbare Dateien.
Schritt 3: PhotoRec für den Tiefen-Scan (Open Source)
Findet Recuva nichts, ist PhotoRec der nächste Schritt. Das kostenlose Open-Source-Werkzeug (Teil von TestDisk) arbeitet nicht über das Dateisystem, sondern erkennt Dateien direkt an ihrer internen Struktur – dadurch rettet es über 180 Dateitypen, auch von formatierten oder beschädigten Laufwerken. Verfügbar für Windows, macOS und Linux.
- Lade das TestDisk/PhotoRec-Paket herunter und entpacke es auf ein anderes Laufwerk.
- Starte
photorec_win.exeals Administrator. Die Bedienung läuft über ein einfaches Textmenü, das du mit den Pfeiltasten und Enter steuerst. - Wähle das betroffene Laufwerk aus.
- Lege als Zielordner einen Ordner auf einem anderen Datenträger fest und starte den Scan.
Der Nachteil des Verfahrens: PhotoRec stellt die Dateiinhalte wieder her, kann aber meist die ursprünglichen Dateinamen nicht rekonstruieren. Du bekommst also gerettete Dateien mit generischen Namen, die du anschließend sichten und umbenennen musst.
Schritt 4: Windows File Recovery (offiziell von Microsoft)
Microsoft bietet ein eigenes kostenloses Tool namens Windows File Recovery (Kommando winfr) im Microsoft Store an. Es läuft unter Windows 10 ab Version 2004 sowie Windows 11 und unterstützt Festplatten, SSDs, USB-Sticks und SD-Karten. Bedient wird es über die Kommandozeile.
Die Grundsyntax lautet:
winfr Quell-Laufwerk: Ziel-Laufwerk: /Modus /Schalter
Quell- und Ziellaufwerk dürfen dabei nicht identisch sein – sonst überschreibst du die gesuchten Daten. Ein Beispiel: Um JPG-Dateien von Laufwerk C: nach D: zu retten, öffnest du die Eingabeaufforderung als Administrator und gibst ein:
winfr C: D: /regular /n *.jpg
Der Modus /regular passt für NTFS-Laufwerke. Bei formatierten Laufwerken oder USB-Sticks mit FAT/exFAT nutzt du stattdessen /extensive.
Wenn das nicht hilft
- Datei lag auf einer SSD: Wenn TRIM aktiv war, ist eine Software-Rettung meist aussichtslos. Eine reelle Chance besteht nur, falls die SSD unmittelbar nach dem Löschen vom Strom getrennt wurde, bevor TRIM lief.
- Laufwerk wird gar nicht mehr erkannt oder macht Geräusche: Dann liegt vermutlich ein Hardware-Defekt vor. Schalte es ab und versuche keine Software-Rettung – das verschlechtert die Lage nur. Hier hilft ein professionelles Datenrettungslabor.
- Treffer sind beschädigt: Probiere ein zweites Tool. Recuva, PhotoRec und winfr nutzen unterschiedliche Verfahren und finden teils unterschiedliche Dateien.
- Wichtige Daten, ein Versuch: Erstelle vor dem Rettungsversuch ein Sektor-für-Sektor-Abbild (Image) des Laufwerks und arbeite nur mit der Kopie. So bleibt das Original unangetastet.
Hintergrund: Warum sind gelöschte Dateien noch da?
Ein Dateisystem verwaltet zwei Dinge getrennt: die eigentlichen Daten in den Speicherblöcken und ein Verzeichnis, das beschreibt, wo welche Datei liegt. Beim Löschen ändert das System nur den Verzeichniseintrag – der Platz gilt jetzt als frei und überschreibbar. Die Datenblöcke selbst bleiben unberührt, bis das System sie für etwas Neues nutzt. Genau dieses Zeitfenster nutzen Rettungsprogramme.
Bei SSDs ist das anders gelöst. Eine SSD kann nur in leere Zellen schreiben, deshalb gibt der TRIM-Befehl gelöschte Bereiche schon im Hintergrund frei und leert sie – damit die SSD beim nächsten Schreiben nicht erst aufräumen muss. Was die SSD schnell hält, macht die Datenrettung in den meisten Fällen unmöglich. Die beste Versicherung gegen Datenverlust bleibt deshalb ein regelmäßiges Backup auf einem zweiten Datenträger.
Häufige Fragen
Kann ich gelöschte Dateien wirklich kostenlos wiederherstellen?
Ja. Recuva, das Open-Source-Tool PhotoRec und das offizielle Microsoft-Werkzeug Windows File Recovery sind komplett kostenlos und stellen gelöschte Dateien zuverlässig wieder her, solange der Speicherplatz noch nicht überschrieben wurde.
Was ist der wichtigste erste Schritt nach dem versehentlichen Löschen?
Das betroffene Laufwerk sofort möglichst wenig benutzen: nichts speichern, nichts installieren. Jede neue Datei kann die gelöschten Daten überschreiben. Bei Daten auf dem System-Laufwerk C: am besten von einem zweiten PC oder USB-Stick aus arbeiten.
Warum lassen sich von einer SSD gelöschte Dateien oft nicht retten?
SSDs nutzen den TRIM-Befehl, der freigegebene Speicherzellen im Hintergrund sofort leert. Sind die Zellen getrimmt, sind die Daten in der Regel endgültig weg. Eine Chance besteht nur, wenn die SSD unmittelbar nach dem Löschen vom Strom getrennt wurde.
Sollte ich die geretteten Dateien auf demselben Laufwerk speichern?
Nein. Speichere wiederhergestellte Dateien immer auf einem anderen Laufwerk. Schreibst du sie auf dasselbe Medium zurück, überschreibst du womöglich weitere noch rettbare Dateien.
Welches Tool soll ich zuerst ausprobieren?
Für Einsteiger ist Recuva mit seinem Assistenten am einfachsten. Findet es nichts, liefert PhotoRec mit seinem Tiefen-Scan oft noch Treffer, kann aber die Dateinamen meist nicht wiederherstellen.




