Linux installieren für Anfänger: Schritt-für-Schritt-Anleitung 2026

Laptop mit installiertem Linux-Desktop und eingestecktem USB-Stick auf einem Schreibtisch

Für die erste eigene Linux-Installation brauchst du genau drei Dinge: eine passende Distribution, einen USB-Stick mit mindestens 8 GB und etwa eine Stunde Zeit. Anfängern empfehle ich Linux Mint 22 oder Ubuntu 24.04 LTS – beide laufen stabil, erkennen die meiste Hardware automatisch und sehen vertraut aus. Du lädst das ISO-Abbild herunter, schreibst es mit einem Tool wie Rufus auf den Stick, bootest davon und folgst dem grafischen Installationsassistenten. Der eigentliche Installationsschritt dauert keine 15 Minuten.

Anzeige

Welche Linux-Distribution passt zu Einsteigern?

Eine Distribution (kurz „Distro“) ist ein fertiges Linux-Paket aus Kernel, Desktop-Oberfläche und vorinstallierter Software. Es gibt Hunderte davon, aber für den Start sind eigentlich nur zwei relevant.

Linux Mint 22 (Codename „Wilma“, in der Punktversion 22.3 „Zena“) baut auf Ubuntu 24.04 auf und liefert die Cinnamon-Oberfläche – die fühlt sich an wie ein aufgeräumtes Windows mit Startmenü unten links. Wer von Windows kommt, findet sich hier am schnellsten zurecht. Mint läuft auch auf älteren Rechnern flüssig und bringt Codecs für Videos und MP3s gleich mit.

Ubuntu 24.04 LTS („Noble Numbat“) ist die bekannteste Distribution überhaupt. LTS steht für „Long Term Support“, also Sicherheitsupdates bis 2029. Die GNOME-Oberfläche wirkt moderner und etwas mac-ähnlich. Der Vorteil: Zu fast jedem Problem findest du eine deutschsprachige Anleitung, weil so viele Leute Ubuntu nutzen.

Mein Tipp aus der Praxis – wenn ein Bekannter mich fragt, womit er anfangen soll, sage ich fast immer Mint. Die Umstellung von Windows fällt damit am wenigsten auf, und das entscheidet oft, ob jemand bei Linux bleibt oder nach zwei Tagen entnervt zurückwechselt. elementary OS ist die dritte solide Option, wenn dir Optik besonders wichtig ist.

DistributionOberflächeGut fürSupport bis
Linux Mint 22CinnamonWindows-Umsteiger, ältere Hardware2029
Ubuntu 24.04 LTSGNOMEgrößte Community, viele Anleitungen2029
elementary OS 8Pantheonschlichte, mac-ähnliche Optiklaufend

Anzeige

cshow

Vorbereitung: Backup, ISO und USB-Stick

Bevor du irgendetwas installierst, sichere deine Daten. Eine Installation läuft meistens glatt, aber wenn du die falsche Festplatte auswählst, sind Fotos und Dokumente weg – und zwar endgültig. Kopiere alles Wichtige vorher auf eine externe Festplatte oder in die Cloud. Diesen einen Schritt überspringt fast jeder Anfänger – und hier geht regelmäßig etwas schief.

Anzeige

1. Systemvoraussetzungen prüfen

Mint und Ubuntu laufen schon ab 4 GB RAM, flüssig wird es ab 8 GB. Du brauchst rund 25 GB freien Festplattenplatz und einen 64-Bit-Prozessor – das hat praktisch jeder Rechner der letzten zehn Jahre.

2. ISO-Abbild herunterladen

Lade das Installations-Image (eine ISO-Datei, also ein komplettes Abbild der Installations-DVD) nur von der offiziellen Seite: linuxmint.com beziehungsweise ubuntu.com. Die Datei ist rund 3 GB groß.

3. Bootfähigen USB-Stick erstellen

Damit der Rechner vom Stick starten kann, muss die ISO mit einem speziellen Tool draufgeschrieben werden – einfaches Kopieren reicht nicht.

  • Rufus (nur Windows, kostenlos): Stick einstecken, ISO auswählen, auf „Start“ klicken, fertig.
  • balenaEtcher (Windows, Mac, Linux): besonders einfach, drei Klicks.
  • Ventoy: einmal auf den Stick installiert, kopierst du danach beliebig viele ISO-Dateien einfach drauf – praktisch, wenn du mehrere Distributionen ausprobieren willst.

Achtung: Der Stick wird dabei komplett gelöscht. Nimm also keinen, auf dem noch wichtige Daten liegen.

Linux installieren – Schritt für Schritt

Jetzt geht es los. Der Ablauf ist bei Mint und Ubuntu nahezu identisch.

  1. Vom USB-Stick booten: Stick einstecken, Rechner neu starten und beim Start die Boot-Taste drücken. Das ist je nach Hersteller F2, F10, F12, Entf oder Esc – oft steht es kurz im Startbildschirm. Wähle den USB-Stick als Startlaufwerk.
  2. Live-System testen: Du landest in einer lauffähigen Linux-Umgebung, ohne dass etwas installiert wurde. Probier hier ruhig aus, ob WLAN, Sound und Touchpad funktionieren. Klappt das, klick auf das Symbol „Installieren“ auf dem Desktop.
  3. Sprache und Tastatur: Deutsch auswählen, Tastaturlayout auf „Deutsch“ stellen – sonst sind Y und Z vertauscht.
  4. WLAN verbinden und Updates: Mit dem Netzwerk verbinden und das Häkchen für Multimedia-Codecs setzen, dann spielen Videos und Musik später ohne Nacharbeit.
  5. Installationsart wählen: Soll Linux die ganze Platte nutzen, wähle „Festplatte löschen und Linux installieren“. Willst du Windows behalten, nimm „Parallel installieren“ (Dual-Boot) – dann fragt der Rechner bei jedem Start, welches System du möchtest.
  6. Zeitzone und Benutzerkonto: Zeitzone bestätigen, Namen, Benutzernamen und ein Passwort vergeben. Dieses Passwort brauchst du später für jede Systemanänderung – merk es dir gut.
  7. Installieren und neu starten: Jetzt kopiert das System die Dateien (rund 10–15 Minuten). Danach den Stick abziehen und neu starten.

Die ersten Schritte nach der Installation

Glückwunsch, Linux läuft. Drei Dinge solltest du gleich erledigen.

Anzeige

Updates einspielen: Öffne die Aktualisierungsverwaltung (bei Mint das Schild-Symbol unten rechts) und installiere alle angebotenen Updates. Alternativ über das Terminal mit sudo apt update && sudo apt upgrade. sudo bedeutet „mit Administratorrechten“ – deshalb wird hier dein Passwort abgefragt.

Software installieren: Statt Programme aus dem Netz herunterzuladen, nutzt du unter Linux die „Anwendungsverwaltung“ – eine Art App-Store. Firefox, LibreOffice und ein Mediaplayer sind meist schon dabei. Gimp, VLC oder Thunderbird holst du mit zwei Klicks dazu.

Grundbefehle fürs Terminal: Du musst das Terminal nicht nutzen, aber ein paar Befehle sparen Zeit. ls zeigt den Inhalt eines Ordners, cd Ordnername wechselt hinein, cp kopiert und mkdir legt einen neuen Ordner an.

Wenn etwas nicht klappt

Die häufigsten Stolpersteine und ihre Lösung:

Der Rechner bootet nicht vom Stick. Meistens liegt es an „Secure Boot“ im UEFI – einer Schutzfunktion, die nur signierte Systeme startet. Mint und Ubuntu kommen damit normalerweise klar; falls nicht, schalte Secure Boot im UEFI-Menü (gleiche Tasten wie beim Booten) testweise aus.

Kein WLAN nach der Installation. Manche Funkchips brauchen einen zusätzlichen Treiber. Verbinde den Rechner per LAN-Kabel und installiere die fehlenden Treiber über den „Treiberverwalter“ – danach geht meist auch das WLAN.

Anzeige

Windows ist nach Dual-Boot verschwunden. Es ist nicht weg, nur das Startmenü zeigt es nicht. Ein Update der Bootverwaltung mit sudo update-grub bringt den Windows-Eintrag in der Regel zurück.

Warum überhaupt Linux?

Linux ist kostenlos, quelloffen und kommt ohne Zwangskonto, Werbung oder Telemetrie aus. Es gilt als sicher, weil System- und Benutzerbereich sauber getrennt sind – Schadsoftware hat es schwerer, sich einzunisten. Dazu kommt: Auch ein zehn Jahre alter Laptop, der unter Windows 11 kapituliert, läuft mit einem schlanken Linux Mint oft wieder flüssig. Für Azubis und alle, die IT verstehen wollen, ist Linux ohnehin Pflichtstoff – Server, Cloud und Embedded-Geräte laufen überwiegend damit.

Häufige Fragen

Welche Linux-Distribution ist die beste für Anfänger?

Für Einsteiger eignen sich Linux Mint 22 und Ubuntu 24.04 LTS am besten. Mint sieht Windows ähnlich und ist die einfachste Wahl, Ubuntu hat die größte Community mit vielen Anleitungen.

Wie lange dauert die Installation von Linux?

Der eigentliche Installationsvorgang dauert rund 10 bis 15 Minuten. Rechne mit Vorbereitung (ISO laden, USB-Stick erstellen, Backup) insgesamt etwa eine Stunde.

Kann ich Linux und Windows gleichzeitig nutzen?

Ja. Beim sogenannten Dual-Boot installierst du Linux parallel zu Windows und wählst bei jedem Rechnerstart, welches System du nutzen möchtest. Wähle dazu bei der Installation ‚Parallel installieren‘.

Brauche ich für Linux das Terminal?

Nein. Mint und Ubuntu lassen sich komplett über die grafische Oberfläche bedienen, inklusive Software-Installation und Updates. Das Terminal ist optional und beschleunigt nur manche Aufgaben.

Gehen meine Daten bei der Linux-Installation verloren?

Wenn du ‚Festplatte löschen‘ wählst, ja – deshalb vorher unbedingt ein Backup machen. Mit der Option ‚Parallel installieren‘ bleibt Windows samt Daten erhalten.

Anzeige
Marcel Meyer

# wer schreibt hier

Marcel Meyer schraubt seit über zehn Jahren an Rechnern, Netzwerken und Servern — beruflich wie privat. Hier übersetzt er IT-Grundlagen in verständliche Schritte.

→ Mehr über mich

Anzeige



Anzeige