WHEA Uncorrectable Error beheben: 0x124 sicher eingrenzen

Hände ziehen einen RAM-Riegel aus einem geöffneten Desktop-PC, um den Hardware-Bluescreen 0x124 einzugrenzen

Zwei verschiedene Dinge tragen den Namen WHEA: der Bluescreen WHEA_UNCORRECTABLE_ERROR mit dem Stopcode 0x124 und die Meldungen der Quelle „WHEA-Logger“ in der Ereignisanzeige. Kritische Einträge („A fatal hardware error has occurred“) gehören zum Absturz, gelbe Warnungen dokumentieren dagegen nur korrigierte Fehler. Wer den WHEA Uncorrectable Error beheben will, arbeitet vier Punkte ab: Übertaktung samt XMP/EXPO im BIOS zurücksetzen, Temperaturen kontrollieren, aktuelles BIOS mit neuem Microcode einspielen, Arbeitsspeicher testen.

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Ist es wirklich 0x124? Fehlerbild und Abgrenzung

WHEA steht für „Windows Hardware Error Architecture“ – den Teil von Windows, der Hardwarekomponenten laufend auf Fehler überwacht. Meldet die Hardware einen Fehler, den sie nicht selbst korrigieren kann, hält Windows sofort an, statt mit möglicherweise falschen Daten weiterzurechnen. Das Ergebnis ist der Bluescreen mit dem Text WHEA_UNCORRECTABLE_ERROR und dem Stopcode 0x00000124.

Typische Merkmale, an denen du diesen Fehler festmachst:

  • Der Absturz kommt unter Last (Spiel, Rendern, Benchmark, Kompilieren) oder kurz nach dem Hochfahren, wenn die Taktraten hochschießen.
  • Der Bluescreen nennt selten eine konkrete .sys-Datei – das unterscheidet ihn von klassischen Treiber-Bluescreens wie IRQL_NOT_LESS_OR_EQUAL.
  • Im Zuverlässigkeitsverlauf (Windows-Taste drücken, „Zuverlässigkeitsverlauf anzeigen“ eintippen) taucht der Absturz als Hardwarefehler auf, nicht als Anwendungsfehler.
  • Im Ordner C:\Windows\Minidump liegt eine Speicherabbild-Datei mit dem Zeitstempel des Absturzes.

Bleibt der Rechner dagegen stabil und du hast nur gelbe WHEA-Warnungen im Protokoll gefunden, hast du kein 0x124-Problem, sondern eine Vorwarnung. Wie du beides auseinanderhältst, steht im nächsten Abschnitt.

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WHEA-Logger lesen: „fatal hardware error“ oder nur korrigiert?

Die Ereignisanzeige ist bei diesem Fehler das wichtigste Werkzeug, weil sie die betroffene Komponente beim Namen nennt. Öffne sie per Rechtsklick auf das Startmenü > Ereignisanzeige, gehe zu Windows-Protokolle > System und klicke rechts auf Aktuelles Protokoll filtern. Unter Ereignisquellen wählst du WHEA-Logger aus.

Schneller geht es über PowerShell (als Administrator starten):

Get-WinEvent -FilterHashtable @{LogName='System'; ProviderName='Microsoft-Windows-WHEA-Logger'} -MaxEvents 20 | Format-List TimeCreated, Id, LevelDisplayName, Message

Entscheidend ist die Stufe des Eintrags, nicht die schiere Menge:

Ereignis-IDBedeutungAbsturz?
17Korrigierter Hardwarefehler, häufig gemeldet von einem PCI-Express-Root-Portnein
18„A fatal hardware error has occurred“ – Machine-Check-Ausnahme, der klassische Begleiter von 0x124ja
19Korrigierter Hardwarefehler, meist vom Prozessorkern oder der Cache-Hierarchienein
46Nicht korrigierbarer Fehler, typischerweise vom Arbeitsspeicherja
47Korrigierter Speicherfehler – die Fehlerkorrektur hat gegriffennein

Merkregel: Einträge der Stufe Warnung beschreiben Fehler, die Hardware oder Firmware bereits ausgebügelt haben – deshalb läuft der PC weiter. Einträge der Stufe Kritisch oder Fehler mit dem Text „fatal hardware error“ sind die, die zum Bluescreen passen. Wichtig ist trotzdem beides: Häufen sich korrigierte Fehler derselben Komponente über Tage, ist das oft die Vorstufe zum harten Absturz.

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Jeder Eintrag enthält zwei Zeilen, die die Suche stark abkürzen: Reported by component (etwa „Processor Core“, „Memory“ oder „PCI Express Root Port“) und Error Source („Machine Check Exception“, „Corrected Machine Check“, „PCI Express“). Notiere dir beides, bevor du anfängst zu schrauben.

Parameter 1: was der Bluescreen selbst verrät

Zeigt der Bluescreen die vier Parameter an oder liest du sie später aus dem Minidump aus, grenzt schon der erste Wert die Fehlerquelle ein. Microsoft dokumentiert die Bedeutung in der Referenz zum Bug Check 0x124:

Parameter 1FehlerquelleVerdächtige
0x0Machine-Check-Ausnahme des ProzessorsCPU, RAM, Mainboard, Spannungsversorgung
0x1 / 0x2Korrigierte Machine-Check- bzw. Plattform-Ausnahmemeist Firmware- oder Sensorik-Thema
0x3Nicht maskierbarer Interrupt (NMI)Mainboard, Watchdog, Zusatzkarten
0x4Nicht korrigierbarer PCI-Express-FehlerGrafikkarte, M.2-SSD, Steckplatz, Riser
0x5Allgemeiner Hardwarefehleralles Übrige – hier hilft nur das Protokoll

Das ist keine fertige Diagnose, aber eine Richtung: 0x0 zeigt Richtung CPU und Speicher, 0x4 Richtung Steckkarten und M.2-Laufwerke. Wer den Wert nicht mehr auf dem Bildschirm hatte, findet ihn im Minidump – ein kostenloser Dump-Betrachter oder das Windows-Debugging-Tool WinDbg zeigt ihn in der ersten Zeile der Analyse an.

WHEA Uncorrectable Error beheben – Schritt für Schritt

Arbeite die Punkte in dieser Reihenfolge ab. Sie sind so sortiert, dass die häufigsten und ungefährlichsten Ursachen zuerst drankommen.

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  1. Übertaktung und XMP/EXPO zurücksetzen. Starte ins BIOS/UEFI (meist mit Entf oder F2 beim Booten) und lade die Standardwerte („Load Optimized Defaults“). Deaktiviere manuelle CPU-, GPU- und RAM-Übertaktung und vorerst auch das Speicherprofil XMP (Intel) beziehungsweise EXPO (AMD). Ein instabiles Speicherprofil ist die mit Abstand häufigste Ursache für 0x124 – auch dann, wenn der Rechner monatelang lief. Bleibt das System danach stabil, hast du den Verursacher.
  2. Temperaturen und Kühlung prüfen. Alle Lüfter müssen laufen, der CPU-Kühler muss fest sitzen. Staub im Kühlkörper und ausgetrocknete Wärmeleitpaste treiben die Temperatur so weit hoch, dass die CPU einen nicht korrigierbaren Fehler meldet. Unter Volllast sollten CPU und GPU nicht dauerhaft am oberen Limit von 90 bis 100 °C kleben.
  3. Ereignisanzeige auswerten. Filtere wie oben beschrieben nach der Quelle WHEA-Logger und lies aus, welche Komponente meldet. „Processor Core“ verschiebt den Fokus auf CPU, Spannung und BIOS, „Memory“ auf die RAM-Riegel, „PCI Express Root Port“ auf Grafikkarte oder M.2-SSD.
  4. BIOS/UEFI und Chipsatztreiber aktualisieren. Veralteter Microcode ist eine sehr häufige Ursache. Notiere Mainboard-Modell und installierte BIOS-Version (steht im BIOS selbst oder unter Systeminformationen), lade die neueste stabile Version direkt beim Mainboard-Hersteller und installiere danach den passenden Chipsatztreiber. Vorher sichern: Ein BIOS-Update darf nicht durch Stromausfall unterbrochen werden – nur an stabiler Stromversorgung flashen, am Notebook mit Netzteil und geladenem Akku, und wichtige Daten vorab sichern.
  5. Grafiktreiber sauber neu installieren. Auch fehlerhafte GPU-Treiber lösen 0x124 aus, besonders zusammen mit werkseitigem Grafikkarten-Overclocking. Deinstalliere den vorhandenen Treiber und installiere die aktuelle Version direkt von NVIDIA, AMD oder Intel. Ein per Tool angehobener GPU-Takt gehört für den Test ebenfalls auf Standard.
  6. Arbeitsspeicher testen. Die Windows-Speicherdiagnose (im Startmenü danach suchen) liefert einen ersten Anhaltspunkt, ist aber grob. Belastbar wird es mit MemTest86 von einem USB-Stick, das vor Windows startet; als Faustregel gelten vier vollständige Durchläufe, je nach RAM-Menge also mehrere Stunden. Meldet der Test Fehler, testest du jeden Riegel einzeln und in verschiedenen Steckplätzen, um defekten Riegel und defekten Slot auseinanderzuhalten.
  7. Systemdateien prüfen. Unwahrscheinlich, aber schnell erledigt: Eingabeaufforderung als Administrator öffnen und nacheinander sfc /scannow sowie DISM /Online /Cleanup-Image /RestoreHealth ausführen. Das repariert beschädigte Windows-Dateien, die in seltenen Fällen mit reinspielen.

Wenn das nicht hilft: seltenere Ursachen eingrenzen

Bleibt der Bluescreen, geht es ans Isolieren einzelner Komponenten. Wer den WHEA Uncorrectable Error beheben will, ohne auf Verdacht Teile zu tauschen, arbeitet ab hier nach Ausschluss. Sichere vorher wichtige Daten auf ein externes Laufwerk – ein System, das nicht korrigierbare Hardwarefehler meldet, kann jederzeit mitten im Schreibvorgang abstürzen.

  • Netzteil und Spannungsversorgung. Ein zu schwaches oder gealtertes Netzteil liefert unter Last unsaubere Spannung, worauf CPU oder GPU mit einem WHEA-Fehler reagieren. Verdächtig ist das Muster „stürzt nur bei Volllast oder bei Lastspitzen im Spiel ab, im Leerlauf nie“.
  • Undervolting und Curve Optimizer. Zu knapp eingestellte Spannungen sind das Spiegelbild der Übertaktung: Der Rechner läuft unter Last stabil und fällt ausgerechnet im Leerlauf oder bei niedriger Last um. Alle Spannungsoffsets zurück auf Standard, dann erneut testen.
  • Komponenten einzeln testen. Bei zwei RAM-Riegeln einen ausbauen und mit dem anderen weiterarbeiten, danach tauschen. Gibt es eine Onboard-Grafik, nimm die Grafikkarte testweise heraus. So schrumpft der Kreis der Verdächtigen mit jedem Durchgang.
  • PCIe-Peripherie bei Parameter 0x4. Sitzt die Grafikkarte richtig im Slot, ist die M.2-SSD festgeschraubt, steckt eine Riser-Karte dazwischen? Prüfe zusätzlich die SSD-Firmware beim Hersteller – eine veraltete NVMe-Firmware kann als PCI-Express-Fehler durchschlagen.
  • Kontakte und Sitz. RAM-Riegel und Steckkarten einmal herausnehmen und sauber neu einsetzen, PC vorher vom Strom trennen. Oxidierte oder halb sitzende Kontakte erzeugen genau die sporadischen Fehler, die sonst niemand reproduziert.

Sonderfall Intel 13./14. Generation und AMD-Speicherprofile

Bei Intel-Prozessoren der 13. und 14. Generation (Raptor Lake) gehört das BIOS-Update aus Schritt 4 nicht zur Kür, sondern zur Pflicht. Intel hat die als „Vmin Shift Instability“ dokumentierte Instabilität in mehreren Stufen per Microcode adressiert: 0x129 im Sommer 2024, 0x12B im September 2024 und 0x12F im Mai 2025, das zusätzlich Abstürze bei tagelangem Betrieb unter geringer Last abdeckt. Wichtig ist beides – das aktuelle BIOS des Mainboard-Herstellers und das Profil „Intel Default Settings“, das viele Boards ab Werk zugunsten höherer Leistungslimits umgehen.

Wenn ein betroffener Prozessor trotz aktuellem Microcode weiter WHEA-Fehler wirft, ist die Garantie einen Blick wert: Intel hat die Gewährleistung für betroffene Desktop-CPUs dieser Generationen um zwei auf insgesamt fünf Jahre verlängert. Boxed-Käufer wenden sich an den Intel-Kundendienst, bei Komplett-PCs läuft der Fall über den Systemhersteller.

Auf AMD-Seite ist der häufigste Auslöser kein Serienfehler, sondern das Speicherprofil: EXPO-Profile fahren Speichercontroller und Spannungen ans Limit, und ältere AGESA-Firmwarestände regeln das schlechter als aktuelle. Auch hier gilt die Reihenfolge EXPO aus, BIOS aktualisieren, EXPO wieder ein – und wenn der Fehler damit zurückkommt, läuft der Speicher dauerhaft eine Stufe langsamer statt instabil.

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Warum passiert der Fehler überhaupt?

Moderne Prozessoren besitzen eine eigene Fehlerprüfung, die Machine-Check-Architecture-Banks. Sie erkennen Bit-Fehler in Rechenwerken, Caches und auf den Verbindungen zu Speicher und PCIe-Geräten. Kleine, korrigierbare Fehler bügelt die Hardware still aus – das sind die Warnungen mit den Ereignis-IDs 17, 19 und 47. Ist ein Fehler dagegen uncorrectable, also nicht mehr reparierbar, reicht die CPU ihn über die WHEA-Schnittstelle an Windows weiter.

Windows steht dann vor der Wahl, mit potenziell falschen Daten weiterzurechnen oder anzuhalten. Es entscheidet sich für den harten Stopp, weil ein nicht korrigierbarer Hardwarefehler auf Dateiebene deutlich mehr Schaden anrichten kann als ein Bluescreen. Der 0x124 ist also kein Software-Bug, den man wegklickt, sondern die Meldung, dass eine physische Komponente instabil arbeitet. Deshalb führen die Lösungswege fast immer über Takt, Spannung, Temperatur, Firmware – oder am Ende über den Tausch des defekten Bauteils.

Häufige Fragen

Was bedeutet „WHEA-Logger: A fatal hardware error has occurred“?

Der Eintrag (meist Ereignis-ID 18) meldet einen Hardwarefehler, den das System nicht korrigieren konnte – genau den, der zum Bluescreen 0x124 führt. Die Zeile „Reported by component“ nennt die betroffene Komponente.

Sind gelbe WHEA-Logger-Warnungen ohne Absturz gefährlich?

Nicht sofort. Ereignis-IDs wie 17, 19 oder 47 stehen für korrigierte Fehler, die Hardware oder Firmware abgefangen hat. Häufen sie sich bei derselben Komponente, ist das aber eine Vorwarnung – dann BIOS aktualisieren und den RAM testen.

Ist 0x124 ein Hardware- oder ein Software-Problem?

Fast immer Hardware oder deren Einstellung: instabile Übertaktung, XMP/EXPO, Temperatur, alter Microcode, defekter RAM. Treiber und beschädigte Systemdateien kommen vor, sind aber die Ausnahme.

Wo sehe ich, welche Komponente den WHEA-Fehler auslöst?

In der Ereignisanzeige unter Windows-Protokolle > System, gefiltert nach der Quelle WHEA-Logger. Die Zeilen „Reported by component“ und „Error Source“ zeigen Prozessorkern, Speicher oder PCI-Express-Port.

Hilft ein BIOS-Update wirklich gegen 0x124?

Häufig ja. Bei Intel der 13./14. Generation bringt es den Microcode gegen die Vmin-Shift-Instabilität (zuletzt 0x12F), bei AMD einen neueren AGESA-Stand für EXPO-Speicher. Beim Flashen darf der Strom nicht ausfallen.

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Marcel Meyer

# wer schreibt hier

Marcel Meyer schraubt seit über zehn Jahren an Rechnern, Netzwerken und Servern — beruflich wie privat. Hier übersetzt er IT-Grundlagen in verständliche Schritte.

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