Linux-Backup mit Timeshift und rsync: System und Daten getrennt sichern

Externe SSD per USB-C-Kabel an einem Laptop auf einem Holzschreibtisch — Sinnbild für ein Linux-Backup mit Timeshift und rsync auf ein separates Laufwerk

Ein Linux-Backup mit Timeshift sichert ausschließlich das System: installierte Programme, Systemdateien und Einstellungen. Dein Home-Verzeichnis lässt Timeshift bewusst außen vor. Für eine lückenlose Sicherung brauchst du deshalb zwei Werkzeuge — Timeshift im RSYNC-Modus für die System-Snapshots und rsync für Dokumente, Fotos und Konfigurationen. So drehst du ein misslungenes Update zurück, ohne die Arbeit von gestern zu verlieren.

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Linux-Backup mit Timeshift: Was im Snapshot landet — und was nicht

Timeshift ist kein Datensicherungs-Programm im klassischen Sinn, sondern ein Wiederherstellungs-Werkzeug für das Betriebssystem — die Linux-Antwort auf die Systemwiederherstellung unter Windows. In der offiziellen Projektbeschreibung steht das unmissverständlich: Das Programm schützt nur Systemdateien und Einstellungen, Benutzerdateien wie Dokumente, Bilder und Musik sind ausgeschlossen. Der komplette Inhalt der Home-Verzeichnisse bleibt standardmäßig außen vor.

Praktisch bedeutet das zwei sehr unterschiedliche Notfälle. Hängt dein System nach einem Kernel- oder Grafiktreiber-Update im schwarzen Bildschirm, holt dich ein Snapshot in wenigen Minuten auf den Stand von gestern zurück. Hast du dagegen den Ordner mit den Urlaubsfotos gelöscht, hilft dir Timeshift kein Stück — die Dateien lagen im Home-Verzeichnis und waren nie Teil des Snapshots. Für diesen Fall ist rsync zuständig.

Timeshift kennt zwei Betriebsarten, und die Wahl hängt allein an deinem Dateisystem:

KriteriumRSYNC-ModusBTRFS-Modus
Dateisystemalle (ext4, XFS, …)nur Btrfs mit den Subvolumes @ und @home
Technikrsync plus Hardlinks, unveränderte Dateien belegen nur einmal Platznative Btrfs-Snapshots, byte-genaue Kopie des Systems
Tempoerster Lauf mehrere Minuten, danach nur ÄnderungenSekunden, sehr wenig Overhead
Snapshot durchsuchbarja, im Dateimanager wie ein normaler Ordnerja, als Subvolume
Ziellaufwerkbeliebige Partition, auch externnur dieselbe Btrfs-Partition

Wer ein Standard-Mint oder -Ubuntu auf ext4 nutzt — das ist die Mehrheit — nimmt den RSYNC-Modus. Der wichtige Nebeneffekt: Nur dieser Modus kann die Snapshots auf ein anderes Laufwerk legen. Btrfs-Snapshots liegen immer auf derselben Platte und sind damit kein Schutz gegen einen Hardware-Defekt.

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Timeshift im RSYNC-Modus einrichten

Der Einstieg ist schnell erledigt: Ein Linux-Backup mit Timeshift steht nach fünf Schritten im Assistenten. Unter Linux Mint ist Timeshift vorinstalliert und über das Startmenü erreichbar. Auf Ubuntu, Debian und Derivaten installierst du es aus den Paketquellen:

sudo apt install timeshift

Welche Version du bekommst, hängt an der Distribution: Ubuntu 24.04 LTS liefert noch die Version 24.01.1, Ubuntu 26.04 LTS, Debian sid und Arch dagegen die aktuelle 25.12er-Reihe (Stand August 2026). Die 25.12 brachte drei Neuerungen, die im Alltag auffallen: einen Pause-Schalter für rsync-Snapshots, Backup-Hooks, die nach einem Snapshot eigene Skripte starten, und Unterstützung für LVM-auf-LUKS-Partitionen. Wer auf Mint 22.x sitzt, bekommt die Version über die Mint-eigenen Paketquellen; das auf Ubuntu 26.04 basierende Mint 23 ist erst für Dezember 2026 angekündigt.

  1. Timeshift starten und im Einrichtungsassistenten als Typ RSYNC wählen.
  2. Snapshot-Speicherort festlegen. Voreingestellt landen die Snapshots unter /timeshift auf der Systempartition. Besser ist eine separate interne oder eine dauerhaft angeschlossene externe Partition — stirbt die Systemplatte, sind die Snapshots dann noch da.
  3. Zeitplan setzen. Für Desktops reichen tägliche Snapshots mit etwa fünf aufbewahrten Ständen plus einem wöchentlichen. Aktiviere zusätzlich die Boot-Snapshots, dann hast du nach jedem Start einen frischen Stand.
  4. Ausschlüsse prüfen. Das Home-Verzeichnis ist bereits ausgeschlossen — dabei sollte es bleiben. Ergänze höchstens große, ersetzbare Ordner wie lokale VM-Images oder Spielebibliotheken.
  5. Ersten Snapshot erstellen über die Schaltfläche „Erstellen“. Im Terminal geht dasselbe skriptbar:
    sudo timeshift --create --comments "Erstes Backup" --tags D
    Der erste Durchlauf dauert je nach Systemgröße einige Minuten, danach werden nur noch Änderungen geschrieben.

Vorhandene Stände listest du mit sudo timeshift --list auf. Gewöhn dir an, vor jedem größeren Update — Distributions-Upgrade, Treiberwechsel, Kernel-Umstellung — einen Snapshot von Hand anzulegen. Das ist der Moment, in dem sich die Einrichtung bezahlt macht.

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Persönliche Daten mit rsync sichern

Für alles, was Timeshift auslässt, übernimmt rsync. Schließe eine externe Platte an (im Beispiel unter /mnt/backup eingehängt) und spiegle deinen Benutzerordner:

rsync -av --delete --exclude='.cache' /home/deinname/ /mnt/backup/home-backup/

Was die Optionen tun: -a ist der Archivmodus und behält Rechte, Zeitstempel und Symlinks, -v zeigt den Fortschritt, --delete entfernt im Backup, was in der Quelle gelöscht wurde, und --exclude überspringt Wegwerf-Ordner wie den Browser-Cache. Achte auf den abschließenden Schrägstrich hinter dem Quellpfad: Ohne ihn legt rsync das Verzeichnis eine Ebene tiefer noch einmal an.

Ein reiner Spiegel hat einen Haken — löschst du versehentlich etwas und der nächste Lauf startet, ist die Datei auch im Backup weg. Mehrere datierte Versionsstände bekommst du mit --link-dest: rsync vergleicht jede Datei mit dem letzten Backup und verlinkt Unverändertes per Hardlink, statt es erneut zu kopieren. Jeder Stand sieht aus wie eine vollständige Kopie, kostet aber nur den Platz der geänderten Dateien.

rsync -av --delete --link-dest=/mnt/backup/letztes \
  /home/deinname/ /mnt/backup/$(date +%F)/

Vor dem ersten scharfen Lauf lohnt sich --dry-run: rsync zeigt dann nur, was es täte, ohne etwas zu schreiben. Für die Automatisierung packst du den Befehl in ein kurzes Shell-Skript und rufst es per cron oder — moderner und mit Nachhol-Logik für ausgeschaltete Rechner — per systemd-Timer täglich auf.

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rsync 3.5.0: das Sicherheitsupdate vom August 2026

Am 13. August 2026 ist rsync 3.5.0 erschienen, und das ist kein gewöhnliches Wartungsrelease: Es schließt 33 Sicherheitslücken. Betroffen sind laut Projekt-Advisory alle Versionen bis einschließlich 3.4.4 — für Distributionen, die nicht sofort auf 3.5.0 springen können, gibt es Patch-Sets für 3.2.7 und 3.4.1.

Für die Einordnung hilft ein Blick auf die Angriffswege: Der Großteil der Lücken zielt auf den rsync-Daemon (etwa Konfigurationen mit use chroot = no, schreibbare Module oder das eingeschränkte Konto rrsync) oder auf Clients, die von einem fremden, bereits kompromittierten Server ziehen. Dein lokales Backup auf die eigene externe Platte ist damit das harmloseste Szenario. „Harmlos“ heißt aber nicht „egal“: Wer einen rsync-Daemon betreibt, Backups von gemieteten Servern holt oder RSYNC_PROXY gesetzt hat, sollte das Update vorziehen.

Prüfen und aktualisieren geht in zwei Schritten:

rsync --version
sudo apt update && sudo apt full-upgrade

Die Distributionen liefern die Fixes über die normalen Sicherheitsupdates aus, teils als zurückportierte Patches in der alten Versionsnummer — eine ältere Nummer bedeutet also nicht automatisch eine ungepatchte Version. Details zu den einzelnen CVEs stehen auf der Sicherheitsseite des rsync-Projekts.

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Wenn das nicht reicht: typische Stolperfallen

  • Snapshots auf derselben Platte. Liegen die Timeshift-Snapshots auf der Systempartition und die SSD stirbt, sind Original und Sicherung gleichzeitig weg. Mindestens eine Kopie gehört auf ein anderes, besser externes Laufwerk — das ist der Kern der 3-2-1-Regel: drei Kopien, zwei Medien, eine außer Haus.
  • System bootet nicht mehr. Startet Linux gar nicht mehr, boote ein Live-USB-Medium, installiere dort Timeshift und stelle den Snapshot von außen wieder her. Wichtig bei UEFI-Rechnern: Das Live-Medium muss im EFI-Modus gebootet werden, sonst findet Timeshift die Systempartition nicht korrekt. Aus dem laufenden System geht es per Terminal — Achtung, das überschreibt deine Systemdateien und startet den Rechner neu; wichtige, noch nicht gesicherte Daten vorher wegkopieren:
    sudo timeshift --restore --snapshot '2026-03-24_17-24-02'
  • Bootloader ist nicht GRUB2. Timeshift unterstützt ausdrücklich nur Systeme mit GRUB2. Auf Installationen mit älteren GRUB-Versionen kann das Wiederherstellen ein nicht mehr startfähiges System hinterlassen — hier führt kein Weg an einem Image-Backup vorbei.
  • Container und Docker-Hosts. Containerisierte Systeme sind laut Projekt nicht unterstützt, das Ergebnis ist unvorhersehbar. Wer Docker-Volumes sichern will, exportiert sie separat, statt sich auf Snapshots zu verlassen.
  • Btrfs-Installation. Läuft dein System auf Btrfs mit der Ubuntu-typischen Unterteilung in @ und @home, wähle den BTRFS-Modus — er ist schneller und byte-genau. Ergänze ihn aber um ein externes Backup, weil diese Snapshots die Platte nicht verlassen.
  • Verrutschte rsync-Pfade. Ein fehlender oder zu viel gesetzter Schrägstrich verschiebt die ganze Ordnerstruktur, und mit --delete räumt der nächste Lauf das Chaos auch noch auf. Deshalb: erst --dry-run, dann scharf schalten.
  • Nie zurückgespielt. Ein Backup, dessen Wiederherstellung noch nie getestet wurde, ist eine Vermutung. Stell einmal probeweise einen einzelnen Ordner aus dem rsync-Backup zurück und öffne einen Snapshot im Dateimanager.

Hintergrund: Warum zwei Werkzeuge statt einem?

Hinter der Aufteilung steckt ein Unterschied, der in der Fachinformatiker-Prüfung gern abgefragt wird: Systemwiederherstellung und Datensicherung verfolgen verschiedene Ziele. Die Systemwiederherstellung bringt ein defektes Betriebssystem schnell wieder in einen lauffähigen Zustand; ihr Inhalt ist austauschbar und jederzeit neu installierbar. Die Datensicherung schützt das Unwiederbringliche — Dokumente, Fotos, Konfigurationen, die es kein zweites Mal gibt.

Würde ein Werkzeug beides in denselben Snapshot packen, könnte das Zurücksetzen des Systems dir die Dateien von gestern mitlöschen. Ein Linux-Backup mit Timeshift deckt deshalb nur die eine Hälfte ab. Weil das Programm die Home-Verzeichnisse konsequent ausspart und rsync sie getrennt sichert, lassen sich beide Fälle unabhängig voneinander wiederherstellen — die Kombination deckt Systemcrash und Dateiverlust ab, ohne dass sich die beiden Sicherungen in die Quere kommen. Wie Timeshift arbeitet und was es bewusst nicht abdeckt, dokumentiert das Timeshift-Projekt bei GitHub.

Häufige Fragen

Sichert Timeshift auch meine persönlichen Dateien?

Nein. Timeshift schließt die Home-Verzeichnisse standardmäßig komplett aus und sichert nur Systemdateien und Einstellungen. Für Dokumente, Fotos und Musik brauchst du ein eigenes Backup, zum Beispiel mit rsync.

RSYNC- oder BTRFS-Modus — was soll ich nehmen?

Auf ext4 oder XFS nimmst du den RSYNC-Modus, er läuft überall und kann auf ein externes Laufwerk sichern. Den BTRFS-Modus wählst du nur, wenn das System auf Btrfs mit den Subvolumes @ und @home installiert ist.

Wohin gehören die Timeshift-Snapshots?

Auf ein anderes Laufwerk als das System, am besten ein externes. Liegen die Snapshots auf der Systemplatte und die SSD fällt aus, sind Original und Sicherung gleichzeitig verloren.

Wie stelle ich ein System wieder her, das nicht mehr bootet?

Von einem Live-USB-Medium starten (bei UEFI im EFI-Modus), dort Timeshift installieren, das Laufwerk mit den Snapshots auswählen und wiederherstellen. Voraussetzung ist ein System mit GRUB2.

Muss ich wegen der rsync-Sicherheitslücken vom August 2026 etwas tun?

Spiel die Distributions-Updates ein. rsync 3.5.0 schließt 33 Lücken, betroffen sind alle Versionen bis 3.4.4. Dringend ist es vor allem für rsync-Daemons und für Backups, die von fremden Servern gezogen werden.

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Marcel Meyer

# wer schreibt hier

Marcel Meyer schraubt seit über zehn Jahren an Rechnern, Netzwerken und Servern — beruflich wie privat. Hier übersetzt er IT-Grundlagen in verständliche Schritte.

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