Timeshift unter Linux einrichten: Snapshot anlegen und System zurücksetzen

Hände schließen eine externe USB-Festplatte an einen Laptop an, um Linux-Snapshots mit Timeshift zu speichern

Timeshift unter Linux einrichten dauert keine zehn Minuten: Paket installieren (sudo apt install timeshift), im Assistenten den RSYNC-Modus wählen, als Ziel eine Linux-formatierte Partition angeben, den Zeitplan auf tägliche und wöchentliche Snapshots stellen und einen ersten Snapshot anlegen. Gesichert wird das Betriebssystem samt Konfiguration in /etc — dein Home-Verzeichnis bleibt bewusst außen vor und braucht ein eigenes Backup.

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Was Timeshift sichert — und was nicht

Timeshift ist ein Werkzeug zur Systemwiederherstellung, also für den Zustand des Betriebssystems: installierte Pakete, Systemeinstellungen, der Konfigurationsordner /etc. Vom Prinzip her ist es das Linux-Gegenstück zur Systemwiederherstellung unter Windows. Nach einem misslungenen Update, einem zerschossenen Grafiktreiber oder einer verkorksten Konfigurationsdatei springst du damit auf den letzten funktionierenden Stand zurück.

Was Timeshift nicht sichert, ist genauso wichtig: Die kompletten Home-Verzeichnisse der Benutzer sind standardmäßig ausgeschlossen, dazu Verzeichnisse wie /tmp, /var/log und /var/cache. Das hat einen Grund. Würde Timeshift dein Home mitsichern, würde eine Wiederherstellung neuere Dokumente, Fotos und Mails durch ältere Versionen ersetzen. Versteckte Konfigurationsdateien im Home — die Punkt-Ordner wie .config — kannst du in den Einstellungen gezielt aufnehmen, deine Nutzdaten bleiben trotzdem draußen.

Der Merksatz dazu: Timeshift rettet dein System, nicht deine Dateien. Für Dokumente, Fotos und Mails brauchst du ein zweites, getrenntes Backup — etwa Déjà Dup, ein rsync-Skript auf eine externe Platte oder unter Linux Mint das mitgelieferte Datensicherungswerkzeug. Erst beides zusammen ergibt eine vollständige Sicherungsstrategie.

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Stand 2026: Welche Version deine Distribution mitbringt

Das Projekt stammt ursprünglich von Tony George und wird seit Jahren vom Linux-Mint-Team als Teil der XApp-Familie gepflegt. Welche Version bei dir landet, hängt am Alter deiner Distribution:

DistributionTimeshift-Version
Ubuntu 22.04 LTS (Jammy)21.09.1
Ubuntu 24.04 LTS (Noble)24.01.1
Ubuntu 25.1024.06.6
Ubuntu 26.04 LTS (Resolute Raccoon, seit 23. April 2026)25.12.4
Fedora 43 / 4425.12.4
Arch Linux (Repository extra)25.12.4
Linux Mint 22.3 „Zena“ (Januar 2026)vorinstalliert, Mint-eigener Build

Praktisch heißt das: Läufst du auf einem LTS-System, arbeitest du mit einer älteren Ausgabe — das ist kein Problem, die Kernfunktionen sind seit Jahren stabil und die Snapshots bleiben untereinander kompatibel. Die neueren Ausgaben können einen laufenden Snapshot pausieren und später fortsetzen; in Linux Mint kam diese Funktion mit Version 22.3 „Zena“ im Januar 2026 an. Die Paketstände lassen sich jederzeit in der Ubuntu-Paketübersicht nachschlagen.

Voraussetzungen prüfen: Modus, Ziellaufwerk, Speicherplatz

Bevor du Timeshift unter Linux einrichten kannst, klärst du drei Punkte — sie entscheiden darüber, ob der Assistent später überhaupt ein gültiges Ziel anbietet:

  • Snapshot-Modus: RSYNC arbeitet mit rsync und Hardlinks und läuft auf jedem gängigen Linux-Dateisystem. Der BTRFS-Modus setzt ein BTRFS-Dateisystem im Ubuntu-typischen Subvolume-Layout mit @ und @home voraus. Andere Layouts — etwa Fedoras Standard mit root und home — erkennt Timeshift nicht, und eine Auslagerungsdatei muss in einem eigenen Subvolume liegen, nicht in @ oder @home.
  • Ziel-Dateisystem: Die Snapshots landen im Ordner /timeshift auf dem gewählten Laufwerk. Zulässig sind normale Linux-Partitionen (ext4, XFS, BTRFS), auch LUKS-verschlüsselt oder unter LVM2. NTFS- und FAT-Laufwerke fallen aus, weil sie keine Hardlinks und Symlinks führen — genau die braucht Timeshift. Netzlaufwerke über Samba oder NFS sind ebenfalls kein gültiges Ziel.
  • Speicherplatz: Als Faustregel plane etwa die doppelte Größe deines belegten Systemspeichers ein. Für Snapshots, die du länger aufheben willst, ist eine externe, mit ext4 formatierte Festplatte der ruhigere Weg als eine zweite Partition auf derselben SSD — stirbt der Datenträger, wären sonst System und Sicherung gleichzeitig weg.

Zwei weitere Randbedingungen aus der Projektdokumentation: Timeshift setzt GRUB2 als Bootloader voraus (EFI-Systeme werden unterstützt), und Systeme, die in Containern laufen, sind ausdrücklich nicht abgedeckt.

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Timeshift unter Linux einrichten: Schritt für Schritt

  1. Installieren. Auf Debian/Ubuntu/Mint: sudo apt update, danach sudo apt install timeshift. Unter Linux Mint ist das Programm bereits an Bord. Fedora: sudo dnf install timeshift. Arch: sudo pacman -S timeshift aus dem Repository extra.
  2. Starten. Im Anwendungsmenü unter „Systemverwaltung“ nach Timeshift suchen oder im Terminal sudo timeshift-gtk eingeben. Das Programm braucht Administratorrechte und fragt nach deinem Passwort.
  3. Snapshot-Typ wählen. Für die allermeisten Rechner ist RSYNC die richtige Antwort: läuft auf jedem Dateisystem, die Snapshots liegen als normale Ordner auf der Platte und lassen sich mit dem Dateimanager ansehen. Nur der erste Durchlauf dauert länger.
  4. Ziellaufwerk auswählen. Also die Partition oder externe Platte, auf der die Snapshots liegen sollen. Taucht dein Wunschlaufwerk hier nicht auf, stimmt etwas mit dem Dateisystem nicht — siehe der Abschnitt weiter unten.
  5. Zeitplan festlegen. Timeshift kennt die Stufen Boot, stündlich, täglich, wöchentlich und monatlich, jeweils mit einer Aufbewahrungszahl. Für einen Desktop-Rechner sind fünf tägliche und drei wöchentliche Snapshots ein guter Ausgangswert; ältere räumt Timeshift selbstständig weg.
  6. Assistenten abschließen. Die Einstellungen liegen anschließend in /etc/timeshift/timeshift.json — praktisch, wenn du dieselbe Konfiguration später auf einem zweiten Rechner nachbauen willst.

Den ersten Snapshot anlegen — im Fenster und im Terminal

Im Hauptfenster genügt ein Klick auf Erstellen. Der erste Durchlauf im RSYNC-Modus dauert je nach Systemgröße einige Minuten, weil das komplette System einmal kopiert wird. Jeder weitere Snapshot ist deutlich schneller, weil nur noch Änderungen dazukommen.

Auf der Kommandozeile führt derselbe Weg schneller zum Ziel — vor allem, wenn du ohnehin gerade im Terminal ein Update anstößt:

  • sudo timeshift --create --comments "Vor Kernel-Update" — legt einen Snapshot mit Beschreibung an.
  • sudo timeshift --list — zeigt alle vorhandenen Snapshots mit Namen und Datum.
  • sudo timeshift --check — legt nur dann einen Snapshot an, wenn laut Zeitplan einer fällig ist. Der richtige Aufruf für eigene Skripte.
  • --scripted ergänzt die Befehle für den nicht-interaktiven Betrieb, --yes beantwortet Rückfragen automatisch mit Ja.

Angewöhnen lohnt sich vor allem eins: vor jedem größeren Eingriff — Distributions-Upgrade, neuer Grafiktreiber, Experiment mit Systempaketen — einen manuellen Snapshot mit aussagekräftigem Kommentar. Eine Momentaufnahme, die „Vor Kernel-Update“ heißt, findest du in einer Liste mit zwanzig automatischen Einträgen sofort wieder.

Snapshot wiederherstellen — auch wenn nichts mehr bootet

Vorher lesen: Eine Wiederherstellung überschreibt den Systemzustand vollständig. Alles, was du seit dem gewählten Snapshot am System geändert oder installiert hast, ist danach weg. Persönliche Dateien bleiben zwar unberührt, ein aktuelles Datenbackup vor dem Zurücksetzen ist trotzdem die vernünftigere Reihenfolge.

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Wenn das System noch startet: Timeshift öffnen, den gewünschten Snapshot markieren, auf Wiederherstellen klicken. Im Dialog prüfst du, dass als Zielpartition wirklich dein System-Root (/) eingetragen ist, und bestätigst. Timeshift spielt den Stand zurück und startet den Rechner neu. Im Terminal sind es zwei Befehle:

  • sudo timeshift --list — Namen des gewünschten Snapshots ablesen.
  • sudo timeshift --restore --snapshot "2026-08-12_10-30-45" — diesen Stand zurückspielen.

Wenn das System nicht mehr bootet: Starte vom Live-USB-Stick deiner Distribution, installiere Timeshift in der Live-Sitzung (sudo apt install timeshift) und öffne das Programm. Über Durchsuchen wählst du den Ordner /timeshift auf deiner internen oder externen Platte aus, danach Snapshot und Zielpartition wie gewohnt. Auf diesem Weg bekommst du auch ein System wieder ans Laufen, das nach einem fehlgeschlagenen Update nur noch eine Fehlermeldung zeigt — der eigentliche Grund, warum sich die Einrichtung im Vorfeld lohnt.

Häufige Fragen

Sichert Timeshift auch meine persönlichen Dateien?

Nein. Timeshift sichert nur das System: Pakete, Einstellungen und den Ordner /etc. Die Home-Verzeichnisse sind standardmäßig ausgeschlossen, damit eine Wiederherstellung keine neueren Dokumente überschreibt. Für persönliche Daten brauchst du ein zweites Backup.

RSYNC oder BTRFS — welchen Modus soll ich wählen?

RSYNC ist für die meisten Rechner die richtige Wahl: Er läuft auf ext4, XFS und BTRFS. Der BTRFS-Modus setzt das Ubuntu-typische Subvolume-Layout mit @ und @home voraus; fehlt es, meldet Timeshift ein nicht unterstütztes Layout.

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Kann ich Timeshift nutzen, wenn Linux gar nicht mehr startet?

Ja. Boote vom Live-USB-Stick deiner Distribution, installiere dort Timeshift, klicke auf „Durchsuchen“ und wähle den Ordner /timeshift auf der Platte. Danach Snapshot und Zielpartition auswählen und wiederherstellen.

Warum erkennt Timeshift meine externe Festplatte nicht?

Weil sie vermutlich mit NTFS oder FAT formatiert ist. Beide führen keine Hardlinks, die Timeshift für Snapshots benötigt. Formatiere eine Partition mit ext4. Netzlaufwerke über Samba oder NFS scheiden als Ziel ebenfalls aus.

Wie viel Speicherplatz brauchen die Snapshots?

Der erste Snapshot ist so groß wie dein belegtes System. Spätere Snapshots speichern über Hardlinks nur die Änderungen und bleiben klein. Plane als Faustregel die doppelte Größe deines belegten Systemspeichers ein.

Hintergrund: Warum der zweite Snapshot kaum Platz kostet

Im RSYNC-Modus arbeitet Timeshift mit Hardlinks. Ein Hardlink ist ein zweiter Name für dieselben Daten auf der Platte: Eine Datei, die sich seit dem letzten Snapshot nicht geändert hat, wird nicht erneut kopiert, sondern beide Snapshots zeigen auf denselben Datenblock. Zusätzlichen Platz belegt nur, was tatsächlich neu oder geändert ist. Deshalb ist der erste Snapshot groß und langsam und alle folgenden klein und schnell — und deshalb scheitert der Ansatz auf Dateisystemen ohne Hardlink-Unterstützung.

Im BTRFS-Modus übernimmt das Dateisystem diese Aufgabe selbst über Copy-on-Write: Snapshots entstehen praktisch verzögerungsfrei und kosten anfangs fast keinen Speicher. Der Preis ist die Bindung an ein bestimmtes Subvolume-Layout und daran, dass sich diese Snapshots nicht einfach auf eine externe Platte schieben lassen. Für ein klassisches ext4-Desktop-System bleibt RSYNC die robustere Grundlage.

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Marcel Meyer

# wer schreibt hier

Marcel Meyer schraubt seit über zehn Jahren an Rechnern, Netzwerken und Servern — beruflich wie privat. Hier übersetzt er IT-Grundlagen in verständliche Schritte.

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