Ping und Traceroute erklärt: Netzwerkprobleme selbst finden

Person diagnostiziert Netzwerkprobleme am Laptop neben einem WLAN-Router mit Ethernet-Kabeln

Ping prüft, ob ein Zielrechner erreichbar ist und wie schnell er antwortet. Traceroute (unter Windows heißt der Befehl tracert) zeigt jeden Router auf dem Weg dorthin. Zusammen grenzt du in zwei Minuten ein, ob ein Verbindungsproblem an deinem PC, deinem Router, dem Provider oder dem Zielserver liegt — ohne Zusatzsoftware, direkt über die Kommandozeile.

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Beide Werkzeuge stecken in jedem Windows, Linux und macOS schon ab Werk. Du tippst sie in die Eingabeaufforderung (Windows) beziehungsweise ins Terminal (Linux/macOS) und liest aus der Antwort heraus, an welcher Stelle der Strecke es hakt. Genau diese Eingrenzung ist der Trick: Statt pauschal „das Internet ist kaputt“ weißt du danach, wer schuld ist.

Ping: Ist das Ziel überhaupt erreichbar?

Ping schickt ein kleines Datenpaket — ein sogenanntes ICMP-Echo-Request (ICMP ist das Steuerprotokoll des Internets für solche Status-Nachrichten) — an die Zieladresse. Antwortet das Ziel mit einem Echo-Reply, weißt du zweierlei: Es ist erreichbar, und du siehst die Antwortzeit in Millisekunden. Diese Zeit nennt man Round Trip Time (RTT), also die komplette Dauer von Hinweg plus Rückweg.

SystemBefehlVerhalten
Windowsping google.desendet standardmäßig 4 Pakete und stoppt
Windows (Dauertest)ping -t google.deläuft, bis du Strg+C drückst
Linux / macOSping google.deläuft dauerhaft, Abbruch mit Strg+C
Linux / macOS (10 Pakete)ping -c 10 google.desendet genau 10 Pakete

Eine erfolgreiche Antwort sieht unter Windows etwa so aus: Antwort von 142.250.x.x: Bytes=32 Zeit=14ms TTL=117. Unter Linux liest es sich als 64 bytes from 142.250.x.x: icmp_seq=1 ttl=117 time=14 ms. Wichtig ist der Zeit– beziehungsweise time-Wert: Im LAN bewegt er sich meist unter 5 ms, zu einem deutschen Server sind 10 bis 40 ms normal, zu Servern in den USA gern 100 ms und mehr.

Heißt es dagegen Zeitüberschreitung der Anforderung (Windows) oder am Ende 100% packet loss (Linux), kam keine Antwort zurück. Das bedeutet nicht zwangsläufig „defekt“: Manche Server beantworten Ping bewusst nicht, weil ihre Firewall ICMP blockt. Ping sagt dir also, ob Pakete ankommen — nicht, ob ein konkreter Dienst wie eine Webseite oder ein Mailserver tatsächlich läuft.

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Traceroute: Wo auf der Strecke klemmt es?

Ein Ping sagt nur „erreichbar“ oder „nicht erreichbar“. Traceroute geht einen Schritt weiter und listet jeden Router — im Fachjargon Hop — zwischen dir und dem Ziel auf. Jede Zeile der Ausgabe ist eine Station auf der Reise des Pakets, samt Antwortzeit. So siehst du, ob die Strecke schon in deinem Heimnetz, beim Provider oder erst kurz vor dem Ziel stockt.

  • Windows: tracert google.de
  • Linux: traceroute google.de (notfalls vorher mit sudo apt install traceroute nachinstallieren)
  • macOS: traceroute google.de (ab Werk vorhanden)

Die ersten Zeilen zeigen typischerweise deinen Router (oft 192.168.0.1 oder 192.168.178.1 bei einer FRITZ!Box), danach den Übergang ins Provider-Netz, dann mehrere Stationen des Providers und schließlich das Rechenzentrum des Ziels. Drei Zeitwerte pro Zeile sind normal — Traceroute fragt jeden Hop dreimal an.

Schritt für Schritt: ein Netzwerkproblem eingrenzen

Diese Reihenfolge arbeitet sich vom eigenen PC nach außen vor. Sobald ein Schritt fehlschlägt, hast du den Schuldigen meist schon gefunden.

  1. Eigenen Router anpingen — z.B. ping 192.168.178.1. Klappt das nicht, liegt das Problem zwischen PC und Router: WLAN-Verbindung, Netzwerkkabel oder die Netzwerkkarte. Das Internet ist hier noch gar nicht im Spiel.
  2. Eine externe IP anpingenping 8.8.8.8 (ein öffentlicher DNS-Server von Google). Antwortet diese, aber Webseiten laden nicht, ist die reine Internetverbindung in Ordnung — verdächtig ist dann die Namensauflösung (DNS).
  3. Einen Namen anpingenping google.de. Schlägt nur dieser Schritt fehl, während die IP aus Schritt 2 antwortet, ist es ein DNS-Problem: Dein PC findet die zum Namen passende IP-Adresse nicht.
  4. Strecke verfolgentracert google.de. Notiere, bei welchem Hop die Zeiten plötzlich hochschießen oder die Antworten ausbleiben. Genau dort sitzt der Engpass.

Bevor du tiefer eingreifst: Ein simpler Neustart von Router und PC behebt einen erstaunlich großen Teil dieser Fälle, weil er hängende Verbindungen und veraltete Adresszuweisungen zurücksetzt.

Die Ausgabe richtig lesen — Zeiten, Sternchen und Paketverlust

Die Zahlen alleine helfen wenig, wenn du nicht weißt, was „normal“ ist. Diese drei Signale tauchen am häufigsten auf:

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  • Stark schwankende oder steigende Zeiten deuten auf eine überlastete Strecke hin. Ein einzelner Hop mit hoher Zeit ist aber kein Alarm, solange die Hops danach wieder schnell sind — viele Router behandeln direkte Anfragen an sich selbst nachrangig, leiten echten Datenverkehr aber zügig weiter.
  • Sternchen (*) bei Traceroute heißen: Dieser Router hat auf die Anfrage nicht geantwortet. Oft blockt er solche Pakete nur aus Sicherheitsgründen — ein Problem ist es erst, wenn ab einem Hop alle folgenden Zeilen aus Sternchen bestehen und das Ziel nie erreicht wird.
  • Paketverlust zeigt Ping in der Zusammenfassung an (packet loss in Prozent). Vereinzelte Verluste sind tolerierbar; dauerhaft 20 % und mehr erklären abreißende Videocalls und ruckelnde Streams.

Faustregel für die Schuldfrage: Liegt der schlechte Hop in den ersten ein bis zwei Zeilen, ist es dein eigenes Netz. Mitten in der Provider-Strecke ist es Sache deines Anbieters. Erst ganz am Ende — Pech des Zielservers, da kannst du nichts machen außer abwarten.

Hintergrund: Was TTL und ICMP damit zu tun haben

Für Azubis und alle, die das Prinzip verstehen wollen: Traceroute nutzt einen cleveren Trick mit dem TTL-Wert. TTL steht für „Time To Live“ und ist ein Zähler in jedem IP-Paket, der verhindert, dass Pakete ewig im Kreis laufen. Jeder Router, den ein Paket passiert, zieht eins von diesem Wert ab. Erreicht der Zähler null, verwirft der betreffende Router das Paket und schickt eine ICMP-Meldung „Time Exceeded“ zurück — inklusive seiner eigenen Adresse.

Traceroute macht sich das zunutze: Es sendet das erste Paket mit TTL = 1, das also schon beim ersten Router stirbt und ihn dadurch verrät. Das nächste Paket bekommt TTL = 2 und enttarnt den zweiten Hop, und so weiter. Auf diese Weise tastet sich das Werkzeug Station für Station bis zum Ziel vor. Ein technischer Unterschied am Rande, der in der Fachinformatiker-Prüfung gern abgefragt wird: Windows-tracert verschickt dafür ICMP-Pakete, während das klassische Linux-traceroute standardmäßig UDP-Pakete nutzt. Das Ergebnis ist dasselbe, der Weg dorthin unterscheidet sich — und erklärt, warum dieselbe Strecke auf zwei Systemen leicht abweichende Ausgaben liefern kann.

Ping wiederum nutzt nur das ICMP-Echo-Prinzip ohne TTL-Spielerei: ein Paket hin, ein Paket zurück, Zeit gestoppt. Schlicht, aber für die erste Frage — „lebt das Ziel überhaupt?“ — genau richtig.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Ping und Traceroute?

Ping prüft nur, ob ein Ziel erreichbar ist und wie schnell es antwortet. Traceroute zeigt zusätzlich jeden Router auf dem Weg dorthin und verrät so, an welcher Station der Strecke ein Problem auftritt.

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Wie heißt der Traceroute-Befehl unter Windows?

Unter Windows lautet der Befehl tracert, zum Beispiel tracert google.de in der Eingabeaufforderung. Unter Linux und macOS heißt er dagegen traceroute.

Was bedeuten Sternchen (*) in der Traceroute-Ausgabe?

Ein Sternchen heißt, dass dieser Router nicht geantwortet hat — oft blockt er solche Pakete nur aus Sicherheitsgründen. Kritisch wird es erst, wenn ab einem Hop alle folgenden Zeilen aus Sternchen bestehen und das Ziel nie erreicht wird.

Warum antwortet ein Ping nicht, obwohl die Webseite erreichbar ist?

Viele Server blocken ICMP-Pakete per Firewall, beantworten Ping also bewusst nicht. Die Webseite kann trotzdem normal laufen. Ping prüft die Erreichbarkeit, nicht die Funktion eines konkreten Dienstes.

Wie finde ich heraus, ob mein Internetproblem an mir oder am Provider liegt?

Pinge zuerst deinen Router, dann eine externe IP wie 8.8.8.8, dann einen Domainnamen. Mit tracert siehst du danach, ob die Zeiten erst in deinem Netz, in der Provider-Strecke oder beim Ziel hochschießen.

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Marcel Meyer

# wer schreibt hier

Marcel Meyer schraubt seit über zehn Jahren an Rechnern, Netzwerken und Servern — beruflich wie privat. Hier übersetzt er IT-Grundlagen in verständliche Schritte.

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