Lade CrystalDiskInfo (kostenlos, Open Source) von der Herstellerseite, installiere es und starte es. Oben zeigt das Programm pro Laufwerk einen Gesundheitszustand: Blau = Gut, Gelb = Vorsicht, Rot = Schlecht. Steht dort „Gut“, ist die Platte gesund. Bei Gelb oder Rot gilt: sofort Daten sichern und das Laufwerk ersetzen. Die SMART-Werte darunter begründen dieses Urteil.
SMART steht für „Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology“ – eine in jede moderne HDD und SSD eingebaute Selbstüberwachung. Das Laufwerk zählt im Hintergrund Fehler, Betriebsstunden und Verschleiß; CrystalDiskInfo liest diese Zähler nur aus und übersetzt sie in ein Ampel-Urteil. Wer wissen will, ob ein Datenträger bald ausfällt, schaut genau hier nach.
Wann diese Anleitung das Richtige für dich ist
SMART-Werte zu prüfen lohnt sich besonders, wenn dir eines davon bekannt vorkommt:
- Der Rechner hängt oder friert ein, vor allem beim Öffnen oder Speichern größerer Dateien.
- Eine klassische Festplatte (HDD) klackert, klickt oder dreht hörbar mehrfach hoch.
- Dateien lassen sich plötzlich nicht mehr öffnen oder sind beschädigt.
- Windows meldet beim Start „S.M.A.R.T.-Fehler erkannt“ oder es häufen sich Bluescreens.
- Du kaufst einen gebrauchten Rechner oder eine gebrauchte SSD und willst Betriebsstunden und Verschleiß sehen.
Für all das brauchst du nur ein Tool und fünf Minuten. Wichtig vorweg: SMART zeigt den Zustand, repariert aber nichts. Eine als „Vorsicht“ oder „Schlecht“ gemeldete Platte wird durch kein Programm wieder gesund – das Ziel ist, die Daten rechtzeitig zu retten.
SMART-Werte mit CrystalDiskInfo auslesen – Schritt für Schritt
- Programm von der offiziellen Quelle laden. CrystalDiskInfo gibt es kostenlos und quelloffen von Crystal Dew World (crystalmark.info). Lade es dort oder bei einem seriösen Portal wie heise.de – manche Download-Seiten bündeln sonst Werbe-Software mit.
- Installieren oder portabel nutzen. Es gibt eine Installer- und eine ZIP-Variante (portable). Die ZIP entpackst du einfach und startest die EXE ohne Installation – praktisch für den USB-Stick.
- Laufwerk auswählen. Sind mehrere Datenträger verbaut, erscheint oben eine Reiterleiste. Klicke das zu prüfende Laufwerk an; die Werte unten beziehen sich immer auf das markierte.
- Gesundheitszustand ablesen. Im Kasten oben links steht „Gesundheitszustand“. Blau bzw. „Gut“ heißt alle Werte im grünen Bereich. Gelb „Vorsicht“ und Rot „Schlecht“ sind deine Warnsignale.
- Temperatur prüfen. Daneben steht die aktuelle Temperatur. Als grober Richtwert gelten unter 40 °C als unkritisch; dauerhaft über 45 °C deutet auf zu wenig Gehäuse-Belüftung hin.
- Die SMART-Tabelle durchsehen. Darunter listet das Programm alle Einzelwerte. Achte auf gelb oder rot markierte Punkte und lies immer die Spalte Rohwert (engl. „Raw Value“) – sie enthält die echte Zahl, nicht den normierten Wert.
- Bei Gelb oder Rot: zuerst sichern. Kopiere wichtige Dateien sofort auf ein anderes Laufwerk, bevor du irgendetwas anderes versuchst. Erst danach über Ersatz nachdenken.
Stolperfalle Rohwerte: CrystalDiskInfo zeigt die Rohwerte standardmäßig hexadezimal an (z. B. „0A“ statt 10). Wer lieber Dezimalzahlen sehen will, stellt das unter Funktion → Erweiterte Funktionen → Rohwerte → 10 [DEZ] um.
Welche SMART-Werte wirklich zählen
Die Liste wirkt lang, aber nur eine Handvoll Werte entscheidet über den Zustand. Diese solltest du kennen:
Bei klassischen Festplatten (HDD)
- 05 – Wiederzugewiesene Sektoren (Reallocated Sectors): Defekte Sektoren, die durch Reserve ersetzt wurden. Soll 0 sein. Jeder steigende Wert bedeutet: Die Oberfläche bekommt Schäden.
- C5 – Schwebende Sektoren (Current Pending): Instabile Sektoren, die auf Ersatz warten. Steigt dieser Wert, kündigt sich oft ein Ausfall an.
- C6 – Nicht korrigierbare Sektoren (Uncorrectable): Sektoren mit unrettbaren Lesefehlern. Schon ein Wert über 0 löst die Warnung „Vorsicht“ aus.
- C7 – UltraDMA-CRC-Fehler: Übertragungsfehler. Hohe Werte deuten eher auf ein defektes SATA-Kabel als auf die Platte selbst hin.
- 09 – Betriebsstunden: Kein Fehler, aber ein Alterssignal – nützlich beim Gebrauchtkauf.
Bei SSDs
- Verbrauchte Lebensdauer / „Percentage Used“: Zeigt den NAND-Verschleiß in Prozent. Je näher an 100 %, desto verbrauchter ist der Speicher.
- Geschriebene Datenmenge (Total Host Writes): Wie viele Terabyte schon geschrieben wurden – vergleichbar mit der vom Hersteller angegebenen TBW-Grenze.
- Verfügbarer Reservespeicher (Available Spare): Sollte bei 100 % liegen; unter rund 10 % wird es kritisch.
- Medienfehler (Media Errors): Soll 0 sein – jeder Zähler steht für beginnende NAND-Degradation.
Wenn das Ergebnis unklar bleibt
Nicht jeder Fall ist eindeutig. Diese drei Situationen tauchen am häufigsten auf:
- Status „Unbekannt“ (grau) bei USB-Gehäusen: Viele externe Gehäuse und USB-Adapter reichen die SMART-Daten nicht durch. Schließe das Laufwerk – wenn möglich – direkt per SATA an, um echte Werte zu sehen.
- Alles blau, aber der Rechner zickt trotzdem: Stehen viele C7-CRC-Fehler in der Liste, tausche zuerst das SATA-Kabel. Liegt es nicht am Laufwerk, prüfe das Dateisystem per
chkdskin der Eingabeaufforderung (mit Administratorrechten). - NVMe-SSDs zeigen andere Werte: Moderne M.2-NVMe-Laufwerke nutzen ein eigenes Attribut-Set (z. B. „Available Spare“ und „Percentage Used“ statt der klassischen Sektor-Zähler). CrystalDiskInfo zeigt sie korrekt an, nur die Bezeichnungen weichen ab.
Wichtig in jedem Fall: Lege vor jedem tiefer gehenden Eingriff am Datenträger zuerst eine Sicherung an.
Hintergrund: Warum eine Platte sich selbst überwacht
SMART wurde eingeführt, weil Datenträger selten von einer Sekunde auf die andere sterben – sie kündigen ihr Ende meist an. Eine HDD entwickelt erst einzelne defekte Sektoren, eine SSD nutzt nach und nach ihre Speicherzellen ab. Das Laufwerk protokolliert diese Anzeichen laufend in seinen SMART-Zählern, lange bevor du den Schaden bemerkst.
Genau deshalb ist regelmäßiges Auslesen so wirksam: Du erkennst den Trend, nicht nur den Endzustand. Eine wichtige Einschränkung bleibt aber: Tests zeigen, dass rund ein Drittel der Ausfälle von SMART nicht vorhergesagt wird – manche Platten sterben ohne Vorwarnung. SMART ersetzt also kein Backup, es ergänzt es. Wer die Werte prüft und zusätzlich regelmäßig sichert, verliert im Ernstfall keine Daten.
Häufige Fragen
Ist CrystalDiskInfo kostenlos?
Ja. CrystalDiskInfo ist kostenlos und quelloffen (Open Source) und läuft unter Windows. Lade es von der Herstellerseite crystalmark.info oder einem seriösen Portal wie heise.de, um keine gebündelte Werbe-Software mitzuinstallieren.
Was bedeutet der gelbe Status „Vorsicht“?
Gelb heißt, mindestens ein SMART-Wert hat eine Warnschwelle überschritten – etwa wiederzugewiesene oder schwebende Sektoren. Die Platte funktioniert oft noch, fällt aber bald aus. Sichere jetzt deine Daten und plane den Austausch ein.
Kann CrystalDiskInfo eine defekte Festplatte reparieren?
Nein. Das Programm liest nur den Zustand aus und bewertet ihn, es repariert nichts. Eine als „Vorsicht“ oder „Schlecht“ eingestufte Platte wird nicht wieder gesund – das Ziel ist, die Daten rechtzeitig zu sichern und den Datenträger zu ersetzen.
Wie oft sollte ich die SMART-Werte prüfen?
Für Privatnutzer reicht eine Kontrolle alle paar Wochen sowie immer dann, wenn der Rechner auffällig langsam wird oder Geräusche macht. CrystalDiskInfo kann sich auch in den Autostart legen und beim Überschreiten von Schwellen warnen.
Sind die SMART-Werte zuverlässig?
Sie sind ein gutes Frühwarnsystem, aber kein Garant: Rund ein Drittel der Laufwerksausfälle wird von SMART nicht vorhergesagt. Verlasse dich deshalb nie allein darauf, sondern halte zusätzlich ein aktuelles Backup bereit.




